Panorama

In dieser Physik ist der Wurm drin

18.09.2020 - Der Ig Nobel-Preis für Physik 2020 geht an Forscher, die das Verhalten von Regenwürmern bei Vibrationen mit hohen Frequenzen untersucht haben.

Zum dreißigsten Mal zeichnet der Ig Nobel-Preis Forschungen aus, die erst zum Lachen und dann zum Nachdenken anregen, und ist damit wie jedes Jahr der lustige Auftakt zur seriösen Nobelpreis-Saison ab Anfang Oktober.

Im Bereich Physik zeigt sich wiedermal, dass Forschungen mit Tieren besonders hohe Chancen auf einen Ig Nobel-Preis haben. So wurden Arbeiten zur Rheologie von Katzen (2017), die Auswirkung von polarisiertem Licht auf Libellen und Bremsen (2016) oder die Blasenentleerung von Säugetieren (2015) ausgezeichnet.

In diesem Jahr erhalten die beiden Forscher Andriy Pototskyy und Ivan Maksymov von der Swinburne University of Technology in Australien den Ig Nobel-Preis für Physik für ihre Forschungen über das Verhalten von lebenden Regenwürmern bei Vibrationen mit hohen Frequenzen. Andriy Pototskyy hatte 2005 an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU Cottbus) in theoretischer Physik promoviert.

Die beiden Forscher untersuchten vier häufige Regenwurmarten, um zu zeigen, dass sich in lebenden Organismen, die hauptsächlich aus Wasser bestehen, analoge nichtlineare Phänomene wie in Flüssigkeitstropfen ausbilden.

Pototskyy und Maksymov stehen damit in der Tradition von Forschern, die im 19. Jahrhundert den Einfluss von Vibrationen auf Flüssigkeiten untersucht haben. So setzte Faraday 1831 Flüssigkeitsschichten vertikal in Vibration und beobachtete, wie auf der freien Oberfläche dynamische Strukturen entstanden. Später berechneten Rayleigh und Kelvin die Eigenschwingungen freier sphärischer Tropfen idealer Flüssigkeiten. (Mehr dazu im Artikel von Karin John und Uwe Thiele im Physik Journal, Februar 2013, siehe unten).

Die Ig Nobel-Preisträger konnten in ihrer Arbeit, die Vibrationen von lebenden Würmern zeigen. Am 22. Mai dieses Jahres veröffentlichten sie, dass vertikale Vibrationen bei Regenwürmern, die horizontal auf einer ebenen festen Oberfläche liegen, zum Auftreten von subharmonischen Faraday-ähnlichen Körperwellen führen.

Das sei möglich, weil Regenwürmer ein hydrostatisches Skelett mit einer flexiblen Haut und eine mit Flüssigkeit gefüllte Körperhöhle besitzen. Das mutet skurril an, aber die beiden Forscher betonen, dass die Anregung nichtlinearer subharmonischer Körperwellen in einem lebenden Organismus dazu dienen können, biophysikalische Prozesse untersuchen und kontrollieren zu können, etwa die Ausbreitung von Nervenimpulsen.

Die Corona-Pandemie ist auch nicht spurlos am Ig Nobel-Preis vorbeigegangen, denn die Zeremonie, die normalerweise in ebenso festlichem als auch skurrilen Rahmen an der Havard University stattfindet, musste diesmal rein virtuell erfolgen. Das ist allerdings auch sehenswert. Im Video der Web-Zeremonie sind die Preisträger in Physik ab Minute 25:44 zu erleben. Überreicht wurde der Preis auf originelle virtuelle Weise vom amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträger Eric Stark Maskin.

Die Auszeichnung für medizinische Ausbildung hat in diesem Jahr auch Corona-Bezug und ging an folgende Staatsmänner: Jair Bolsonaro (Brasilien), Boris Johnson (Großbritannien), Narendra Modi (Indien), Andrés Manuel López Obrador (Mexiko), Alexander Lukashenko (Weißrussland), Donald Trump (USA), Recep Tayyip Erdogan (Türkei), Vladimir Putin (Russland) und Gurbanguly Berdimuhamedow (Turkmenistan). Diese erhalten den Preis dafür, dass sie “die Covid-19-Virus-Pandemie genutzt haben, um der Welt zu lehren, dass Politiker einen unmittelbareren Effekt auf das Leben und die Gesundheit als Wissenschaftler und Mediziner haben können.“

Alexander Pawlak

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