Panorama

Planet der Herzen

18.02.2020 - Clyde Tombaugh entdeckte vor 90 Jahren Pluto, dem das Planetarium Hamburg den Planetenstatus zurückgeben möchte.

Vor 90 Jahren, genau am 18. Februar 1930, entdeckte Clyde Tombaugh am Lowell-Observatorium in Flagstaff (Arizona) einen neuen Himmelskörper in unserem Sonnensystem. Zehn Monate hatte der 24-jährige Amateurastronom nach einem Planeten jenseits der Neptun-Bahn gesucht, den Percival Lowell postuliert hatte, um Bahnabweichungen des Uranus und Neptun zu erklären.

Lowell hatte bis 1915 erfolglos nach „Planet X“ gesucht. Tombaugh stellte sich ab April 1929 der mühseligen Aufgabe. Für die nötigen Sternfeldaufnahmen, die rund eine Stunde Belichtung benötigten, musste er für die korrekte Ausrichtung des Teleskops sorgen. Die Auswertung geschah mit einem Zeiss-Blinkkomparator, der den Vergleich von zwei Sternfeldaufnahmen, die mit mehreren Tagen Abstand aufgenommen worden waren, erlaubte. Schnellere oder plötzlich auftauchende Objekte wie Asteroiden oder Planeten machten sich dann vor dem unbeweglichen Sternhintergrund durch ein „Blinken“ bemerkbar.

Pluto, so wurde der neue Himmelskörper am 1. Mai 1930 getauft, erwies sich später als zu leicht, um für die Bahnstörungen von Neptun und Uranus verantwortlich zu sein, galt aber 76 Jahre lang als der neunte Planet unseres Sonnensystems. Doch 2006 erhielt er von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) den Status eines Zwergplaneten zuerkannt, da er im Gegensatz zu den klassischen acht Planeten von Merkur bis Neptun seine Umlaufbahn nicht mit seiner Gravitation „freigeräumt“ hat.

Diese Entscheidung wurde kontrovers und durchaus auch emotional diskutiert. Viele, nicht zuletzt die Forscher der NASA-Mission New Horizons, empfanden diese Entscheidung als Herabstufung des „neunten Planeten“. Der entpuppte sich durch die aufgenommenen Bilder und Daten beim Vorbeiflug der Sonde am 14. Juli 2015 als unerwartet vielfältige Welt. Kürzlich fanden Astronomen Indizien für einen Wind in der dünnen Stickstoffatmosphäre von Pluto, der maßgeblich vom immer wieder verdampfenden Stickstoff-Eis der herzförmigen Tombaugh-Region gespeist wird.

Zum „Geburtstag“ von Pluto stellen die Astronomen des Planetariums Hamburg die aktuelle Planetendefinition infrage und fordern, Pluto den Planetenstatus zuzuerkennen. „Der Ansatz der aktuellen Definition der IAU basiert auf einer Momentaufnahme des Planetensystems, die weder sinnvoll noch wissenschaftlich weiterführend ist“, meint Planetariumsdirektor Thomas Kraupe. Ein Kritikpunkt ist, dass die Planetendefinition der IAU von 2006 nur auf unser Sonnensystem anwendbar ist, nicht aber auf Exoplaneten, bei denen sich nicht feststellen lässt, ob die Umlaufbahn freigeräumt ist.

„Ich bin völlig überrascht darüber, dass das Planetarium Hamburg die Diskussion um den Status von Pluto neu eröffnet“, sagt hingegen die Astronomin Rita Schulz, Vorsitzende der IAU-Arbeitsgruppe „Planetary System Nomenclature“. Als Pluto entdeckt wurde, habe man geglaubt, einen weiteren Planeten gefunden zu haben. „Diesen Fehler hat man 2006 korrigiert. Seit 1992 wissen wir mit der Entdeckung des ersten Objekts des Kuiper-Gürtels, dass es jenseits von Neptun Objekte gibt, zu denen auch Pluto gehört“, so die Astronomin. Dieser ist das größte Mitglied der Untergruppe der Plutinos, deren Umlaufzeiten in Resonanz mit der von Neptun sind. „Pluto ist mit seinen fünf Monden, darunter der relativ große Charon, ein eigenes kleines System. Er ist schon etwas ganz besonderes, aber eben kein Planet“, betont Schulz.

Eine 2017 vorgeschlagene geophysikalisch motivierte Planetendefinition würde Pluto wieder zu den Planeten zählen, allerdings auch die Zahl der Planeten im Sonnensystem auf 110 erhöhen. An der Veröffentlichung zur Neudefinition ist auch Alan Stern beteiligt, der leitende Wissenschaftler der New Horizons-Mission. Der hatte allerdings 2002 auch eine Arbeit veröffentlicht, die letztlich zur neuen Planetendefinition von 2006 geführt hat. Auf der eigens eingerichteten Webseite des Planetariums Hamburg kann sich auf jeden Fall jeder an der Diskussion um den Status von Pluto beteiligen, unabhängig davon, ob er mit dem Status quo einverstanden ist oder nicht.

Alexander Pawlak

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