Panorama

Physik-Nobelpreisträger Karl Alex Müller gestorben

18.01.2023 - Der schweizer Physiker und Mitentdecker des ersten Hochtemperatursupraleiters ist im Alter von 95 Jahren verstorben.

Bei Karl Alex Müller und Georg Bednorz war der Weg vom Forschungsdurchbruch bis zum Nobelpreis denkbar kurz. Im September 1986 erschien in Zeitschrift für Physik ihre Arbeit, in der sie noch zurückhaltend darüber berichteten, einen Übergang in den supraleitenden Zustand in (La,Ba)2CuO4 bei der unerwartet hohen Temperatur von 35 Kelvin beobachtet zu haben.

Dies bestätigte sich durch die Beobachtung des nur in Supraleitern auftretenden Meissner-Effekts. Ihr Nachweis von Supraleitung bei ca. 90 Kelvin in YBa2Cu3O7 im Januar 1987 machte dann schon in Tageszeitungen Furore und setzte einen Forschungsrausch zur Hochtemperatursupraleitung in Gang. Die Würdigung der Entdeckung von Müller und Bednorz geschah dann bereits im Oktober 1987 mit der Nachricht, dass ihnen zu gleichen Teilen der Physik-Nobelpreis 1987 zuerkannt wurde.

Nun ist Karl Alex Müller mit 95 Jahren in Zürich gestorben. Sein Interesse für Naturwissenschaften entwickelte er bereits in jungen Jahren, doch während seines Besuchs des Evangelischen Kollegs in Schiers (Schweiz) interessierte er sich zunächst für Radio und Elektronik. Einer seiner Lehrer war jedoch der Meinung, dass aus Müller ein großer Physiker werden könnte, und ermutigte ihn, dieses Fach zu studieren.

Nach seinem Abschluss 1945 und dem obligatorischen Militärdienst trat Müller in die Abteilung für Physik und Mathematik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich ein. Einer seiner Professoren war Wolfgang Pauli, der Nobelpreisträger, der die Existenz einer vierten Quantenzahl postulierte und das Ausschlussprinzip entwickelte. Müller zog es jedoch nicht in die theoretische, sondern in die angewandte Physik.

Sein Studium schloss er 1952 mit einem Diplom ab und forschte danach in der Festkörperphysik, wobei er sich 1958 mit Perowskiten beschäftigte und darüber auch promovierte. Nach einer kurzen Tätigkeit als Leiter einer Forschungsgruppe für magnetische Resonanz am Battelle Memorial Institute in Genf wechselte er 1963 zu IBM Research und begann als Forschungsassistent in der Physikabteilung, wo er seine Arbeit an Perowskiten fortsetzte. Seine Führungsqualitäten und sein ausgeprägtes wissenschaftliches Gespür brachten ihn 1971 an die Spitze der Abteilung. Er blieb bis 1985 Leiter der steig wachsenden Abteilung und prägte dort nachhaltig eine Kultur der Innovation. Im Jahr 1982 wurde Müller zum IBM Fellow ernannt.

Trotz seiner Führungsrolle fand Müller immer noch Zeit für die Forschung. Zusammen mit J. Georg Bednorz startete er ein Projekt mit dem ehrgeizigen Ziel, neue supraleitende Materialien zu synthetisieren – mit dem bekannten Erfolg, der 1987 durch den Nobelpreis für Physik belohnt wurde.

Als Leiter der Physikabteilung stellte Müller viele talentierte Forscher ein, neben Bednorz unter anderem auch Gerd Binnig. Zusammen mit seinem Kollegen Heinrich Rohrer entwickelte Binnig das Rastertunnelmikroskop, und 1986 teilten sich beide Wissenschaftler einen Teil des Nobelpreises für Physik.

Von 1970 bis 1986 war Müller Titularprofessor an der Universität Zürich und von 1987 bis 1994 Professor an der Universität Zürich. Neben dem Nobelpreis erhielt er viele weitere Auszeichnungen, darunter zahlreiche Ehrendoktorwürden, bereits vor dem Nobelpreis zusammen mit Georg Bednorz den Robert-Wichard-Pohl-Preis der DPG für 1987 und im gleichen Jahr den Fritz London Memorial Prize der International Union of Pure and Applied Physics (IUPAP).

Alexander Pawlak / IBM

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