Forschung

Die Abstandsregel in Zeiten von Corona

28.04.2020 - Fluiddynamische Methoden zeigen, wie sich Tröpfchen und damit Viren nach dem Niesen oder Husten in Wolken ausbreiten.

Die Corona-Pandemie hat einige Sicherheitsmaßnahmen notwendig gemacht, neuerdings die Maskenpflicht in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr. Dabei gilt wie bereits seit Beginn des „Lockdowns“ die Abstandsregel, die einen Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern fordert.

Doch woher kommt dieser Wert, und reicht er wirklich aus? Bei dieser Frage kommt die physikalische, speziell fluiddynamische Erforschung des Niesens und Hustens ins Spiel. Was wie ein skurriles Forschungsthema klingt, hat unmittelbare Relevanz für die Ausbreitung von Epidemien, nicht erst in Zeiten von Corona.

Dies beleuchtet Detlef Lohse von der Universität Twente in einem Brennpunkt im aktuellen Mai-Heft des Physik Journals (Link siehe unten). Der theoretische Physiker ist renommierter Experte für Strömungsdynamik und erhielt 2019 für seine Forschungen die Max-Planck-Medaille.

Lohse beleuchtet die ersten Überlegungen zu einem Sicherheitsabstand, die in den 1930er-Jahren im Zusammenhang mit der Ausbreitung von Tuberkulose aufkamen und zu einem Wert von zwei Metern führten. In den letzten Jahren haben allerdings die Arbeiten von Lydia Bourouiba vom MIT zur Fluiddynamik des Niesens und Hustens deutlich gezeigt, dass das damals entwickelte Bild unzureichend ist.

Der Brennpunkt stellt Bourouibas aktuelle Veröffentlichung vor und erklärt, was ihre experimentellen und theoretischen Ergebnisse der letzten Jahre für die Risikoabschätzung der Übertragung des Coronavirus bedeuten. Einen Eindruck davon vermitteln die Hochgeschwindigkeitsfilme des Niesvorgangs die sie und ihre Mitarbeiter in den letzten Jahren aufgenommen haben.

„Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat sehr deutlich gemacht, wie dringend es ist, die vielen offenen Fragen zur Fluidphysik des Niesens, Hustens, Sprechens, Singens oder Ausatmens zu beantworten“, schreibt Detlef Lohse. „Zudem zeigte sich, wie wichtig die Grundlagenforschung in einem Untergebiet eines Fachs plötzlich werden kann, das bisher als Nische angesehen wurde.“

Alexander Pawlak

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