Rezension

Sieben ­Energiewendemärchen?

André D. Thess: Sieben ­Energiewendemärchen? – Eine Vorlesungsreihe für Unzufriedene, Springer, Berlin und Heidelberg 2020, brosch., 216 Seiten, 24,99 Euro, ISBN 9783662619995

Nein, Titel und Untertitel „Eine Vorlesungsreihe für Unzufriedene“ werden diesem glasklaren und humorvollen Buch nicht gerecht. Eher finde ich, dass André Thess eine spannende Einführung für Energie-Durch­blicker und Kommunikations-Analytiker vorgelegt hat. Er beleuchtet darin die Faktenlage einiger Felder der Energiewende und die sprachliche Darstellung dieser Themen in den Medien sowie in den Veröffentlichungen verschiedener Interessensgruppen.

Jeder, der sich mit diesen Themen etwa in Vorträgen ausein­ander gesetzt hat, weiß, wie überaus schwierig es ist, den Konflikt zwischen den täglich kommunizierten Bedrohungen durch den Klimawandel und dem berechtigten Wunsch nach effektivem „Klimaschutz“ zielführend und sachgerecht zu diskutieren.

Die Gemenge­lage aus Messdaten, Theo­rien und Zukunftsprojektionen, unstrittigen Zielen, Wunschdenken, unbewiesenen Behauptungen sowie persönlichen Überzeugungen scheint kaum mehr auflösbar. Erschwerend kommt eine weit verbreitete Zahlenblindheit hinzu, die kleine und große Effekte nicht voneinander zu trennen vermag.

André Thess hat sich dieser Her­ausforderung erfolgreich gestellt. In wunderbar anschaulicher Weise baut er schrittweise eine nachvollziehbare und faire sozio-technische Diskus­sions- und Bewertungs-Systematik auf, die er nacheinander auf verschiedene Themen der Energiewende anwendet.

Nach einem liebevollen einleitenden Exkurs über die Vor- und Nachteile his­torischer Bratpfannen aus Eisen und moderner Aluminium­pfannen mit Teflonbeschichtungen überträgt er sein Bewertungskonzept in den folgenden sieben Kapiteln auf Verkehrsmittel, Verbrennungsmotoren, Elektroautos, Flugzeuge, Dämmstoffe für Wohnhäuser und vor allem auch auf die Diskussionskultur und den oft verborgenen Konflikt um das tatsächliche Ziel einer quantitativen Emissionsminderung.

Dabei kommt das Talent des Autors zum Tragen, die Argumentation mit einsichtigen und einfachen Zahlen zu stützen. Schritt für Schritt erhält der Leser eine sehr hilfreiche Datenbasis für Energieträger und Kraftstoffe, die damit verbundenen Emissionsdaten, energiewirtschaftliche Kostenrechnungen und ganz unterschiedliche Vermeidungskonzepte.

Die physikalische Quantifizierung und die breite technische Basis sind eine große Stärke des Buches. Hinzu kommt der zweite wichtige Gesichtspunkt: Wie geht man sachgerecht mit den soziologischen Fragestellungen um? Ökonomie und Marktwirtschaft auf der einen Seite, Planung und zentrale Steuerung auf der anderen. Welche Maßnahmen und Vorschriften sind tatsächlich zielführend, einer Demokratie angemessen und für die breite Bevölkerung bezahlbar? Was lässt sich politisch in einer Demokratie durchsetzen? Wo beginnt die Selbst­ermächtigung von Aktivisten und Klimaschützern, die sich über die Gesetze und Regeln eines demokratischen Staates hinwegsetzen? Welche Sprache und welche Veröffentlichungsform sind wissenschaftlich akzeptabel, und wo beginnt die Demagogie?

Ich habe bei der Lektüre oft empfunden, dass hier ein engagierter und sachkundiger Wissenschaftler mit leichter Hand und Humor, vielen Fallbeispielen und Zitaten sowie ansprechenden Vergleichen zum eigenen Nachdenken anregt.

Es macht Freude, den Gedanken des Autors zu folgen, seine Vorschläge und Folgerungen zu hinterfragen und seine einfachen Berechnungen zu kontrollieren. Ein wertvoller Beitrag, um den Nebel um die Argumente für und wider die Ener­giewende zu lichten. Ein anregendes und spannendes Buch für Jedermann, nicht nur für Unzufriedene!

Prof. Dr. Christoph Buchal, Jülich

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