Rezension

Für alles eine App

Thomas Wilhelm, Jochen Kuhn (Hrsg.): Für alles eine App, Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg, 2022, broschiert, 317 S., 34,99 €, ISBN 9783662639009

Tablets und Smartphones finden sich nicht nur in fast jedem Haushalt, sie lassen sich auch äußerst kreativ und gewinnbringend im physikalischen Schulunterricht oder bei Praktika an Hochschulen einsetzen. Das zeigt dieser Sammelband, herausgegeben von Thomas Wilhelm und Jochen Kuhn, die auch die didaktische Einführung mit dem Titel Mobile Endgeräte als „Alleskönner“ verfasst haben.

Bei genauem Betrachten der Einführung fällt zunächst auf, dass sie nicht wie erwartet mit einer lern­psychologischen Begründung beginnt, sondern mit einer Strukturierung der Funktionalitäten von Smartphone- bzw. Tablet-Apps. Jochen Kuhn und Thomas Wilhelm stellen dazu vier Kategorien heraus, nämlich Wissensspeicher, kognitive Werkzeuge, Simulationen und Messwerterfassung. Diese Strukturierung erscheint sinnvoll; die Autor:innen der im Band enthaltenen anwendungsbezogenen Praxisbeiträge greifen sie wieder auf.

Entsprechend des hohen Stellenwerts von Simulationen und Messwerkzeugen für die Wissensvermittlung von Physik, legen Kuhn und Wilhelm einen Schwerpunkt auf Apps, die sich diesen Kategorien zuordnen lassen. Hierzu geben die Tabellen mit App-Namen, Anforderungen an das Betriebs­system, Inhaltsbereichen und Verweisen auf detailliertere Beschreibungen im Sammel­band einen sehr guten Überblick. Das einführende Kapitel schließt mit zwei etwas knapp aus­gefallenen Abschnitten zu den lernpsychologischen Begründungen des Einsatzes von Smartphones oder Tablets sowie zu den ausgewählten empirischen Befunden zur lernförderlichen Wirksamkeit. Die zahlreichen Literaturverweise ermöglichen es interessierten Lesenden jedoch ohne Weiteres, sich nach Belieben tiefer­gehend mit den grundlegenden Theo­rien oder den empirischen Ergebnissen zu befassen.

Nach der Einführung folgt das Herzstück des Sammelbandes: über 45 Einzelbeiträge, in denen verschiedene Autor:innen konkrete Anwendungen beschreiben und die direkt zum Ausprobieren einladen. Die nach den klassischen Sachgebieten der Physik sortierten Beiträge sind gleichermaßen übersichtlich aufgebaut, präg­nant geschrieben und teils mit Screenshots veranschaulicht. In der Regel ist eine zwar kurze, aber hilfreiche fachliche Erklärung enthalten sowie die konkrete Handhabung der App, Experimentiervorschläge und bei Bedarf praktische Tipps. Am Ende eines Beitrags findet sich vom laufenden Text abgehoben ein Überblick, der alle notwendigen Informa­tionen zur vorgestellten App, wie deren Name, Betriebssystem, Funk­tionskategorie, verwendete Sensoren, Kosten etc. enthält.

Das Buch gibt einen breiten Überblick zu konkreten Einsatzmöglichkeiten von Tablets und Smartphones im Physikunterricht bzw. in physikalischen Praktika. Ich kann es allen angehenden und in der Schule tätigen Physiklehrkräften empfehlen sowie Kolleg:innen, die Lehramts­studierende oder Referendare und Referendarinnen in den experimentellen Praktika und Seminaren ausbilden.

Jun. Prof. Dr. Bianca Watzka,
Didaktik der Physik, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

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