Rezension

Der Flug der Stare

Giorgio Parisi: Der Flug der Stare – Das Wunder ­komplexer Systeme S. Fischer Verlag, Frankfurt 2022, geb., 144 S., 23 Euro, ISBN 9783103971774

Der Physik-Nobelpreis 2021 ging an Syukuro Manabe und Klaus Hasselmann sowie Giorgio Parisi für grundlegende Beiträge zum Verständnis komplexer Systeme. Es liegt in der Natur der Sache, dass komplexe Systeme nicht einfach zu verstehen, ihre Eigenschaften nur schwer zu beschreiben sind. Dennoch ist es Parisi mit „Der Flug der Stare“ gelungen, die Faszination komplexer Systeme und die grundlegenden Ideen seiner Forschung leicht zugänglich zu machen. Zudem gibt er Einblicke in das Leben und Wirken eines theoretischen Physikers im Allgemeinen und seine eigene Biografie im Besonderen.
Dabei geht er nicht chronologisch vor, sondern beginnt mit dem titel­gebenden Starenflug, den er in einem interdisziplinären Team untersucht hat. Der Theo­retiker beschreibt die Lust am Experimentieren, die Fallstricke aus unzureichender technischer Ausstattung und die Kombination von physi­kalischen und verhaltensbiologischen Erkenntnissen. Beim Lesen ist die Freude des Autors greifbar, wenn sich schließlich Erklärungen für ein faszinierendes Alltagsphänomen finden, die sich auch auf andere Disziplinen übertragen lassen.

Dann folgt der Sprung zu Parisis physikalischen Anfängen – in Rom vor rund 50 Jahren. Namhafte Lehrer wie Nicola Cabibbo prägen ihn, und er wendet sich der Elementarteilchenphysik zu. Auch hier liefert er wichtige Beiträge, verpasst es jedoch, die später mit dem Nobelpreis gewürdigte Leis­tung zu vollbringen, die Farbladung in die damals vorliegende Theorie der Quarks einzubauen.

Der Forschung, die ihm den Nobelpreis bescherte, widmet er zwei Kapitel, in denen er didaktisch klug ganz ohne Formeln die wichtigsten Schritte auf dem Weg zum Verständnis erläutert. Anschließend geht er ausführlich und von verschiedenen Blickwinkeln auf die ­Frage ein, wie Ideen entstehen und was Wissenschaft ausmacht. Durchaus interessant zu lesen, kommen diese drei Kapitel ein wenig als Fremdkörper daher – zumindest in der hier besprochenen deutschen Übersetzung. Dies könnte der Tatsache geschuldet sein, dass sie auf Texten beruhen, die zwischen 2010 und 2018 unabhängig entstanden sind.

Wen Parisis Erklärungen anregen, sich die Physik hinter seiner Forschung genauer anzusehen, dem liefert er in einer mehrseitigen Anmerkung am Ende des Buches die nötigen Quellen in Form der wichtigsten Originalarbeiten. Ob diese das Wunder komplexer Systeme genauso zugänglich machen wie sein Text, ist fraglich, kommt es doch überaus selten vor, dass sich solch komplexe Wissenschaft in so einfache Worte fassen lässt.

Kerstin Sonnabend

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