April 2012

Am Large Hadron Collider läuft u. a. die fieberhafte Suche nach dem Higgs-­Boson. (vgl. ab S. 28, Quelle: Tunnel: CERN; Kontrollraum: Peter Ginter / Edition Lammerhuber)

Meinung

Kai P. Schmidt
04 / 2012 Seite 3

Die Weichen heute richtig stellen

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Aktuell

Gennady Pospelov
04 / 2012 Seite 6

Russland investiert in Großgeräte

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Maike Pfalz
04 / 2012 Seite 7

Ehrgeizigere Ziele setzen

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Alexander Pawlak
04 / 2012 Seite 8

Verteilungskampf statt Wettbewerb?

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FZ Jülich / SJ
04 / 2012 Seite 8

Rekord mit PICO

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Alois Würger
04 / 2012 Seite 10

Revolution an den Universitäten

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Rainer Scharf
04 / 2012 Seite 11

USA


Gutachter sollen anonym bleiben
Haushalts­entwurf für 2013
Physik-Bachelor – männlich oder weiblich?

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Leserbriefe

Daniel Hägele
04 / 2012 Seite 13

Kluft zwischen Lehrplan und Alltag

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Phillip Helbig
04 / 2012 Seite 13

Neue Zustände

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Stefan Willkofer
04 / 2012 Seite 13

Naher statt Mittlerer Osten

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High-Tech

Im Brennpunkt

Eva Weig
04 / 2012 Seite 16

Mit Licht zur Quanten-„Mechanik“

Das nichtklassische Verhalten eines nanomechanischen Resonators lässt sich durch die Messung seiner Nullpunktsfluktuationen nachweisen.

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Jörg Evers
04 / 2012 Seite 18

Wenn Eisen transparent wird

Moderne Röntgenquellen machen elektromagnetisch induzierte Transparenz in Atomkernen möglich.

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Bildung - Beruf

Maike Pfalz
04 / 2012 Seite 22

Karriere auf Rezept

Zunächst mal heißt es „Handys aus“. Kaum hat man die moderne, in blauem Glas schimmernde Pyramide auf dem Merck-Gelände betreten, wird man aufgefordert, alle elektronischen Geräte komplett auszuschalten – so streng gelten die Sicherheitsvorkehrungen. Bei der Busfahrt über das rund einen Quadratkilometer große Werksgelände wird auch klar, warum: Die Chemikalien, die Merck in seiner Produktion einsetzt und die in gesicherten Behältern lagern, sind teilweise leicht entflammbar. Elektrogeräte wie Handys können Funken verursachen und sollten daher – genau wie an einer Tank­stelle – sicherheitshalber ausgeschaltet sein. Das gesamte Gelände ist durch Gegensätze gekennzeichnet: In über 100 Jahre alten Back­stein­häusern sind durch die Fenster modernste Chemieanlagen zur Fertigung von Flüssigkristallen zu sehen. Schräg gegenüber schimmert die silberne Aluminium-Außenfront eines ganz neuen Gebäudes. Alt und neu stehen in diesem ältes­ten aller pharmazeutischen Unternehmen, dessen Geschichte bis in das Jahr 1668 zurück­reicht, sichtbar nebeneinander.


Rund 9100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind beim Pharma- und Chemiekonzern Merck in Darmstadt beschäftigt. Einer davon ist seit Ende 2008 der 44-jährige Physiker Stefan Gilb, der auf Umwegen zur Pharmabranche gekommen ist: Ursprünglich hat er eine Ausbildung zum Physiklaboranten gemacht, doch bei seiner täglichen Arbeit bei der BASF merkte er, dass er mehr Verantwortung übernehmen und Dinge besser verstehen wollte. „Die Entscheidung für das Physikstudium lag dann nahe, zumal mich die viele Laborarbeit in der Chemie abgeschreckt hat“, erinnert sich Stefan Gilb. Während der Promotion an der Uni Karlsruhe hat er Laserspektroskopie an sehr kleinen Metallclustern in der Gasphase betrieben. Anschließend war er noch eine Weile in München als Post-Doc tätig, bevor er sich entschlossen hat, in die Industrie zu gehen. „Ich wollte keine Forschung mehr machen, sondern einen anderen Blick auf die Dinge bekommen“, erzählt Gilb. Die Pharmabranche kannte er bereits von einer Tätigkeit als freier Mitarbeiter während seines Studiums.

Die Physik gehört für Stefan Gilb nicht mehr zum Tages­geschäft, denn bei Merck arbeitet er im Bereich Research Informatics. Diese Abteilung unterstützt die Forscher und Laboranten darin, ihre Daten einheitlich auszuwerten und abzulegen. Ziel ist es, dass die Ergebnisse von Tests im gesamten Unternehmen weltweit vergleichbar sind und überall auf die gleiche Weise registriert werden, damit ein Forscher in Darmstadt auf den ersten Blick erkennt, unter welchen Bedingungen z. B. ein Forscher in den USA einen Test durchgeführt und welche Ergebnisse er dabei erzielt hat. Stefan Gilb koordiniert drei Standorte: Darmstadt, Genf und Billerica in der Nähe von Boston. „Im letzten Jahr habe ich mehrere Monate in Genf und Billerica gearbeitet, um mit den Leuten vor Ort zu reden und zu verstehen, was sie im Labor genau machen und welche Wünsche sie an eine Datenbank haben“, erklärt er. All diese unterschiedlichen Anforderungen gilt es, in ein generelles Konzept einzubetten. Aufbauend auf dem Wissen, das er sich in den verschiedenen Laboren angeeignet hat, versucht Stefan Gilb nun aufzuzeigen, wo man Prozesse harmonisieren kann. ...

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Schwerpunkt

Karl Jakobs und Dieter Zeppenfeld
04 / 2012 Seite 28

Offene Fragen – große Erwartungen

Seit März 2010 kollidieren am Large Hadron Collider am europäischen Forschungszentrum CERN in Genf Protonen miteinander – bei den höchsten bislang in Beschleunigerlabors erzielten Energien. Damit erreicht die Teilchenphysik erstmals die TeV-Energie­skala, auf der richtungsweisende Ent­deckungen zu erwarten sind.

Ein Blick in die Wissenschaftsseiten der Zeitungen erweckt leicht den Eindruck, die Suche nach dem Higgs-Teilchen wäre die zentrale und einzige Aufgabe des Large Hadron Collider – insbesondere nachdem die Panikmache vor winzigen Schwarzen Löchern aus der Presse verschwunden ist. Doch der Eindruck trügt: Sicherlich ist die Untersuchung der Symmetrie­brechung der schwachen Wechselwirkung – und damit verbunden die Suche nach dem Higgs-Teilchen – ein zentraler Punkt, aber die Aufgaben des LHC sind weitaus vielfältiger.

Obwohl der LHC erst auf einen Betrieb von etwa zwei Jahren zurückblicken kann, sind die Fülle und hohe Qualität der durchgeführten Messungen beeindruckend. Sowohl der Beschleuniger als auch die Detektoren haben ihre hervorragende Leis­tungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Der Beschleuniger hat 2011 mehr Daten geliefert, als die Forscher sich erträumt hatten. Die Daten wurden hocheffizient aufgezeichnet und zeitnah analysiert. Die beiden großen Kollaborationen, ATLAS und CMS, haben jeweils mehr als 100 Artikel in referierten Zeitschriften publiziert. Auch das sozio­logische Experiment – die erfolgreiche Zusammenarbeit von mehreren Tausend Wissenschaftlern – ist offenbar gelungen.

Der LHC ist das größte Projekt der Elementarteilchenphysik. Der Beschleuniger wurde in rund 12 Jahren vom CERN unter Beteiligung von Industriepartnern gebaut. Supraleitende Magnete erzeugen eine Feldstärke von etwa 8,3 Tesla und halten damit die hochenergetischen Protonen auf der etwa 27 km langen Kreisbahn. Damit ist der LHC auch die größte supraleitende Anlage der Welt. ...

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Ralph Aßmann und Jörg Wenninger
04 / 2012 Seite 33

Von der Idee zur Rekordmaschine

Der Large Hadron Collider ist die größte und eine der komplexesten Maschinen, die der Mensch je gebaut hat. Er markiert den bisherigen Höhepunkt einer Reihe von Beschleunigern, die Ingenieure und Physiker er­dacht haben, um die Struktur der subnuklearen Materie zu erkunden. Zahlreiche technische Innovationen waren nötig, um den LHC zu realisieren und zu bislang unerreichten Energien vorzudringen.

Ein Collider ist eine Maschine, die zwei Teilchenstrahlen auf hohe Energien beschleunigt und in speziellen Detektoren zur Kollision bringt. Beim LHC können die Hadronenstrahlen aus Protonen oder Ionen (z. B. Blei) bestehen. Die (Weiter-)Entwicklung zahlreicher innovativer Konzepte und Technologien erlaubt es, Kollisionsereignisse mit hoher Rate im Ener­giebereich vieler Tera-Elektronenvolt zu erzeugen – näher an den Bedingungen des Urknalls als je zuvor [1]. Um einen Eindruck von der gewaltigen Energie zu ­geben: Ein Elektronenvolt (eV) ist die Energie, die ein Elektron nach Durchlaufen einer 1 m langen Beschleuni­gungsspannung von 1 V/m erreicht. Der Protonenener­gie von 1 TeV entspricht demnach eine 1000 km lange Strecke mit einer Beschleunigungsspannung von 1 M/m.

Schon 1977 kam während der Entwicklung des Large Electron Positron (LEP) Colliders die Idee auf, in dem 26,6 km langen Beschleunigertunnel nach Abschluss des LEP-Betriebs einen Collider für Hadronen zu bauen. Die CERN-Mitgliedsstaaten bewilligten das LHC-Projekt 1994 und führten es in den Folgejahren mit internationalen Beiträgen aus Japan, Kanada und den USA aus. Weitere Länder wie China, Indien oder Russland haben ebenfalls dazu beigetragen.

Der LHC besteht aus zwei unabhängigen, nebeneinanderliegenden Vakuumröhren, die im Mittel 100 Meter unter der Erdoberfläche im Beschleunigertunnel installiert sind (Abb. 1) [2]. Das benötigte, kontinuierliche Vakuumsystem mit einem Druck von unter 10−9 mbar ist eine der vielen technologischen Meisterleistungen am LHC. Die beiden kreisförmigen Ringe speichern zwei gegenläufige Teilchenstrahlen, die jeder mit über 99,99979 % der Lichtgeschwindigkeit etwa 11  000 Mal pro Sekunde umlaufen. ...

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Stephanie Hansmann-Menzemer, Christian Lippmann, Thomas Müller und Norbert Wermes
04 / 2012 Seite 37

Technische Meisterwerke

Auf den ersten Blick scheinen sich die Detektoren des Large Hadron Collider weitgehend zu ähneln: Wie Zwiebelschalen sind ATLAS, CMS, LHCb und ALICE um den Punkt herum aufgebaut, an dem die Teilchen ­kollidieren, und überdecken somit einen möglichst gro­ßen Teil des Raumwinkels. Welche Nachweis­konzepte stehen hinter diesen riesigen Detektoren? Worin unterscheiden sich ihre Ansätze, um den unterschiedlichen physikalischen Fragen, die sie beantworten sollen, gerecht zu werden?

Bei der Konzeption von Detektoren für einen ­Energiebereich, in dem „neue Physik“ erwartet wird, müssen sich die Teilchenphysiker zwangsläufig auf Phänomene fokussieren, die zwar bisher unbekannt, innerhalb des Gebäudes der Teilchenphysik aber „denkbar“ sind. Die Herausforderung besteht darin, charakteristische Merkmale dieser Phänomene (die „Signaturen“) in den Produkten einer Teilchenkollision nachzuweisen, also im sichtbaren Ereignis im Detektor.

Die beiden Großexperimente ATLAS und CMS (siehe Überblick auf S. 28) wurden insbesondere darauf optimiert, in Ereignissen von Proton-Proton-Kollisionen höchster Energie Signaturen von Higgs-Bosonen oder supersymmetrischen Teilchen zu finden. Der Erzeugungsquerschnitt für Higgs-Bosonen wird zum Beispiel je nach dessen Masse zwischen 10 fb und 50 pb erwartet (1 b = 1 barn = ­10–24 cm2). Dies ist 13 bis 9 Größenordnungen kleiner als der totale Wirkungsquerschnitt für inelastische Proton-Proton-Reaktionen bei 14 TeV von etwa 80 mb. Um trotzdem genügend Higgs-Ereignisse zu erzeugen, wurde die Luminosität des LHC so hoch wie möglich getrieben (siehe Artikel auf S. 33). Als Konsequenz kommt es jedes Mal, wenn sich die Protonenpakete alle 25 ns kreuzen, im Mittel zu 25 inelastischen Proton-Proton-Kollisionen, die zusammen pro Sekunde etwa 1011 nachzuweisende Teilchen erzeugen. Das ergibt eine Datenmenge von 50 000 Gigabyte pro Sekunde. Eine elektronische Aufzeichnung und Zwischenpufferung der rund 150 Millionen Auslesekanäle und ein ausgeklügeltes elektronisches Auswahlsystem (Trigger) ermöglichen es jedoch, die Datenmenge bereits vor der Speicherung um vier Größenordnungen zu reduzieren und dabei einen möglichst großen Teil der interessanten Ereignisse zu behalten. Dies bedeutet immer noch eine jährliche Datenmenge von einigen Millionen Gigabyte, die über das weltweite LHC-Computing-GRID [1] verteilt, verwaltet und analysiert wird. ...

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Christoph Blume, Klaus Rabbertz und Stefan Tapprogge
04 / 2012 Seite 45

Die starke Seite des LHC

In den letzten vier Jahrzehnten haben zahlreiche Experimente Vorhersagen der Quantenchromodynamik (QCD), der Theorie der starken Wechselwirkung, bestätigt. Bereits die ersten Daten des LHC ermöglichen weitere Tests bei bisher unerreichten Impulsüber­trägen und Energien, die die QCD in beeindruckender Weise bestanden hat.

Nach heutiger Kenntnis sind die durch die starke Wechselwirkung in Kernen der Größenordnung 10–14 m gebundenen Protonen und Neutronen (Nukleonen), ebenso wie alle anderen stark wechselwirkenden Teilchen (Hadronen), wiederum zusammengesetzt aus noch kleineren Konstituenten, den auch Partonen genannten Quarks und Gluonen. Die als punktförmig betrachteten Partonen tragen Farbladungen, deren starke Wechselwirkung sich mithilfe der Quantenchromodynamik beschreiben lässt. Besonderheiten der QCD sind das „Confinement“ sowie die „asymptotische Freiheit“ [1]. Ersteres besagt, dass alle Quarks und Gluonen in Hadronen eingesperrt bleiben und nicht als freie Teilchen nachweisbar sind. Ursache dafür ist die Stärke der Wechselwirkung, die zu großen Abständen hin sogar noch anwächst. Im Kontrast dazu beschreibt die asymptotische Freiheit die Beobachtung, dass sich die Partonen innerhalb eines Teilchens als quasifrei ansehen lassen, wenn man die Struktur der Hadronen mit hoher Auflösung untersucht. Je größer der Impulsübertrag in der Reaktion, der sich aus den Transversalimpulsen der erzeugten Teilchen relativ zur Strahlrichtung bestimmen lässt, desto höher ist die erreichte Auflösung und desto tiefer der Einblick in die Struktur des Protons.

Ereignisse mit den höchsten Transversalimpulsen entsprechen einer Auflösung von rund 10–19 m (Abb. 1).
Aufgrund der asymptotischen Freiheit lässt sich die Dynamik der Partonen bei kleinsten Abständen bzw. größten Impulsüberträgen mit dem mächtigen Werkzeug der Störungsrechnung in der starken Kopplungskonstanten αs theoretisch behandeln (perturbative QCD oder pQCD). Damit man auf diese Weise den Wirkungsquerschnitt einer unelastischen Proton-Proton-Streuung berechnen kann, also die auf eine Streureak­tion bezogene Wahrscheinlichkeit für die Wechselwirkung zweier Protonen, ist es allerdings unerlässlich zu wissen, wie die Partonen in den kollidierenden Protonen verteilt sind (Abb. 2). Diese Partondichten lassen sich bisher zwar nicht ab initio berechnen, aber im Experiment bestimmen, z. B. bei HERA mit Hilfe der Elektron-Proton-Streuung [3]. Dank der experimentell gut überprüften Annahme, dass die Partonverteilungen nicht von der speziellen Teilchenreaktion abhängen, erlaubt die QCD dann präzise Vorhersagen für die Wirkungsquerschnitte der Proton-Proton-Streuung (pp) am LHC. ...

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Ulla Blumenschein, Ulrich Uwer und Roger Wolf
04 / 2012 Seite 51

Mit Präzision zu neuen Phänomenen

Neben der direkten Suche nach neuen physikalischen Phänomenen bei höchsten Energien erlaubt der Large Hadron Collider auch Präzisionsmessungen, mit denen sich die Vorhersagen des Standardmodells der Elementarteilchen genau überprüfen lassen. Mögliche Inkonsistenzen und Abweichungen der Messungen von den Vorhersagen können indirekte Hinweise auf bisher unentdeckte Effekte geben.

Eine Vielzahl von Messungen hat das Standard­modell der Teilchenphysik in den letzten Jahrzehnten mit beindruckender Präzision bestätigt. Dennoch wissen wir, dass diese Theorie unvollständig sein muss: Sie liefert weder Kandidaten für die im Universum nachgewiesene Dunkle Materie noch kann sie die Materie-Antimaterie-Asymmetrie unserer Welt erklären. Konzeptionelle Fragen, wie etwa die tiefere Ursache der beobachteten drei Generationen von Quarks und Leptonen, bleiben offen. Daher gilt das Standardmodell heute als eine Näherung einer umfassenderen Theorie, die mit neuen, an höheren Energieskalen beobachtbaren Phänomenen einhergehen sollte.

Zum Aufspüren dieser neuen Phänomene sind weitere Präzisionsmessungen essenziell. Sie dienen zum einen dazu, die noch ungenau bekannten Parameter des Standardmodells besser zu bestimmen, um präzisere Vorhersagen machen zu können. Zum anderen ermöglichen sie den Nachweis von theoretisch vorhergesagten Quantenfluktuationen. Diese Fluktuationen, zu denen im Rahmen der Unschärferelation kurzzeitig auch sehr schwere Teilchen beitragen, können Größen wie Teilchenmassen und Kopplungskonstanten, aber auch die Zerfallseigenschaften von Teilchen beeinflussen. Grundsätzlich gilt, dass Quantenkorrekturen höherer Ordnung, bei denen also eine größere Zahl an Teilchenkopplungen auftritt, gegenüber einfacheren Prozessen unterdrückt sind.

Die Messung der teilweise sehr kleinen Quanten­effekte erlaubt Rückschlüsse auf die Eigenschaften der in den Fluktuationen virtuell auftretenden Teilchen. So ließ sich die Masse des Top-Quarks aus präzisen Daten zum Z-Boson vorhersagen, noch bevor es gelang, das Top-Quark direkt nachzuweisen. Präzisionsmessungen unterstützen auch die Suche nach dem Higgs-Boson, da Quantenkorrekturen mit einem virtuellen Higgs-Boson die Massen schwerer Teilchen wie Top-Quark und W-Boson beeinflussen (Abb. 1). Daher schränken die experimentell bestimmten W- und Top-Massen die mögliche Higgs-Masse weiter ein. So deuten die am LEP2- bzw. Tevatron-Beschleuniger erzielten Ergebnisse auf eine kleine Higgs-Masse nahe der bisherigen Ausschlussgrenze von 114 GeV/c2 hin (Abb. 2) [1]. Für eine präzisere Aussage wäre es nötig, die W-Masse genauer zu kennen. Wird das Higgs-­Boson direkt nachgewiesen, erlaubt der Vergleich von direkt und indirekt ermittelter Higgs-Masse einen wichtigen Konsistenztest des Standardmodells. ...

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Sascha Caron, Sandra Kortner und Peter Schleper
04 / 2012 Seite 55

Großfahndung im Untergrund

Ein zentrales Motiv für den Bau des LHC war die ­Suche nach neuen Elementarteilchen und Wechselwirkungen. Dazu zählen insbesondere das Higgs-Boson, der letzte fehlende Baustein des Standardmodells, sowie Teilchen, die von supersymmetrischen Erweiterungen des Standardmodells vorhergesagt werden.

Zu den ungeklärten Rätseln der Teilchenphysik gehört die Frage nach dem Ursprung der Masse der Elementarteilchen. Obwohl die mathematische Struktur des Standardmodells eigentlich nur masselose Teilchen vorsieht, haben z. B. die Austauschteilchen der schwachen Wechselwirkung, die W+-, W–- und Z0-Bosonen, eine Masse von 80 beziehungsweise 91 GeV/c2. Das Standardmodell beruht auf der Hypo­these, dass der sog. Higgs-Mechanismus Teilchen ­ihre Masse verleiht. Dieser Mechanismus sagt außerdem ein neues Teilchen voraus, das Higgs-Boson. Die experimentelle Suche nach diesem entscheidenden fehlenden Baustein im Mosaik des Standardmodells ist zentral für das Forschungsprogramm des LHC.

Das zweite ungeklärte Rätsel ist die Frage, was jenseits des Standardmodells kommt. Bisher beschreibt das Standardmodell alle beobachteten Wechselwirkungen der Elementarteilchen, eine durchaus bemerkenswerte wissenschaftliche Errungenschaft. Von einer fundamentalen Theorie der Natur ist es jedoch noch weit entfernt, denn die Liste seiner unerklärten Eigenschaften ist recht lang: Auffällig ist zunächst seine Struktur mit drei fundamentalen Kräften und mit drei Generationen von Leptonen und Quarks. Weder für diese Struktur noch für die damit verbundenen Zahlenwerte der Naturkonstanten (Massen, Kopplungskonstanten, ...) gibt es im Standardmodell eine Erklärung. Auch ist fraglich, ob diese Theorie bei sehr hohen Energien gültig sein kann, denn hierfür müssten einige Parameter sehr präzise Werte annehmen. Eine solche Feinjustierung – auch als Hierarchieproblem bekannt – gilt vielen Physikern als unnatürlich. Zudem ist es bisher nicht gelungen, das Standardmodell mit der Gravitation in einer gemeinsamen Theorie zu verknüpfen. Eine Erklärung für die Beobachtung Dunkler Materie und Dunkler Energie im Universum fehlt ebenfalls. Diese Mängelliste ließe sich noch fortsetzen.

Aus diesen Gründen wurde in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl von Erweiterungen des Standardmodells vorgeschlagen. Der prominenteste ­Kandidat ist die Supersymmetrie. Im Gegensatz zum Standardmodell, in dem alle Materieteilchen Fermionen mit Spin ½ sind und Bosonen mit Spin 1 alle Kräfte vermitteln, basiert Supersymmetrie auf dem Postulat einer Symmetrie zwischen Fermionen und Bosonen. Die damit vorhergesagten neuen Teilchen können jedoch viel schwerer als ihre Partner im Standard­modell sein, sodass sie in bisherigen Experimenten nicht zu entdecken waren. Falls das leichteste supersymmetrische Teilchen stabil ist, würde sich damit auch direkt die Existenz Dunkler Materie erklären lassen. ...

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Physik im Alltag

Michael Vogel
04 / 2012 Seite 60

Achtung Aufnahme

Egal ob Computer, Mobiltelefon oder Videokamera – eingebaute Mikrofone gehören zur Standardausstattung vieler Geräte. Zwei verschiedene Arten finden dabei Verwendung.

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Menschen

04 / 2012 Seite 62

Personalien

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Alexander Pawlak
04 / 2012 Seite 66

„Nach der Show wollte er Physiker werden“

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Bücher/Software

Wolfgang Kinzel
04 / 2012 Seite 67

Dieter Röß: ­Mathematik ­mit Simulationen lehren und ­lernen

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Maike Pfalz
04 / 2012 Seite 67

Metin Tolan: Titanic

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Matthias Schöne
04 / 2012 Seite 68

Stefan Heusler: Quantendimen­sionen

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DPG

04 / 2012 Seite 20

Ausschreibung von Preisen 2013

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04 / 2012 Seite 44

Praktikumsbörse

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04 / 2012 Seite 71

Änderungen im Vorstand der PGzB

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04 / 2012 Seite 86

Bewerberliste

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Tagungen

Thomas Steinbrecher
04 / 2012 Seite 72

Frontiers in Biomolecular Simulation – Modeling Processes on a Large Scale

495. WE-Heraeus-Seminar

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Concetta Fazio
04 / 2012 Seite 72

Innovative Nuclear Power in a ­Closed Fuel Cycle Scenario

494. WE-Heraeus-Seminar

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Ulrich Gerland und Erwin Frey
04 / 2012 Seite 72

Physics of Biological Function – Multicellular Systems

484. WE-Heraeus-Seminar

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René Reifarth, Kerstin Sonnabend, ­Daniel Bemmerer und Andreas Zilges
04 / 2012 Seite 73

Astrophysics with modern ­small-scale accelerators

496. WE-Heraeus-Seminar

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04 / 2012 Seite 74

Tagungskalender

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