Panorama

Wissenschaft soll auch in der Ukraine-Krise verbinden

28.02.2022 - Auch aus der deutschen Wissenschaft gibt es Unterstützung für die Ukraine.

Die vier großen naturwissenschaftlichen Gesellschaften, der Dachverband der Geowissenschaften (DVGeo), die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO), haben in einer Erklärung ihre tiefe Bestürzung über die kriegerische Gewalt in der Ukraine geäußert. Diese vernichte Menschenleben, ignoriere Selbstbestimmung und zerstöre Zusammenarbeit, statt friedlichen Ausgleich und Kooperation zu suchen.

„Unsere Sorge und unsere Solidarität gelten der ukrainischen Bevölkerung und allen anderen Leidtragenden dieses Krieges, dessen sofortiges Ende wir fordern“, heißt es in der Erklärung, die am 25. Februar, einen Tag nach der russischen Offensive gegen die Ukraine veröffentlicht wurde. Die Fachgesellschaften betonen, dass der freie Wissensaustausch über Grenzen hinweg untrennbar mit dem Respektieren der Menschenrechte, der Meinungsfreiheit und des Völkerrechts verbunden ist.

Auch wenn nun die Politik gefragt sei, gelte es für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, eine wichtige Verantwortung und Aufgabe wahrzunehmen: „Wir werden uns mit ganzer Kraft dafür einsetzen, die Brücken für einen freien Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Meinungen über Ländergrenzen und Kulturen hinweg weiter zu erhalten. Wir lassen uns nicht in unserem Glauben an die verbindende Wirkung von Wissenschaft erschüttern!“

Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen erklärte zeitgleich, das konsequente Vorgehen der Bundesregierung gegen den kriegerischen und völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine nachdrücklich zu unterstützen. Die Allianz sieht in der russischen Invasion einen Angriff auf elementare Werte der Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung, auf denen Wissenschaftsfreiheit und wissenschaftliche Kooperationsmöglichkeiten basieren. Die in der Allianz verbundenen Organisationen unterhalten seit langem vielfältige und fruchtbare wissenschaftliche Kooperationen mit ihren Partnern in der Ukraine. Ihnen gelte in diesem Moment die uneingeschränkte Solidarität.

Auch in Russland regt sich vonseiten der Wissenschaft Widerstand gegen den Angriff auf die Ukraine. Einen offenen Brief, der auf der Webseite „trv-scince.ru“ veröffentlicht wurde, haben bislang mehr als 4200 Wissenschaftler:innen und Wissenschaftsjournalist:innen unterschrieben. Darin protestieren sie „nachdrücklich gegen die von den Streitkräften unseres Landes eingeleitete Militäraktion in der Ukraine. Dieser fatale Schritt führt zu enormen Verlusten an Menschenleben und untergräbt die Grundlagen des etablierten Systems der internationalen Sicherheit.“ Zu den Erstunterzeichnern gehört der russische Physiker Valery Rubakov, der 2020 den Hamburger Preis für theoretische Physik erhalten hat

Die Unterzeichner:innen bestreiten jede vernünftige Rechtfertigung für diesen Krieg, fordern die sofortige Einstellung aller Militäraktionen gegen die Ukraine und betonen, dass vor allem Russland für die Entfesselung eines neuen Krieges in Europa verantwortlich sei. Gleichzeitig bringen sie ihre Sorge darüber zum Ausdruck, dass Russland und damit auch der russischen Wissenschaft eine internationale Isolierung drohe: „Das bedeutet, dass wir Wissenschaftler nicht mehr in der Lage sein werden, unsere Arbeit richtig zu machen: Wissenschaftliche Forschung ist ohne eine umfassende Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Ländern nicht denkbar.

Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) brachte seine Solidarität mit der Ukraine zum Ausdruck. Der DAAD werde die Lage und Entwicklung vor Ort genau beobachten und in enger Abstimmung mit der Bundesregierung und im Austausch mit der Hochschulrektorenkonferenz und den deutschen Hochschulen in den kommenden Tagen und Wochen bewerten, wie die Wissenschaftskooperationen mit der Ukraine gestaltet werden können.

Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), Martin Stratmann, verwies in einer eigenen Stellungnahme auf die Mainauer Deklaration, die der erste Präsident der MPG, Otto Hahn initiiert hatte (Hahn gehörte auch zu den Unterzeichnern der Göttinger Erklärung von 1957). Darin hieß es: „Alle Nationen müssen zu der Entscheidung kommen, freiwillig auf die Gewalt als letztes Mittel der Politik zu verzichten. Sind sie dazu nicht bereit, so werden sie aufhören, zu existieren.“

Alexander Pawlak

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