Panorama

Silber für das deutsche Team

25.07.2022 - Das deutsche Nationalteam sicherte sich beim International Young Physicists' Tournament in Rumänien den sechsten Platz.

Beim diesjährigen International Young Physicists‘ Tournament (IYPT), das vom 15. bis 23. Juli in Timisoara, Rumänien, stattfand, erreichten die Teams aus der Schweiz, Singapur und Polen das Finale. Am Ende hatte das Schweizer Team die Nase vorn und verwies damit Dauersieger Singapur auf Platz 2. Das deutsche Nationalteam landete trotz coronabedingter Rückschläge und eingeschränkter Vorbereitungszeit auf einem sehr guten 6. Platz und sicherte sich damit eine Silbermedaille. Damit konnten die deutschen Schülerinnen und Schüler zwar nicht an die überragenden Erfolge der letzten Jahre anknüpfen, dennoch freut sich Kapitän Florian Bauer, denn sein Team hat 19 internationale Teams hinter sich gelassen.

Für das IYPT muss jedes Team 17 verschiedene physikalische Aufgaben im Voraus in monatelanger Arbeit erforschen. Diese Aufgaben lassen sich zwar in wenigen Worten formulieren, erfordern zur Beantwortung aber meist die Bearbeitung eines richtigen Forschungsprojekts. Dazu gehören das Studium der Fachliteratur, der Aufbau und die Durchführung eines Experiments und die theoretische Modellierung. Eines der diesjährigen Probleme betraf die Schwingung eines Bimetalls: Metalle dehnen sich bei steigender Temperatur unterschiedlich stark aus. Klebt man zwei verschiedene Metalle längs zusammen, verbiegt sich dieser Bimetallstreifen bei steigender Temperatur. In einem elektrischen Stromkreis erwärmt sich ein Bimetall aufgrund des hindurchfließenden Stroms, verbiegt sich und unterbricht den Stromkreis. Da kein Strom mehr fließt, kühlt das Bimetall ab, wird wieder gerade und schließt den Stromkreis erneut. Der Prozess beginnt von vorn. Von welchen Parametern diese Schwingung abhängt, galt es in diesem Jahr zu untersuchen. 

Ungewöhnlich ist auch das Reglement des Wettbewerbs: Jeweils drei der fünfköpfigen Teams treten gegeneinander mit unterschiedlichen Rollen an. Das „Reporter-Team“ präsentiert seine Lösung, das „Opponent-Team“ sucht darin nach Schwachstellen, und das „Reviewer-Team“ bewertet beide. Im Rahmen eines „Fights“, der drei Stunden dauert, nimmt jedes Team jede Rolle einmal ein und erhält dafür Punkte von einer Fachjury. Siegreich ist am Ende das Team, das nicht nur eine überzeugende Lösung präsentiert, sondern diese in einem rhetorischen Wettstreit auf Englisch überzeugend verteidigen kann.

Das deutsche Nationalteam formierte sich in regionalen Vorentscheiden sowie dem digitalen German Young Physicists‘ Tournament (GYPT) und bestand aus: Florian Bauer (Hans-Thoma-Gymnasium, Lörrach), Tarek Bećić (Frankenwald-Gymnasium, Kronach), Antonia Macha (Herder-Gymnasium, Berlin), Hakim Rachidi (Gymnasium Papenburg) und Arthur Wittwer (Geschwister-Scholl-Gymnasium, Löbau).  

In den Physics Fights hatte das deutsche Team etwas Pech: Das gegnerische Team fordert vom vortragenden Team, welche der 17 Aufgaben es präsentieren muss. Aufgrund von vielen Krankheitsausfällen durch Corona hatte das deutsche Team aber nicht alle Aufgaben bearbeiten können. Mit etwas Glück bei der Herausforderung hätte man ohne Punktabzug dreimal ablehnen können. „Da fünf Aufgaben in fünf Runden vorgetragen werden müssen, ist der „Mut zur Lücke“ auch immer ein Glücksspiel, das wir diesmal leider nicht gewonnen haben, sodass wir das Turnier mit Punktabzügen bestreiten mussten“, erläutert Antonia Macha und betont: „Umso mehr freuen wir uns, dass es trotzdem für eine Silbermedaille gereicht hat!“

Die höchste Punktzahl im deutschen Team erkämpfte sich Arthur Wittwer, dessen Review zu „Tennis Ball Tower“ großen Anklang bei der Jury fand. Etwas Besonderes hatte sich das Team ausgedacht, um in hitzigen Diskussionen die Gemüter herunterzukühlen. „Mit Punkten belohnt werden ruhige und sachliche Auseinandersetzungen, aber in der Aufregung kann es schon mal lauter werden. Das Team darf nicht hereinrufen, aber dem Vortragenden Zettel mit Tipps zeigen. Unser Zeichen für „ruhig bleiben“ war ein Zen-Zebra, das erstaunlich gut funktioniert hat!“, berichtet Team-Betreuerin Liane Brandt.

„Trotz der pandemiebedingt schwierigen Umstände hat sich unser Team sehr gut geschlagen“, freut sich Michael Steck aus dem Organisationsteam der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und der Universität Ulm. Sein besonderer Dank gilt der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung, die seit Jahren das GYPT und die Teilnahme am internationalen Wettbewerb finanziert.

DPG / Maike Pfalz

 

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