Industrie & Technik

Quantensysteme entwickeln sich zum Milliardenmarkt

26.04.2022 - Marktreport von Spectaris und Messe München prognostiziert 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2030.

Quantensysteme eröffnen eine Welt völlig neuer Möglichkeiten für Industrie und Gesellschaft. Die Photonik spielt dabei als Schlüsseltechnologie zur Kommerziali­sierung der Quantensysteme eine zentrale Rolle und ergänzt die vielfältig und innovativ aufgestellte Branche um ein weiteres Anwendungs­feld mit sehr großem Potenzial. Ein neuer Marktreport belegt: Der Weltmarkt für Quantentsysteme soll sich bis zum Jahr 2030 versechsfachen und einen Wert von 2,33 Milliarden Euro pro Jahr erreichen. In diesen Zahlen enthalten ist dabei nur die Hardware, hinzu kommen Software und Services, etwa Computing-as-a–service, die den Markt nochmals um den Faktor drei bis vier vergrößern könnten. Zu erwarten ist, dass die Hersteller photonischer Basis­technologien für Quanten­systeme bis 2030 zusätzlich einen Umsatz von dann jährlich 530 Millionen Euro generieren. Dabei ist noch nicht eingerechnet, dass die Photonik gerade auch im Produktions­prozess der Techno­logien ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Diese Prognosen stellt der Marktreport „Photonics@Quantum: Basic Photonic Techno­logies for Quantum Systems“ auf. Der Report entstand im Auftrag des Deutschen Industrie­verbandes Spectaris und der Messe München und wird zum Start der Weltleitmesse Laser World of Photonics veröffentlicht. Erarbeitet wurde er vom französischen Technologie­beratungs­unternehmen Tematys, das bereits zahlreiche Studien zur Photonik und deren wichtigen Anwendungs­feldern erstellt hat. „Sobald sich ihr volles Potenzial entfaltet, können Quantensysteme die Art und Weise revolutionieren, wie wir Informationen messen, verarbeiten oder übermitteln. Damit wird ein tief­greifender techno­logischer Wandel einhergehen, der mit seiner Hebelwirkung die Wertschöpfung in Europa und weltweit erheblich steigert. Die ersten marktreifen Anwendungen stehen bereits in den Startlöchern. Und die Chancen stehen gut, dass Deutschland sich nicht nur auf einer ausge­zeichneten Start­position befindet, sondern diese Position auch langfristig ausbauen kann“, erläutert Jörg Mayer, Geschäftsführer von Spectaris.

Der Markt für Quanten­systeme teilt sich dabei in drei Felder auf: Metrologie und Sensorik, Kommunikation sowie Rechnen. In diesen Feldern erweitern die Quanten­systeme bestehende Anwendungen weit über das heute Machbare hinaus, zum Beispiel in der Medizin­technik, der Kommunikation, im Finanz- oder Transport­wesen oder in der künstlichen Intelligenz. Die Quanten­kryptografie für die Kommunikation (QKD) spielt beim Schutz sensibler Kommunikation eine wichtige Rolle. Und die Quanten­informatik wird Rechen­prozesse gegenüber klassischen Computern erheblich beschleunigen.

Deutlich macht der neue Marktreport auch, dass viele Länder an die Möglichkeiten dieser Technologie glauben: Vor wenigen Jahren wurden weltweit staatliche Förder­programme zur Erforschung der Quantensysteme gestartet, deren Wert sich über einen Zeitraum von zehn Jahren auf zwanzig Milliarden US-Dollar summiert. An diesem Wettrennen der Nationen beteiligt sich auch die Europäische Union mit einem Betrag von 1,1 Milliarden US-Dollar, Deutschland investiert sogar drei Milliarden US-Dollar zur Erforschung der Quantensysteme. Nicht berücksichtigt sind dabei die Forschungs­ausgaben von Unternehmen und die Inves­titionen privater Kapitalgeber. Zwei Drittel der Venture-Capital-Inves­titionen erfolgten in den letzten drei Jahren. Hier bleibt Europa im Vergleich zur staatlichen Förderung jedoch zurück: Europäische Unternehmen erhielten rund fünf Prozent der weltweiten privaten Kapital­finanzierung, Unternehmen in Nordamerika dagegen siebzig Prozent. 

Umso größer ist der Bedarf eines Austauschs zwischen allen Akteuren der Quantensysteme: Forschung, Industrie und Investoren. „Mit der Premiere der World of Quantum zur Laser World of Photonics 2022, greift die Messe München das derzeit spannendste Zukunfts­feld der Photonik auf. Die Quanten­systeme bieten dank ihrer großen Einsatz­potentiale in den Bereichen Computing und Krypto­grafie, Sensorik und Imaging, Kommunikation und Medizin, ein breites Feld für Innovationen“, so Reinhard Pfeiffer, stell­vertretender Vorsitzender der Geschäfts­führung der Messe München. 

SPECTARIS / JOL

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