Panorama

Physik-Nobelpreisträger Georges Charpak gestorben

04.10.2010 - Der polnisch-französische Physiker leistete mit der Erfindung der Vielteilchen-Proportionalkammer einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Elementarteilchen.

Der polnisch-französische Physiker leistete mit der Erfindung der Vielteilchen-Proportionalkammer einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Elementarteilchen.

Georges Charpak starb am 29. September im Alter von 86 Jahren in Paris. Er gehört zu den Physikern, welche die experimentelle Teilchenphysik mit der Entwicklung neuartiger Detektoren entscheidend vorangebracht haben, wie beispielsweise Charles Wilson (Nebelkammer, Nobelpreis 1927), Cecil Powell (Emulsionstechnik, Nobelpreis 1959) und Donald Glaser (Blasenkammer, Nobelpreis 1960).

Um die Reaktionen in der Teilchenphysik zu untersuchen, ist es nötig, sowohl die Flugrichtung als auch die Energie der daran beteiligten Teilchen zu messen. Dabei bedienten sich die Physiker lange Zeit stets des gleichen Grundprinzips: Wenn ein geladenes Teilchen durch Materie fliegt, dann hinterlässt es eine Ionisationsspur, die z. B. durch Tröpfchenbildung in der Nebelkammer oder kleine Gasblasen in der überhitzten Flüssigkeit einer Blasenkammer sichtbar wird. Diese Spuren wurden über viele Jahrzehnte mit photographischen Methoden festgehalten und vermessen. Bei seltenen Teilchenereignissen kam diese Methode jedoch an ihre Grenzen, da es dabei nicht möglich war, uninteressante Ereignisse auszuscheiden. Um dieses Problem zu lösen, griff Charpak auf das Prinzip des Proportionalzählers zurück, wie es im Geiger-Müller-Zählrohr verwirklicht ist. 1968 stellte er mit seinen Mitarbeitern die von ihm entwickelte Vielteilchen-Proportionalkammer, auch oft kurz Vieldrahtkammer genannt, in einem Artikel in der Zeitschrift „Nuclear Instruments and Methods“ vor. Für diese Entwicklung erhielt er 1992 den Nobelpreis für Physik. (Mehr dazu siehe unten im Artikel von Albrecht Wagner aus den Physikalischen Blättern.)

Charpak stammte ursprünglich aus Polen, wo er am 8. März 1924 in einem jüdischen Ghetto im Osten Polens geboren wurde. Im Alter von sieben Jahren kam er mit seinen Eltern nach Frankreich. Als das Land 1941 von Nazi-Deutschland besetzt wurde, engagierte er sich im Widerstand. 1943 wurde Charpak ins Konzentrationslager Dachau deportiert, aus dem er bei Kriegsende befreit wurde. Zurück in Frankreich nahm er 1946 die französische Staatsbürgerschaft an und studierte an einer Pariser Elite-Universität und im Labor des Physik-Nobelpreisträgers Frederic Joliot-Curie. 1959, vier Jahre nach seiner Promotion, ging Charpak an das Europäische Kernforschungszentrum CERN bei Genf. Dort befasste er sich bis 1991 vor allem mit der Fortentwicklung der Teilchendetektoren.

Doch auch im Ruhestand blieb er aktiv. Er initiierte ein Programm, das junge Menschen für die Wissenschaft begeistern soll, schrieb mehrere Bücher und entwickelte noch mit 84 Jahren ein Röntgengerät mit deutlich reduzierter Strahlendosis für Kinder. Außerdem engagierte er sich für die nukleare Abrüstung und eine internationale Kontrolle aller Atomwaffen. Charpak schreckte auch vor unbequemen Meinungen nicht zurück. So sprach er sich im August dieses Jahres in einem offenen Brief für die Einstellung der Bauarbeiten für den internationalen Testfusionsreaktor ITER in Cadarache aus. CERN-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer würdigte Charpak als „exzellenten Physiker und echten Gentleman“, ohne dessen Entwicklungen vieles im Programm des Large Hadron Colliders nicht möglich gewesen wäre.

Alexander Pawlak / Physik Journal

 

Weitere Infos: 

AH

Produkte des Monats

Fluid-Struktur-Interaktion simulieren

Vakuum- und Niederdrucksysteme werden für unterschiedliche Zwecke, wie Elektronenmikroskope oder in der Halbleiterherstellung, eingesetzt. Forscher und Entwickler, die mit Vakuumsystemen arbeiten, nutzen verstärkt Simulation für eine effizientere Entwicklung und zur Reduktion kostspieliger Prototypen.

 

Zur Registrierung

Produkte des Monats

Fluid-Struktur-Interaktion simulieren

Vakuum- und Niederdrucksysteme werden für unterschiedliche Zwecke, wie Elektronenmikroskope oder in der Halbleiterherstellung, eingesetzt. Forscher und Entwickler, die mit Vakuumsystemen arbeiten, nutzen verstärkt Simulation für eine effizientere Entwicklung und zur Reduktion kostspieliger Prototypen.

 

Zur Registrierung