Panorama

Laser-Blitzableiter in Schweizer Alpen

26.07.2021 - EU-Projekt für Experimente für einen laserbasierten Blitzableiter gestartet.

Das Unternehmen Trumpf hat gemeinsam mit der Universität Genf auf dem Schweizer Berg Säntis einen laser­basierten Blitz­ableiter in Betrieb genommen. Im Laufe der nächsten Wochen finden dort Wetter­experimente statt, mit dem Ziel, Blitze aus Gewitterwolken gezielt und kontrolliert abzuleiten und somit perspektivisch Schäden durch unkon­trollierte Blitzeinschläge zu verhindern. Laser­ingenieur Clemens Herkommer hat in den vergangen vier Jahren diesen bis dato einmaligen Super-Laser eigens für dieses Projekt entwickelt: „Der Laser-Blitz­ableiter ist einer der stärksten Laser seiner Klasse, die es derzeit gibt. Wir schießen mit tausend Laser­pulsen pro Sekunden in die Wolken und wollen damit Blitze unschädlich und die Welt dadurch ein Stück weit sicherer machen“, sagt Herkommer.

Durch Blitz­einschläge in Flughäfen, Atom­kraftwerken, Wolken­kratzern und Wäldern entstehen jährlich Schäden in Höhe von mehreren Milliarden Euro. Allein in den USA entsteht durch Gewitter und Blitzschlag ein wirt­schaftlicher Schaden von fünf Milliarden Dollar jährlich, meist durch Störungen des Flugverkehrs und Schäden an Flugzeugen oder Hochspannungs­leitungen. Aus diesem Grund hat die EU das Projekt „Laser Lightning Rod“ ins Leben gerufen. Der Trumpf Laser ist das Herzstück dieses Projektes. Er erzeugt eine Art Kanal in Gewitter­wolken, das Laser-Filament. Sobald sich ein Blitz aus der Gewitterwolke entladen möchte, lässt dieses Laser-Filament dem Blitz keine andere Chance, als durch den vorge­gebenen Kanal kontrolliert auf dem Boden einzu­schlagen. Die Entwicklung des Lasersystems hat rund zwei Millionen Euro gekostet.

„Wir haben in den vergangenen Jahren intensiv an diesem Laser gearbeitet und ihn für seinen Einsatz auf dem Säntis vorbereitet. Im Labor funktioniert der Laser einwandfrei. Wir sind sehr opti­mistisch, dass er auch in der Atmosphäre Blitze ableiten wird“, sagt Herkommer. Erste Ergebnisse erwarten die Projektpartner unter der Führung des Wetter­forschers Jean-Pierre Wolf von der Universität Genf zum Ende des Sommers 2021. Bereits der Transport des Lasers auf dem Säntis war ein Rekord-Unterfangen: Der Laser ist mit neun Metern Länge und rund fünf Tonnen Gewicht relativ sperrig. Um ihn auf die Wetter­station auf der Bergspitze zu trans­portieren, haben Clemens Herkommer und seine Projektpartner den Laser in mehrere Einzelteile zerlegt und ihn Ende Mai 2021 per Seilbahn und Helikopter auf den Gipfel gebracht. Nachdem sie die Laseranlange in den vergangenen Wochen wieder aufgebaut und in Betrieb genommen haben, haben nun die Wetter­experimente begonnen.

Dass der laser­basierte Blitz­ableiter auf dem Säntis installiert wurde, ist kein Zufall. Auf dem Berg schlagen während der Gewitter­hochphase in den Monaten Juni, Juli und August hunderte Blitze ein. Gemeinsam mit Trumpf und Jean-Pierre Wolf arbeiten die Univer­sität Genf, das französische Zentrum für wissen­schaftliche Forschung (CNRS), die Beratung AMC, die Polytechnische Hochschule in Lausanne, das Luft- und Raumfahrt­unternehmen Ariane Group sowie die Universität für angewandte Wissen­schaften der westlichen Schweiz, HES an dem Projekt.

Trumpf / JOL

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