Panorama

IUPAP: Physik ... rein, angewandt und international

17.08.2022 - Die International Union of Pure and Applied Physics (IUPAP) wurde vor 100 Jahren gegründet.

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg waren die Zeiten schwierig für internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit. Daher gründete sich im Jahr 1919 der International Research Council (IRC), maßgeblich auf Initiative von Vertretenden der US-amerikanischen National Academy of Sciences und der britischen Royal Society. Der IRC hatte es sich auf die Fahne geschrieben, internationale Bemühungen in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zu koordinieren. Damit war von Anfang an die Absicht verknüpft, internationale Dachverbände für die jeweiligen Disziplinen zu gründen.

Für die Physik geschah dies im Sommer 1922: Bei der IRC-Hauptversammlung in Brüssel wurde die Gründung der International Union for Pure and Applied Physics (IUPAP) beschlossen. 13 Länder waren die Mitglieder der ersten Stunde: Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Norwegen, Polen, Schweiz, Spanien, Kanada, USA, Südafrika und Japan. Erster Präsident war William Bragg, der 1915 gemeinsam mit seinem Sohn Lawrence den Physik-Nobelpreis erhalten hatte.

Das IUPAP-Jubiläum ist Anlass für zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen, etwa ein Jubiläums-Symposium, einen Fotowettbewerb und natürlich zur Aufarbeitung der langen und wechselhaften Geschichte der Organisation.

Bereits kurz nach der Gründung kamen weitere Mitgliedsländer hinzu, etwa Italien (1923) und Australien (1925). Heutzutage hat die IUPAP 65 Mitglieder, die zumeist durch ihre nationalen Akademien vertreten sind. Deutschland wurde erst spät Mitglied der IUPAP, die Bundesrepublik 1954, die DDR war von 1960 bis 1990 Mitglied. In der BRD war zunächst die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zuständig, da es lange Zeit keine deutsche Nationalakademie gab.

„Die DFG delegierte diese Aufgabe auf Dauer an die Deutsche Physikalische Gesellschaft weiter“, erläutert DPG-Hauptgeschäftsführer Bernhard Nunner, der als deutscher „Liaison“ der IUPAP fungiert. Vorsitzende des Deutschen Nationalen Komitees für IUPAP (DNK) ist derzeit Karin Zach, DPG-Vorstandsmitglied für Internationale Aktivitäten. Das DNK wird vom Vorstandsrat beraten und von der DPG-Geschäftsstelle betreut. Die Mitglieder sind die deutschen Vertreterinnen und Vertreter in den Gremien der IUPAP.

Ein wichtiges Standbein der IUPAP-Aktivitäten sind die von ihr organisierten und unterstützten internationalen Konferenzen zu den verschiedensten Bereichen der physikalischen Forschung. Hierzu wird mehr als die Hälfte des Budgets der IUPAP eingesetzt, die sich dabei insbesondere für die Freizügigkeit der Physiker:innen weltweit einsetzt. Die IUPAP erstellt und veröffentlicht auch Empfehlungen zur physikalischen Nomenklatur, etwa in Bezug auf Symbolschreibweisen, Einheiten und Konstanten. Gemeinsam mit der International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC) ist die IUPAP seit 1987 auch zuständig für die Benennung neuer chemischer Elemente.

Die Arbeit der IUPAP geschieht in den Kommissionen, die sich – ähnlich wie die Fachverbände der DPG – mit fachspezifischen Themen beschäftigen, und in Arbeitsgruppen, die sich interdisziplinären und gesellschaftlichen Fragestellungen widmen. Dazu gehören nicht zuletzt die Förderung von Frauen in der Physik, des wissenschaftlichen Nachwuchses, etwa durch einen Early Career Award, und der Unterstützung der Physik in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Diesen Themen widmete sich das internationale Symposium zur Feier des hundertjährigen Bestehens der IUPAP, das im Juli am „Abdus Salam International Centre for Theoretical Physics“ (ICTP) in Triest stattfand und an dem DPG-Präsident Joachim Ullrich vor Ort und Karin Zach online teilgenommen haben. Das ICTP beherbergt nun die Geschäftsstelle der IUPAP, die zuvor in Singapur angesiedelt war. Auch der juristische Status der IUPAP hat sich geändert, sie ist nun eine Gesellschaft nach Schweizer Recht.

Die Mitglieder der IUPAP sind ihren Hauptzielen auch in den schwierigen Jahren des Zweiten Weltkriegs und Kalten Krieges bis heute treu geblieben: die Entwicklung der Physik und die internationale Zusammenarbeit von Wissenschaftlern zu fördern. Dies ist ungebrochen aktuell angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die IUPAP hat erklärt, die russischen Wissenschaftler:innen, die sich ausdrücklich gegen diesen Krieg aussprechen, nicht auszuschließen. Gleichzeitig ist die Ukraine über ihre Nationale Akademie der Wissenschaften neues IUPAP-Mitglied geworden.

„Das Thema Science Diplomacy bewegt uns heftig“, sagt Karin Zach. Die IUPAP trage entscheidend dazu bei, persönliche Kontakte zwischen Wissenschaftler:innen über Grenzen und Konflikte aufrecht zu erhalten. „So schwierig das ist, müssen wir immer auch die fernere Zukunft im Blick behalten“, betont Zach.

Die IUPAP setzt sich besonders für die Förderung der globalen Entwicklung der Physik ein, um zur Lösung der drängenden Problemen der Menschheit beizutragen. Daher engagierte sie sich stark für das Internationale Jahr der Grundlagenforschung für nachhaltige Entwicklung 2022 und setzt sich nun dafür ein, das Jahr 2025 zum Internationalen Jahr der Quantenwissenschaft und -technologie zu erklären. „Wenn es die IUPAP nicht gäbe, müssten wir sie sofort gründen“, ist Bernhard Nunner überzeugt.

Alexander Pawlak
 

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