Panorama

Historisches Rätsel: Maschinist mit Visionen

06.03.2019 - Er war eigentlich ein Erfinder, ein Element trägt seinen Namen. Wer war es?

Naturforscher kann man ihn nicht nennen; das chemische Element, das seinen Namen trägt, wird erst nach seinem Tod entdeckt. In die Physikgeschichte geht er als Maschinen-Erfinder ein. „Aus der Zeit, in der er formal in Physik trainiert wurde, kam in späteren Jahren sehr wenig an die Oberfläche“, so umschreibt es ein Biograph. „Seinen meisten Kollegen schien es fast so, als habe er eine Abneigung gegen mathematisches Denken."

Praktische Anwendungen liegen ihm mehr, und vor allem deren Vermarktung. Als er eines Tages die Gelegenheit bekommt, die Entwicklungsabteilung für Fernsehtechnik in den Bell Laboratories zu besuchen, packt ihn die Begeisterung: Er wittert Geld, das dort Experten wie er verdienen können. Leute, die sich mit rasenden geladenen Teilchen auskennen. „Photoelektrizität“ war schließlich schon Thema seiner Dissertation. So beantragt er in seinen letzten Lebensjahren Dutzende von Patenten rund um den Farbfernseher, Geldsorgen hat er zu der Zeit keine.

Biographen bescheinigen ihm schon in seiner Jugend eine ganze Reihe von Fähigkeiten, die im später helfen sollen, Teilchen und Ideen im großen Stil zu gehörigem Schwung zu verhelfen. Dazu gehört sein Erfindungsgeist und Pragmatismus: Als Schüler bastelt er Kurzwellensender, für seinen ersten größeren Beschleuniger recycelt er Jahre später aus Kostengründen den 80 Tonnen schweren Elektromagneten einer Funkanlage, der im Institutskeller vor sich hin rostet. Das spart knappe Forschungsmittel. Auch das Einwerben von Geldern übt er bereits als Student: Als Vertreter bietet er Küchengeräte an Bauersfrauen in der Umgebung feil, und mit Verkäufertrick Nummer 17 bekommt er später den Bau seines Beschleunigers finanziert: er baut ein Modell, nur handtellergroß, aber voll funktionsfähig.

Auch sportlicher Ehrgeiz treibt ihn an. Er ist ein Fighter im Physiklabor, der seine Mitarbeiter ermahnt, ihm seine Fehler vorzuhalten, um große Visionen besser umzusetzen. „Wir brauchen ein gigantisches Zyklotron, das vielleicht mehr als 4000 Tonnen wiegt – zwanzig mal größer als das neue medizinische Zyklotron am Crocker Laboratorium“, fordert er beim Bankett anlässlich der Nobelpreisverleihung.

Die Auszeichnung erhält er für den Bau immer größerer Beschleuniger vom Typ Zyklotron, eine Erfindung, die er selbstverständlich auch patentiert. Konstruktion und Verbesserung immer größerer Zyklotrone werden anschließend seine Lebensaufgabe. Experimentieren will er selbst mit den Maschinen nur wenig, und wenn, dann eigentlich nur, um zu testen, was sie für neue Anwendungen taugen: Zum Beispiel zur Urananreicherung für den Bau der Atombombe (klappt nicht so richtig gut) oder um die Krebserkrankung seiner Mutter zu heilen (klappt bestens). Die Mutter überlebt den Sohn, der bereits mit 57 Jahren stirbt.

Andreas Loos, Berlin

Wer war der Maschinist mit Visionen? Schreiben Sie die Lösung auf eine Postkarte an: Physik in unserer Zeit, Wiley-VCH, Boschstraße 12, 69469 Weinheim, oder per Email an: thomas@buehrke.com. Absender bitte nicht vergessen! Einsendeschluss ist der 15.4.2019. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wir verlosen drei Exemplare des Buches Wenn Frösche vom Himmel fallen von Rolf Froböse. 

Originalveröffentlichung:

A. Loos, Maschinist mit Visionen - historisches Rätsel, Phys. Unserer Zeit 50(2), 101 (2019); https://doi.org/10.1002/piuz.201970214