Technologie

Heizen mit gestauter Wärme

29.07.2022 - In Städten kann bodennahe Geothermie einen Großteil des Wärmebedarfs decken.

Die angestaute Wärme im Erduntergrund hat ein großes Potenzial für die Wärme­versorgung der Menschen. Die durch Verstädterung, Industria­lisierung und Klimawandel erzeugte Hitze könnte mit flachen Geothermie­systemen erschlossen werden und über Jahrzehnte hinweg nahezu den kompletten Wärmebedarf in vielen Regionen der Welt decken. Das zeigt ein inter­nationales Forschungsteam, an dem auch die Martin-Luther-Univer­sität Halle-Wittenberg beteiligt war.

Etwa zwei Drittel des Energie­verbrauchs in deutschen Haushalten gehen laut Umweltbundesamt auf die Raumheizung zurück. Der größte Teil dieser Energie wird durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt – eine teure Ressource, die zudem erheblich zum Klimawandel beiträgt. „Bei der Suche nach kohlenstoff­armen Alternativen wurde der Wiederverwertung der Hitze, die durch Urbanisierung, Industriali­sierung und Klimawandel im flachen Untergrund angesammelt wird, bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt“, sagt Peter Bayer vom Institut für Geowissen­schaften und Geographie. Dabei ließe sich diese relativ einfach mit sehr flachen geothermischen Systemen erschließen.

In der neuen Studie untersuchte ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Dalhousie University in Kanada, ob eine solche groß angelegte Wärmerück­gewinnung machbar wäre. Die Forschenden fanden heraus, dass sich bei etwa fünfzig Prozent aller weltweit untersuchten Standorte bereits Wärme angesammelt hat. Sie berechneten, dass bis zum Jahr 2099 zwischen 73 und 97 Prozent der Regionen in Nordamerika, Europa und Australien ihren jährlichen Heizbedarf mit dieser recycelten Wärme decken könnten.

Gleichzeitig geht das Team davon aus, dass sich dadurch die Temperaturen im Untergrund senken würden. „Sollten sich politische Entscheidungs­träger und Interessen­gruppen gegen diese kohlenstoff­arme Heizmethode entscheiden, wird sich die Wärme weiterhin im Boden stauen und die Qualität des Grundwassers und der Ökosysteme beein­trächtigen“, gibt die Studien­leiterin Susanne Benz von der Dalhousie University zu bedenken.

MLU / JOL

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