Forschung

Das preiswürdige Zentrum der Galaxis

19.01.2012 - Der Crafoord-Preis in Astronomie geht 2012 an Reinhard Genzel und Andrea Ghez.

Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften hat bekannt gegeben, dass der Crafoord-Preis in Astronomie 2012 gemeinsam an Reinhard Genzel vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching, und Andrea Ghez von der University of California, Los Angeles, USA, verliehen wird „für ihre Beobachtungen der Sterne, die das galaktische Zentrum umkreisen und damit auf ein massereiches Schwarzes Loch hinweisen“.

Reinhard Genzel (Jahrgang 1952) ist seit 1986 Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik sowie Professor an der LMU München und an der University of California in Berkeley. Für seine Forschungen wurde er bereits vielfach ausgezeichnet. 2003 erhielt er mit der Stern-Gerlach-Medaille die höchste Auszeichnung der DPG für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der experimentellen Physik.

Die amerikanische Astronomin Andrea Ghez (Jahrgang 1965) ist Professorin an der University of California in Los Angeles. Auch sie erhielt bereits zahlreiche Forschungspreise.

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Andrea Ghez und Reinhard Genzel (Foto: UCLA, MPE)

 

 

Schon seit vielen Jahren beobachten Reinhard Genzel und Andrea Ghez mit ihren jeweiligen Forschungsteams die Sterne um das Zentrum der Milchstraße. Unabhängig voneinander kamen beide zu dem gleichen Ergebnis: in unserer Heimatgalaxie befindet sich ein riesiges Schwarzes Loch Sagittarius A*.

Da sich Schwarze Löcher nicht direkt beobachten lassen – alles in ihrer Nähe wird von ihnen verschluckt – besteht die einzige Möglichkeit Schwarze Löcher zu untersuchen darin, die Wirkungen der Gravitation auf ihre Umgebung zu studieren. Ausgehend von der Bewegung der Sterne um das Zentrum der Milchstraße schätzen Genzel und Ghez mit ihren Kollegen, dass die Masse von Sagittarius A* im Zentrum unserer Galaxis rund vier Millionen Sonnenmassen beträgt. Diese Messungen ermöglichen es, die Schwerkraft besser zu erforschen und die Grenzen der Relativitätstheorie auszuloten.

Der Crafoord Prize in Astronomie und Mathematik, Biowissenschaften, Geowissenschaften oder Polyarthritis-Forschung wird von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften jährlich nach einem rotierenden System vergeben. Der erste Preis wurde im Jahr 1982 verliehen und ab 2012 gibt es zwei getrennte Preise in Astronomie und Mathematik zur selben Zeit, die jeweils mit einer Preissumme von 4 Millionen Schwedischen Kronen (rund 450 000 Euro) dotiert sind.

Der Preis wird im April/Mai im Rahmen des „Crafoord Day“ offiziell von Seiner Majestät, dem König von Schweden überreicht. In Verbindung mit dem Crafoord Day wird ein Symposium zum jeweiligen Forschungsgebiet der Preisträger von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften veranstaltet.

MPE / Alexander Pawlak