Panorama

Auszeichnung für Batterie-Forscher

21.10.2022 - Erster Greve-Preis der Leopoldina geht an Kerstin Volz und Jürgen Janek.

Für ihre grundlegenden Erkenntnisse über wieder­auf­ladbare Batterien erhalten die Physikerin Prof. Dr. Kerstin Volz und der Physiko­chemiker Prof. Dr. Jürgen Janek den Greve‐Preis der Nationalen Akademie der Wissen­schaften Leopoldina 2022. Die neu etablierte, mit 250.000 Euro dotierte Auszeichnung wird von der Hamburgischen Stiftung für Wissen­schaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve gestiftet und würdigt in diesem Jahr heraus­ragende Leistungen im Bereich der natur­wissen­schaft­lichen Grundlagen einer nach­haltigen Energie­versorgung.

Kerstin Volz, Direktorin des Wissen­schaft­lichen Zentrums für Material­wissen­schaften der Philipps-Universität Marburg, und Leopoldina-Mitglied Jürgen Janek, Direktor des Zentrums für Material­forschung der Justus-Liebig-Universität Gießen, befassen sich mit Fragen rund um die elektro­chemische Energie­speicherung. Mit ihren teils gemeinsamen Forschungs­arbeiten haben sie zur Verbesserung von Hoch­leistungs­batterien und zu neuen, ressourcen­schonenden Konzepten der elektro­chemischen Energie­speicherung beigetragen. „Kerstin Volz und Jürgen Janek treiben die Erforschung und Entwicklung von Batterie­systemen der Zukunft voran. Sie leisten damit wichtige Beiträge für eine nach­haltige Energie­versorgung, die zur Bewältigung der Klimakrise dringend erforderlich ist“, sagt Leopoldina-Präsident Prof. Dr. Gerald Haug.

Volz ist eine international führende Wissenschaftlerin im Bereich der Festkörper­physik. Sie beschäftigt sich mit der Herstellung neuartiger Funktion­smaterialien und deren quantitativer Charakte­ri­sierung. Mit elektronen­mikro­skopischen Verfahren ermöglicht sie höchst aufgelöste Einblicke in Batterien und Halbleiter. Ihre grund­legenden Ergebnisse zur Abscheidung und Struktur haben beispiels­weise dazu beigetragen, Energie­materialien zu entwickeln und leistungs­fähiger zu machen und Solarzellen sowie Bauelemente zur photo­elektro­chemischen Wasser­spaltung signifikant zu verbessern. Volz hat Physik an der Uni Augsburg studiert und sich nach ihrer Promotion an der Uni Marburg habilitiert, wo sie seit 2009 Professorin für Experimental­physik ist und seit 2015 dem Wissen­schaft­lichen Zentrum für Material­wissen­schaften als geschäfts­führende Direktorin vorsteht. Dort leitet sie auch einen von der Deutschen Forschungs­gemein­schaft geförderten Sonder­forschungs­bereich, der sich mit funda­mentalen Aspekten des Ladungs- und Energie­transfers an und über Grenzflächen beschäftigt, wie sie dann auch in Bauelementen eine wichtige Rolle spielen.

Janek ist Experte auf dem Gebiet der Festkörper­elektro­chemie und spezialisiert auf Material­forschung für Batterien. Er gehört weltweit zu den meist­zitierten Wissen­schaftlern auf diesem Gebiet und hat unter anderem einen Metall-Luft-Batterietyp entwickelt, der auf gut verfügbarem, kosten­günstigem Natrium anstelle von Lithium basiert. In jüngerer Zeit hat er zudem die Entwicklung von Konzepten für Fest­körper­batterien und deren physikalisch-chemisches Verständnis maßgeblich voran­getrieben. Janek hat an der Uni Hannover Chemie studiert und sich nach seiner Promotion im Fach Physikalische Chemie habilitiert. An der Uni Gießen ist er seit 1999 als Professor für Physikalische Chemie tätig, seit 2016 leitet er dort das Zentrum für Material­forschung. Seit 2011 ist er auch wissen­schaftlicher Leiter des Battery and Electro­chemistry Laboratory BELLA am Karlsruher Institut für Technologie, außerdem ist er Mitglied im Exzellenz­cluster POLIS des KIT und der Universität Ulm, das sich mit der Entwicklung neuer Batterie­materialien und Technologie­konzepte zur Speicherung elektrischer Energie befasst. 2022 wurde Janek als Mitglied in die Leopoldina aufgenommen.

In ihren gemeinsamen Arbeiten geht es Volz und Janek darum, Vorgänge in Festkörper­batterien zu untersuchen und Struktur­verände­rungen während des Betriebs zu ergründen. Sie haben durch die Kombination von elektronen­mikro­skopischen und elektro­chemischen Methoden beispielsweise Alterungs­phänomene aufgeklärt, die zu Kapazitäts­verlusten von Batterien führen.

Der Greve-Preis der Nationalen Akademie der Wissen­schaften Leopoldina wird an Wissen­schaft­lerinnen und Wissen­schaftler oder Forschungs­teams verliehen, die in Deutschland an Hochschulen, außer­univer­sitären Forschungs­einrich­tungen oder in Wirtschafts­unternehmen tätig sind. Die neu etablierte Auszeichnung wird alle zwei Jahre verliehen und würdigt besonders heraus­ragende Forschungs­leistungen in den Bereichen Natur­wissen­schaften, Medizin und Technik­wissen­schaften. Der Greve-Preis wird themen­spezifisch ausgeschrieben, in diesem Jahr zu natur­wissen­schaft­lichen Grundlagen einer nach­haltigen Energie­versorgung. Der Preis ist mit 250.000 Euro dotiert, die aus Mitteln der Greve‐Stiftung stammen.

Die Preisverleihung findet am 17. November im Rahmen eines Festakts statt, zu dem der Präsident des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, Erster Bürger­meister Dr. Peter Tschentscher, in das Hamburger Rathaus einlädt. Die Veranstaltung wird auf dem Youtube-Kanal der Leopoldina im Livestream übertragen.

Leopoldina / RK

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