Panorama

Aus Wasser Wein – äh, Desinfektionsmittel machen

27.04.2020 - Pilotanlage zur Händedesinfektion bietet Unabhängigkeit von herkömmlichen Mitteln.

Im Zuge der Co­rona Pande­mie ge­winnt ein neuarti­ges Des­infekti­onsver­fah­ren der Ne­bula Bio­cides GmbH, einer Ausgrün­dung des Leibniz-Insti­tutes für Plas­mafor­schung und Tech­no­logie e.V. (INP), zu­neh­mend an Bedeu­tung. Die erste Pi­lot­anlage wurde letzte Woche im Rah­men ei­nes Test­laufs im Ein­kaufs­zen­trum Elisen Park in Greifs­wald prä­sen­tiert.

„Seit 2016 er­for­schen wir einen hoch­wirksa­men Des­infekti­onswirk­stoff, der inner­halb von 30 Se­kunden sowohl gegen hartnä­ckige Bakteri­ensporen als auch gegen wider­standsfä­hige Vi­ren wirkt“, erklä­ren Dr. Jörn Winter und Dr. Ansgar Schmidt-Bleker, Forscher am INP und Ge­schäfts­führer der Ne­bula Bio­cides GmbH. Das zum Patent ange­mel­dete und schon mehr­fach aus­gezeich­nete Ver­fahren führt insitu Was­serstoff­peroxid und Nit­ritionen zusam­men und erzeugt dabei eine Viel­zahl re­aktiver und stark biozider kurzlebi­ger Spe­zies. Da­bei kön­nen die Aus­gangs­stoffe plasma­techno­logisch aus Luft und Was­ser her­gestellt, alterna­tiv aber auch als Flüssig­keiten zuge­führt werden. „Auf Ba­sis dieses Verfah­rens ar­beiten wir an ei­ner neu­artigen Desinfek­tionsan­lage, die Hände­desinfek­tionen an hoch­frequen­tierten Orten wie z.B. an Bahn­höfen, Flughä­fen, Schulen oder auch Kranken­häusern er­laubt“, so die bei­den Forscher. Das Spender­system ist spezi­ell für öf­fentliche Orte konzi­piert an denen sich viele Men­schen begeg­nen. „Die Gesund­heit und der Schutz unserer Kunden stehen für uns immer an erster Stelle. Gerade in der ak­tuellen Situ­ation ist die Hygiene natür­lich immens wichtig und seit dieser Woche dürfen auch bei uns im Elisen Park Greifs­wald wieder einige Ge­schäfte mehr öff­nen. Da­her freuen wir uns beson­ders, dass wir unseren Kunden gerade jetzt diese in­novative Desinfek­tionsme­thode vorstel­len kön­nen“, er­gänzt Ka­rin Rüdi­ger, Cen­ter Ma­nagerin des Eli­sen Park.

Be­reits mit der Pilot­anlage können sich 18 Per­sonen gleich­zei­tig die Hände desinfi­zieren. Die Des­infekti­onsan­lage ist modular aufge­baut und arbei­tet bis auf Wasser­zufuhr autark. Der Wirk­stoff wird di­rekt im Gerät aus Kon­zentra­ten er­zeugt. So kön­nen mit einer ein­zigen Konzent­rat-Be­füllung etwa eine Mil­lion Hän­dedesin­fektio­nen durchge­führt werden. Das Ver­fahren ist also ideal für alle Stand­orte mit ho­hem Publi­kumsver­kehr.

Bis­herige Desinfek­tionsmit­tel basie­ren meist auf Alko­hol, sind teuer und leicht entzünd­lich. Au­ßerdem sind Stan­dard-Desinfek­tions­spender war­tungsin­tensiv und nicht vor Van­dalismus ge­schützt. Das Zwei-Kompo­nenten-Desinfek­tionssys­tem Spo­rosan der Ne­bula Bio­cides GmbH ist nicht nur wirk­sam gegen alle Krank­heitser­reger, son­dern mit ca. 10 Cent pro Liter auch noch äu­ßerst kosten­günstig. Dies ist 100-mal preiswer­ter als der aktu­elle Liter­preis für alkohol­basierte Hände­desinfek­tionsmit­tel. Au­ßerdem basiert das neu­artige Desinfek­tionsmit­tel auf Wasser und ist im Ge­gensatz zu her­kömmli­chen Lö­sungen nicht ent­flamm­bar. Die Wirk­stoffe zer­fallen nach der Hände­desinfek­tion zu Wasser und na­türlichen Rück­ständen, sind so­mit voll­ständig biolo­gisch ab­baubar. Ein be­sonderer Clou die­ses schnellen Zerfalls: Der Dieb­stahl des Wirk­stoffs, wie in letzter Zeit häu­fig in Kranken­häusern und an­deren öf­fentli­chen Ein­richtun­gen beo­bachtet, ist da­durch un­mög­lich.

In jahre­lan­gen Vor­untersu­chungen des INP sowie der Ne­bula Bio­cides GmbH wurde die Wirk­samkeit, die grund­sätzliche Verträg­lichkeit sowie die Sicher­heit des Verfah­rens in ak­kredi­tierten Labo­ren bereits bestä­tigt – zuge­lassen ist das Ver­fahren aller­dings noch nicht. „Schon Anfang 2019 ha­ben wir eine An­frage für ein Vor­gespräch bei der zuständi­gen Bun­desan­stalt für Arbeits­schutz und Ar­beitsme­dizin (BAuA) ge­stellt“, berichtet Dr. Schmidt-Bleker. Die BAuA teilte je­doch mit, dass sie die Be­wer­tung aufgrund begrenz­ter Kapa­zitäten nicht überneh­men könne.

Aktu­ell wird in enger Zusam­menar­beit mit den zu­ständi­gen Lan­desmini­sterien geprüft, wie das Desinfek­tionssys­tem mög­lichst schnell der Be­völke­rung zur Verfü­gung ge­stellt werden kann. Dazu müss­te das Zu­lassungs­verfah­ren zügig losgetre­ten oder eine Son­derge­nehmi­gung er­teilt wer­den. Bis es so­weit ist, lässt sich die Desinfek­tionsan­lage auch mit her­kömmli­chen Mit­teln betrei­ben. „Das ist längst nicht so effizient und kos­tengüns­tig wie mit unse­rem Wirk­stoff, aber schon mal ein wich­tiger Schritt für die Hygiene an öf­fentli­chen Or­ten“, er­klärt Dr. Jörn Winter. Die Grün­der hoffen, dass die Desinfek­tionsan­lage mög­lichst bald in Serie ge­hen kann und da­mit der Eindäm­mung der aktu­ellen Corona-Pande­mie dient.

Die Ent­wicklung des Spender­systems wurde im Rahmen des Ide­enwett­be­werbs Gesund­heits­wirt­schaft des Lan­des Mecklen­burg-Vorpom­mern ge­fördert. Weitere Unter­stützer sind die Firmen BSG Son­derma­schinen­bau GmbH und For­mitas AG, die Hygiene-Insti­tute Dr. Brill + Partner GmbH und Hy­giene Nord GmbH sowie die Witeno GmbH.

INP / LK

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