Dossier

Streifzug

Die Rubrik „Streifzug“ im Physik Journal soll in loser Folge in Städte im deutschsprachigen Raum führen und dazu einladen, Episoden der Physikgeschichte und ihren Akteuren vor Ort nachzuspüren. Auf diese Weise bietet die neue Rubrik zusätzliche „physikalischen Seiten“ für den Städteführer. Eine Übersichtskarte zeigt die Lage der vorgestellten Orte; eine online verfügbare Zusatzseite enthält weiterführende Links und Hinweise.

Articles

Ann M. Hentschel
06 / 2019 Seite 28
DPG-Mitglieder

Patente Pfade zur modernen Physik

Albert Einstein lebte von 1902 bis 1909 in Bern, der Hauptstadt der Schweiz. Auf der schönen vom Fluss Aare geformten Halbinsel wurde der jungen Vorprüfer am Patentamt nicht nur zum Universitätsdozenten; Einsteins revolutionäre Arbeiten in seinem „annus mirabilis“ 1905 ließen ihn zum „bedeutendsten theoretischen Physiker“ werden.

Die grundlegenden Fragen, die Einsteins Gedanken über fundamentale physikalische Begriffe wie Raum und Zeit formten, entstanden sicher auch im damaligen „Café Bollwerk“. Der junge theoretische Physiker hielt dort mittags einige Privatstunden in der Philosophie oder mathematischen Physik. Feierabends kam er gelegentlich mit seinen Arbeitskollegen zusammen. Vermutlich traf sich auch die „Akademie Olympia“ im Café. Einstein und die anderen Mitglieder lasen und debattier­ten eifrig die Meisterwerke der Physik und Philosophie. Das Lokal bildete für Einstein gewissermaßen die berufliche Schnittstelle zwischen der Technik am Patentamt, das damals in der Speichergasse 6  residierte, und der theoretischen Physik, wo er den Sprung vom Privatunterricht ins akademische Leben wagen sollte. (...)

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Anne Hardy
01 / 2019 Seite 42
Pro-Physik-Mitglieder

Richtungsweisende Sternstunde

Noch heute finden sich in Frankfurt/Main Spuren des berühmten Stern-Gerlach-Versuchs.

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Stefan Oldenburg
10 / 2018 Seite 48
DPG-Mitglieder

Mit weitem Blick

Heidelberg ist ein bedeutendes Zentrum astronomischer Forschung. Einen der Grundsteine dafür legte Maximilian „Max“ Wolf, der am 21. Juni 1863 in der März­gasse 16 geboren wurde, worauf eine Gedenktafel hinweist. In diesem klassizistischen Bau nahm seine wissenschaftliche Karriere ihren Anfang, dank der Unterstützung seiner Eltern. Sein wohlhabender Vater, der Arzt Franz Wolf, interessierte sich wie sein Sohn für Astronomie. Daher kam Max schon als Jugendlicher in den Genuss, das Firmament mit recht passablen Refraktoren vom Flachdach des Hausanbaus aus zu beobachten.

Der Zufall will es, dass in direkter Nachbarschaft die Wiege der modernen Astrophysik liegt: Vier Jahre vor Max Wolfs Geburt hatten in der Hauptstraße 52   der Chemiker Robert Bunsen und der Physiker Gustav Kirchhoff die Spektral­analyse entwickelt. Doch Astronomie konnte man in Heidelberg noch nicht studieren, weshalb Max Wolf zunächst Mathematik und Physik belegte, um dann 1884 für ein Semester in Straßburg Astronomie-Vorlesungen zu hören. Für den 21-Jährigen war es eine besondere Zeit, denn sein Vater ließ ihm am Kopfende des Hausanbaus eine Sternwarte errichten. Über die Konstruktion hatte er sich mit seinem Sohn in einem regen Briefwechsel ausgetauscht. Der 12 Meter hohe Turm samt drehbarer Kuppel steht heute noch und ist mit einem Blick über das Hoftor gut zu sehen.

Diese erste Sternwarte auf Heidelberger Gemarkung war weltweit einzigartig. Das Herzstück, ein kurzbrennweitiger 6-Zoll-Doppelrefraktor mit großem Öffnungsverhältnis, ist heute im Haus der Astronomie auf dem König­stuhl   zu besichtigen. Damit avancierte Max Wolf zum Pionier der Astrofotografie. Er war zwar nicht der erste, der Himmelsobjekte fotografierte, aber er zeigte mit seinen Weitwinkelaufnahmen vom Sternenhimmel völlig Neues: Die Platten bildeten Himmelsregionen von etwa 6° × 8° Ausdehnung ab, sodass sich erstmals größere Strukturen von sternenreichen Milchstraßenregionen oder Dunkel­nebeln sichtbar machen ließen. Eine wichtige Entdeckung war 1891 die des Nord­amerikanebels im Sternbild Schwan. Dieser ausgedehnte, diffu­se Wasserstoffnebel ist visuell nur sehr schwer zu beobachten und wird erst auf langbelichteten Foto­grafien sichtbar...

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Matthias Hahn
07 / 2018 Seite 52
DPG-Mitglieder

Fächerstadt mit Hertz 

Ende 1884 war der 27-jährige Heinrich Hertz mit seiner beruflichen Lage unzufrieden. Zwar war er in Kiel nach seiner Habilitation als Extraordinarius im Gespräch, aber die Verhandlungen zogen sich hin. Zudem war die Stelle für theo­retische Physik ausgeschrieben, doch Hertz wollte lieber experimentieren. Da erreichte ihn am 20. Dezember 1884 ein Ruf aus Karlsruhe, der badischen Hauptstadt. Die dortige polytechnische Schule suchte einen Nachfolger für Ferdinand Braun, der an die Universität Tübingen wechselte.

Karlsruhe hatte damals rund 65 000 Einwohner und wuchs rasant. Das Polytechnikum – ab Herbst 1885 Technische Hochschule – galt als renommiert, war aber geringer angesehen als eine Universität, was sich auch in den Gehältern niederschlug. Von den 350 Studen­ten war nur eine Handvoll in naturwissenschaftlichen Fächern eingeschrieben. Hertz wollte sich daher selbst ein Bild vor Ort machen und fuhr am 28. Dezember 1884 mit dem Zug nach Karlsruhe. Am Ankunftstag notierte er in sein Tagebuch: „Bis dahin große Abneigung gegen Karlsruhe.“ Das änderte sich schon am folgenden Tag: „Wunsch nach Karlsruhe sehr groß.“ Den Ausschlag hatte die vergleichsweise üppige Laborausstattung gegeben – ein Vermächtnis Brauns. Hier konnte er experimentieren!
Am 29. März 1885 schritt Hertz als Physikprofessor durch das Eingangsportal des Polytechnikums in der Kaiserstraße 12 . Das heutige Hauptgebäude des Karlsruher Instituts für Technologie KIT ist so erhalten, wie Hertz es angetroffen haben mag. Hinter dem Eingangstor öffnet sich ein großer Ehrenhof, der zum Verweilen wie Besichtigen einlädt. Gleich rechts nach der Torpassage findet sich das am 30. Oktober 1925 angebrachte Denkmal zur Erinnerung an Heinrich Hertz. Die Einweihung fand am Rande der 100-Jahrfeier der ältesten deutschen Technischen Hochschule statt. Neben der Witwe Elisabeth waren die beiden Töchter Johanna und Mathilde anwesend. Mathilde hatte die dort angebrachte Büste ihres Vaters geschaffen. Sie hatte nach dem Abitur zunächst eine künstlerische Ausbildung in Karlsruhe und Weimar absolviert. Später promovierte sie in Biologie und habilitierte sich an der Universität Berlin. 1933 wurde ihr die Lehrbefugnis entzogen, da sie als „nichtarisch“ galt. Ihr Urgroßvater war Jude, der 1834 mit all seinen Kindern zum Protes­tantismus konvertierte. Mathilde emigrierte – trotz Fürsprache Max Plancks – 1936 nach England und holte Mutter und Schwester nach...

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Alexander Pawlak
04 / 2018 Seite 40
Pro-Physik-Mitglieder

Höhenflüge und driftende Kontinente

Marburg ist mit seiner verwinkelten mittelalterlichen Altstadt und der prägenden, fast 500 Jahre alten Universität allemal eine Reise wert. Wer Steigungen und Kopfsteinpflaster nicht scheut, kann dort dem Wissenschaftler nach­spüren, der als Entdecker der Kontinentaldrift in die Wissenschaftsgeschichte einging: Alfred Wegener. Wichtige Etappen der Theorie ergeben die Stationen für einen Stadtrundgang. Die Wasserscheide ist der Startpunkt , an dem der wissenschafts­historisch interessierte Tourist links am Denkmal für den letzten Marburger Dienstmann vorbei nach oben steigen muss. Bald erreicht man den Fachbereich Physik der Philipps-Universität Marburg (mit schönem Blick auf das Schloss). Wegener hatte sich dort im Mai 1909 für „praktische Astronomie, Meteo­rologie und kosmische Physik“ habilitiert. Am Haupteingang des Alten Physikalischen Instituts   (Renthof 6) findet sich eine Gedenktafel für Alfred Wegener, gleich links hinter der Eingangstür eine ausführliche Tafel mit den Daten seines abenteuerreichen Lebens. So nahm er bereits mit 26 Jahren als Meteorologe an einer zweijährigen Grönlandexpedition teil.

Wegener sollte die astronomische Tradition der Marburger Physik wieder aufleben lassen und wurde 1910 Leiter der Sternwarte. Diese sieht man am besten vom Parkplatz des Fachbereichs aus. Auf der Sternwarte veranstaltete Wegener praktische Übungen zu seiner Vorlesung: Dort „trafen die drei oder vier Teilnehmer einen mittelgroßen, kräftig-frischen Mann als Dozenten, der rasch ihre Herzen gewann durch die bestimmte, aber doch bescheiden zurückhaltende Art, wie er mit ihnen sogleich in medias res eintrat“, erinnert sich einer von Wegeners Studenten.

Im Gebäude Renthof 6 residierte auch der Kurhessische Verein für Luftschifffahrt, den Wegener 1910 mitbegründet hatte. Zusammen mit seinem Bruder Kurt hatte er bereits 1906 eine 52-stündige Weltrekordfahrt mit dem Ballon absolviert...

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