Rezension

Zoff wegen der Gravitation

Tomasz Lem: Zoff wegen der Gravitation Oder: Mein Vater Stanisław Lem, Harrassowitz, Wiesbaden 2021, brosch., 148 S., 22 Euro, ISBN 9783447116220

Während das Werk von Stanisław Lem vor allem ab Anfang der 1970er-Jahre in Deutschland eine weite Verbreitung fand, blieb der Autor selbst eher ein Unbekannter. Das führte manchmal zu einer gewissen Verklärung als Universalgenie „dialektischer Weise aus Krakau“, wie ihn seit langjähriger Weggefährte Franz Rottensteiner bezeichnete. Der amerikanische Science-Fiction-Autor Philip K. Dick vermutete während paranoider Phasen, in denen er das FBI vor dem „Erzkommunisten“ Lem warnte, gar, dass es sich diesem gar nicht um einen einzelnen Menschen, sondern eher um ein Kollektiv handeln müsse. Lem gab durchaus Auskunft, wenn es um sein Werk und Denken ging, blieb aber eher wortkarg, wenn es um eher private Aspekte seiner Biographie ging.

Da ist es erfreulich, dass die Erinnerungen von Tomasz Lem an seinen berühmten Vater, erstmals 2009 in Polen veröffentlicht, nun auch auf Deutsch erhältlich sind. Das 150-seitige Buch erscheint als Band 12 der „Polnischen Profile“ des Deutschen Polen-Instituts, übersetzt von dessen Direktor, den Historiker Peter Oliver Loew.

Tomasz Lem, das einzige Kind von Stanisław und Barbara Lem, kam 1968 zu Welt, und arbeitet mittlerweile als Übersetzer aus dem Englischen. Seine Eltern hatten sich erst spät für Nachwuchs entscheiden können, lange Zeit hielten sie die schwierige politische Lage und die Versorgungsengpässe davon ab.

Tomasz Lems Erinnerungen liefern keine umfassende Biografie seines Vaters, sondern holen diesen gewissermaßen von den intellektuellen Höhenflügen ins All auf die Erde zurück und zeigen ihn als Vater, Ehemann, Freund, kritischen Zeitgenossen und auch politischen Menschen, der sich aber zum Leidwesen seiner Freunde und engeren Bekannten nie so recht exponieren wollte.

Dabei erfährt man durchaus auch etwas über die Arbeitsweise und das Werk von Lem, aber es überwiegt die persönliche Perspektive des Sohnes, der liebevoll, wenn auch nicht unkritisch auf die Eigenheiten und Schrullen seines Vaters blickt. Der erweist sich in den Schilderungen seines Sohnes mal als waghalsiger Autofahrer, dann als schroffer Gastgeber aber auch Süßmaul und Spielgenosse.

Tomasz Lem äußert sich auch über die Zeitumstände oder gesundheitlichen Probleme seines Vaters und deren Auswirkungen auf die schriftstellerische Produktion. Das bleibt anekdotisch, ist aber eine gute ergänzende Lektüre zur Lem-Biographie von Alfred Gall.

37 Fotos aus dem privaten Fotobestand der Familie Lem machen diesen unterhaltsamen Band zur Pflichtlektüre für alle Lem-Fans – erst recht, wenn sie wissen möchten, was es eigentlich mit dem titelgebenden „Zoff wegen der Gravitation“ auf sich hat.

Alexander Pawlak
 

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