Rezension

XX

Rian Hughes: XX, Pan Mac­millan, Hampshire, England, 2021, ­brosch., 1008 S., 14,99 £, ISBN 9781529020588

Mit „XX“ legt der britische Graphikdesigner Rian Hughes, Jahrgang 1963, seinen ersten Roman vor – und was für einen! Tausend Seiten, die nicht nur Text enthalten, sondern eine Fülle erstaunlicher graphischer Elemente und Layouts. So findet sich die Science-Fiction-Novelle „Ascen­sion“ des erfundenen Autors Herschel Teague im Gewand eines klassischen SF-Magazins der 1950er-Jahre in acht Teilen über das Buch verstreut. Auf diese Gestaltung geht die zunächst etwas seltsame Charakterisierung als „Novel, Graphic“ im Gegensatz zur geläufigen „Graphic Novel“ zurück.

Ausgangspunkt der Geschichte ist ein außerirdisches Signal, das die Radio-Antenne in Jodrell Bank empfängt und das aus einer gigantischen Abfolge von Nullen und Einsen besteht. Jack Fenwick, Mitbegründer des KI-Startups Intelligencia, bekommt Zugang zum Signal und macht sich mit seinen Partner:innen Harriet Haze and Nixon Rappaport daran, es zu entschlüsseln. Währenddessen stößt die amerikanische Astronautin Dana Normansson auf ein Objekt unbekannter Herkunft, das auf dem Mond abgestürzt ist, und steigt in die Einschlagsstelle hinab.

Dem Intelligencia-Trio gelingt es, mithilfe des Signals digitale Wesen („Digital Memetic Entities“) zu erzeugen, unter anderem Inkarnationen des 19., 20. (XX!) und 21. Jahrhunderts. Damit verstricken sie sich in eine intellektuelle Odyssee über das Wesen von Ideen und ihren Manifestationen.

Rian Hughes lässt sich viel Zeit mit der Entfaltung der Handlung, die mit wenig Action auskommt, aber auf originelle Weise ideengetrieben ist. Dabei verliert er sich manchmal etwas in seinen graphischen Spielereien, aber das ist eine verständliche „déformation professionnelle“: Seit über drei Jahrzehnten entwickelt er Schriften, Graphiken, Layouts und zeichnet auch Comics. Dazu gehört eine kontroverse Neuinterpreta­tion von „Dan Dare“, einer Ikone des britischen Science-Fiction-Comics, die erstmals 1950 erschien und zeichnerisch Maßstäbe setzte. In Hughes’ „XX“ überwuchert die Gestaltung den gut lesbaren Text nicht, so wie es zum Beispiel beim außergewöhnlichen Meta-Buch „S.“ (Canongate, Edinburgh 2013) von J. J. Abrams und Doug Dorst der Fall ist.

„XX“ ist ein Buch für alle Lesenden und SF-Fans, die Freude an anspielungsreicher, im wahrsten Sinne des Wortes ideenreicher Literatur haben und gerne ausufernde englische Romane lesen, die Genre-Grenzen überschreiten, wie beispielsweise die Bücher von Tad Williams oder Thomas Pynchon. Es dürfte nicht trivial sein, das so originell gestaltete Buch ins Deutsche zu bringen.

Rian Hughes hat übrigens eine ganz wundervolle Galerie an Covern für Buchausgaben von „Ascension“ entworfen. Diese ist aber nur in der Hardcover-Ausgabe zu bewundern.

Alexander Pawlak

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