Rezension

Sterne der Zertrümmerung

R. Rosner und B. Strohmaier (Hrsg.): Marietta Blau - Sterne der Zertrümmerung
Böhlau Verlag, Wien 2003. 224 S., 27 Abb., Geb., .
ISBN 3-205-77088-9

Marietta Blau (1894 - 1970) war eine der Wegbereiterinnen der fotografischen Methode in der Kernphysik. Doch während ihr wissenschaftliches Werk noch heute von Bedeutung ist (erst vor drei Jahren gelang einer amerikanischen Forschergruppe der experimentelle Nachweis des Tau-Neutrinos mittels Foto­emulsionen), ist die scheue Wiener Physikerin heute kaum bekannt. Robert Rösner und Brigitte Strohmaier schließen daher mit dieser ersten umfassenden Biografie eine Forschungslücke. Der Titel 'Sterne der Zertrümmerung' ist dabei in einem doppelten Sinn zu verstehen: Einerseits verweist er auf Blaus wichtigste Entdeckung, nämlich die Kernspaltung durch kosmische Höhenstrahlung. In den 1937 auf dem Halefekar bei Innsbruck exponierten fotografischen Platten hinterließ der Prozess strahlenförmig auseinander laufende Teilchenspuren. Andererseits spielt der Titel auf das Schicksal an, das Blau mit vielen anderen Wissenschaftlern jüdischen Glaubens teilte. Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten und den ­'Anschluss' Österreichs wurde sie 1938 ins mexikanische Exil getrieben. Während dessen entwickelte Cecill Powell in England ihre Methode weiter und entdeckte 1947 das Pion. Dafür erhielt er 1950 den Nobelpreis.

Das Buch zerfällt in einen biografischen Abriss und einen Teil, der die wissenschaftlichen Arbeiten Blaus am Wiener Radium-Institut (1925¿1938) und nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA beschreibt. Auf Für­sprache Albert Einsteins konnte sie 1944 in die Vereinigten Staaten einwandern. Nachdem sie zunächst in der Industrie tätig war, kehrte Blau 1948 zu ihrem ursprünglichen Forschungsgebiet zurück. An der Columbia University baute sie ein Emulsionslabor für das gerade entstehende Nevis-Zyklotron auf, 1950 wurde sie an das Brookhaven National Laboratory berufen. Während der biografische Teil sich an ein größeres Publikum wendet, ist der wissenschaftliche Teil eher fachspezifisch gehalten. Er enthält neben einer ausführlichen Würdigung der Arbeiten Blaus ein Werkverzeichnis und die Faksimiles einiger Originalarbeiten.

Ergänzt wird der Band durch Erinnerungen ehemaliger Schülerinnen, Mitarbeiter und Kollegen Blaus. Sie zeichnen das Bild einer zurückhaltenden, bescheidenen Frau, die jedoch in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen eine erstaunliche Souveränität bewies und bereit war, in physikalischen Projekten die Führung zu übernehmen. Die Beschreibungen verdichten sich zu dem Ein­druck, den Arnold Perlmutter, einer ihrer engsten Vertrauten, von ihr vermittelt: 'Ich glaube, dass sie wegen ihrer zarten Gestalt und als Frau nicht den Respekt erhalten hat, den sie verdiente.' (S. 99) Es ist zu wünschen, dass diese sehr sorgfältig recherchierte Biografie dazu beiträgt, Blau als eine der großen Damen der österreichischen Physik in Erinnerung zu rufen.
Dipl.-Phys. Anne Hardy-Vennen, Institut für Geschichte, TU Darmstadt

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