Rezension

Kosmische Reise

Vasilij Žuravlëv (Regie): Kosmičeskij rejs / Kosmische Reise, Edition Filmmuseum, München 2019, DVD, 19,95 €, Weitere Infos: bit.ly/35frh7Q

Vor der ersten richtigen Mondlandung sind Menschen bereits in der Fantasie zu unserem Trabanten geflogen, erst in der Literatur und dann im Film. Während Georges Méliès dies im Jahr 1902 in „Le Voyage dans la Lune“ (DVD & BluRay: Arthaus 2012) nach Motiven von Verne und Wells noch sehr im Stile einer Varieté-Revue inszenierte, konnte Fritz Lang für seinen letzten Stummfilm „Die Frau im Mond“ (Eureka 2014) bereits auf die Beratung des Raketenpioniers Hermann Oberth zurückgreifen. Das Ergebnis waren erstaunlich überzeugende Start- und Flugsequenzen, inklusive der Erfindung des Countdowns. In den USA widmete sich Anfang 1950 der Film „Destination Moon“ (Edel Germany 2013) der realistischen Darstellung einer Mondlandung, gefolgt von der Disney-Fernsehproduktion „Man and the Moon“ (1955), in der Wernher von Braun einer großen amerikanischen Öffentlichkeit seine Raumfahrtpläne präsentieren konnte.

Kaum bekannt ist dagegen der sow­jetische Film „Kosmische Reise“ aus dem Jahr 1936. Das Filmmuseum München macht diese Rarität in seiner DVD-Edition verfügbar. Bislang gab es nur eine rudimentär ausgestattete DVD, und zwar nur für die USA und Kanada. Der Film spielt im Jahr 1946 vor dem Hintergrund eines fiktiven Moskau, wie Stalin es vorgesehen hatte, aber später nicht umsetzen konnte. Der alternde Astrophysiker Pawel Sedych plant, mit dem Raumschiff „Josef Stalin“ zum Mond zu fliegen. Doch sein Kollege Professor Karin will dies verhindern, da er nicht daran glaubt, dass Menschen diese Belastungen aushalten können, und da es vom Testflug mit einer Katze noch kein Lebenszeichen gibt. Doch Sedych schlägt alle Warnungen aus und startet mit seiner Mitarbeiterin Marina und dem 10-jährigen Pionier Andryusha zum Mond.

Anders als Fritz Lang berücksich­tigt Regisseur Vasilij Žuravlëv in seinem Film die Tatsache, dass der Mond keine Atmosphäre hat, und ließ sich intensiv vom russischen Raumfahrtvisionär Konstantin Tsiolkovsky (1857 – 1935) beraten, der wenige Monate vor der Premiere starb. Die „Kosmische Reise“ ist daher durchaus wissenschaftlich fundiert inszeniert. Die Handlung ist kurzweilig und kommt ohne allzu viel Propagandapathos aus. Die Trick­sequenzen sind für die damalige Zeit beeindruckend gelungen und stehen denen des zeitgleich entstandenen britischen Science-Fiction-Films „Things to Come“ in nichts nach.

Eine makellos restaurierte Version des Filmes darf man nicht erwarten und muss Artefakte und Helligkeitsschwankungen in Kauf nehmen. Zudem handelt es sich um den letzten sowjetischen Stummfilm. Dafür punktet diese Edition mit deutschen Untertiteln, zwei neuen Soundtracks, einem 20-seitigen Booklet mit Hintergründen zur Entstehung des Films und zur Geschichte des sowjetischen Trickfilms, der durch den Kurzfilm „Interplanetarische Revolution“ (1924) im Bonus-Material vertreten ist.

Wer sich mehr für die realen Mondmissionen interessiert, dem empfehle ich die Neuedition des 1989 entstandenen Films „For All Mankind“ (Eureka 2011), in dem Regisseur Al Reinert nur Aufnahmen verwendet hat, welche die Apollo-Astronauten mit ihren Kameras gemacht haben.

Alexander Pawlak

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