Rezension

Hermann von Helmholtz, Philosophische und populär­wissenschaftliche Schriften

M. Heidelberger, H. Pulte und G. Schiemann (Hrsg.): Hermann von Helmholtz, Meiner, Hamburg 2017, 3 Bände, geb., 1391 S., 99 €, ISBN 9783787328963

Hermann von Helmholtz (1821 – 1894) war einer der herausragenden Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Der Physiker und Physiologe arbeitete auch auf anderen Gebieten wie Psychologie, Mathematik, Chemie, Klimatologie und Philosophie. Seine wissenschaftlichen Schriften erschienen in sieben umfangreichen Bänden.

Darüber hinaus stießen seine philosophischen und populär­wissenschaftlichen Aufsätze auf breites Interesse, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Wissenschaft. Sie erschienen erstmals 1865 in einem schmalen Bändchen, aus dem durch stetige Ergänzungen zwei stattliche Bände wurden. Diese und weitere Aufsätze sind in drei schön gestalteten und hervor­ragend gefertigten Bänden versammelt.

In den ersten beiden Bänden reproduzieren die Herausgeber alle einundfünfzig zu Lebzeiten ver­öffentlichten philosophischen und populärwissenschaftlichen Schriften. Diese befassen sich mit einem sehr breiten Spektrum an Themen, wie diese Beispiele zeigen: Erhaltung der Energie (oder „Kraft“, um mit Helmholtz zu sprechen), menschliche Sinneswahrnehmung, Grundlagen der Geometrie und Arithmetik, Induktion und Deduktion, Elektrodynamik, Popularisierung der Wissenschaft, Ursprung des Planetensystems, Optik und Malerei oder die Geschichte des Prinzips der geringsten Wirkung. Dazu kommen Texte, die andere Wissenschaftler würdigen, beispielsweise Faraday, Fraunhofer, Clausius oder Hertz, sowie autobiographische Erinnerungen von Helmholtz selbst.

In Band drei versammeln die Herausgeber fünfzehn Texte aus dem Nachlass. Die meisten davon sind bereits in Leo Koenigsbergers Helmholtz-Biographie (1902/3) erschienen, einige stammen aus seinen wissenschaftlichen Abhandlungen oder aus verstreuten Veröffentlichungen in Büchern und Zeitschriften. Die Herausgeber haben es klugerweise vermieden, die Schriften zu kommentieren oder zu analysieren. Ihr Ziel besteht allein darin, die Texte dem modernen Leser in gesammelter Form zu präsentieren. Darüber hinaus liefern sie eine bio­graphische Skizze von Helmholtz‘ Leben und Werk, eine Bibliographie aller seiner Schriften sowie ein Namens- und Sachregister.

In diesem Juwel einer Sammlung habe ich nur ganz wenige Fehler entdecken können: Es handelt sich um die British (nicht English) Association for the Advancement of Science (Bd. 1, S. XXII). Richard, der älteste Sohn von Helmholtz, litt im Gegensatz zu seinen zwei jüngeren Brüdern nicht an einer „schwachen Konstitution“ (Bd. 1, S. XXVII), sondern führte ein langes und produktives Leben. Und die (ansonsten beeindruckende) Bib­liographie enthält keine Liste der englischsprachigen Übersetzungen der sechs weg­weisenden Arbeiten von Helmholtz zur Hydrodynamik und Atmosphärenphysik, die erschienen sind in: C. Abbe, The Mechanic‘s of the Earth’s Atmosphere. A Collection of Translations (Smithsonian Institution, Washington, D.C. 1891).

Diese wunderbar editierten Bände sollten zur Standardquelle für zukünftige Verweise auf Helmholtz‘ philosophische und populärwissenschaftliche Schriften werden. Egal ob man nur hier oder dort hineinliest oder die Bände in ihrer Gesamtheit studieren möchte, sie verdienen die Beachtung aller, die sich für Helmholtz selbst, für Wissenschaft, Philosophie und deutsche Kultur im 19. Jahrhundert sowie die Fragen von Wissenschaft und Gesellschaft interessieren.

Prof. Dr. David Cahan
University of Nebraska-Lincoln, Department of History

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