Rezension

Filmkritik: Marie Curie – Elemente des Lebens

Marie Curie – Elemente des Lebens (2019), Regie: Marja­ne Satrapi, Großbritannien/Ungarn, 109 Minuten, Verleih: Studiocanal, Kinostart: 16. Juli

„Elemente des Lebens“, diesen nicht besonders glücklich gewählten Untertitel trägt die deutsche Fassung des neuen Films „Radioactive“ der iranisch-französischen Comiczeichnerin und Filmemacherin Marjane Satrapi. Die Biographie Marie Curies wird damit binnen weniger Jahre zum zweiten Mal Gegenstand eines Kinofilms. Aber dieser Film ist mehr – und in mancher Hinsicht auch weniger – als ein klassisches Biopic, auch wenn er typische Merkmale dieses Genres aufweist, wie etwa eingeblendete Orts- und Zeitangaben. Zwischen die Stationen aus Marie Curies Leben sind – nicht chronologisch, sondern in vage assoziativer Folge – fiktive Szenen der militärischen und friedlichen Kern­energienutzung eingefügt: von Hiroshima über strahlentherapeutische Anwendungen in den 1950er-Jahren bis zu Tschernobyl. Auch im primären Erzählfaden von Marie Curies Geschichte gibt es immer wieder Rückgriffe, sodass die Erzählstruktur stark zerfasert ist.

Marie Curies Biographie wird als Folge von Erinnerungen der todkranken Protagonistin erzählt und spannt den Bogen von der Studentin bis zu ihrem Einsatz im Ersten Weltkrieg. Die Nachkriegszeit mit Curies triumphalen Amerika­reisen bleibt ausgespart; nur die wissen­schaftliche Tätigkeit der Tochter Irène und deren späteren Ehemanns wird durch eine viel zu früh, noch vor dem Ersten Weltkrieg situierte Szene dargestellt. Auf Irène und auf die Beziehung zu ihrer Mutter, die bei der Arbeit mit den Röntgenambulanzen zu gleichberechtigter Partnerschaft heranreift, richtet der Film viel Aufmerksamkeit, was zu seinen größten Stärken gehört.

Die Langevin-Affäre findet breiten Raum, dafür ist der Stoff erzählerisch zu verlockend und für das Verständnis von Marie Curies Leben zu wichtig. Aber erfreulicherweise dominiert das den Film nicht so stark wie in manch anderen Curie-Filmen. Denn der dem Drehbuch zugrundeliegende graphische Roman von Lauren Redniss setzt sich eben nicht nur mit Marie Curies Leben auseinander, sondern auch mit der Frage, welche Folgen für die Menschheit die Entdeckung der Radioaktivität hatte. Der Film setzt dies unter anderem durch Pierre Curies prophetische Worte um, es sei unklar, ob die Entdeckung der Radioaktivität der Menschheit eher zum Segen oder zum Fluch gereichen werde. Die überwiegend dystopischen Szenen aus Hiroshima und anderen Orten verleihen dem Film – auf Kosten seiner narrativen Kohärenz – große Eindringlichkeit.

Physikhistorisch betrachtet, ignoriert der Film die zögerliche Akzeptanz der Curies gegenüber der Zerfallstheorie ebenso wie zahllose andere Umstände, etwa, dass der Atomkern erst Jahre später und nicht von den Curies postuliert wurde. Das ist bedauerlich, aber angesichts des Genres nachvollziehbar. Verstörender ist, dass das Drehbuch eine jahrzehntelange Erzfeindschaft Curies zu Gabriel Lippmann frei erfindet und die Protagonistin mit einem nicht nur selbstbewussten, sondern geradezu konfrontativen Charakter ausstattet, der jegliches Gespür für Denkmuster und Verhaltensweisen um 1900 vermissen lässt. Dem Verständnis Marie Curies steht diese völlig überzogene Interpretation eher im Weg, als dass sie eine Deutung erschließt.

Nicht zuletzt ist es spannend, dass die Entfesselung der Kernkräfte im populären Diskurs immer wieder an den (wenigen) Frauen in der Radioaktivitätsforschung festgemacht wird – schon Lise Meitner wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Zeitungen in den USA als „Mutter der Atombombe“ gefeiert. Der Film erzielt diese Kopplung nicht nur durch die erwähnten Einschübe, sondern auch durch die historisch sicher unzutreffende häufige Darstellung der Forscherin mit einer Phiole in der Hand oder auf dem Nachttisch, die das geheimnisvoll leuchtende neue Element enthält. Auch das Filmplakat zeigt sie so.

Marjane Satrapis Film bietet neben romantischen Szenen und pfiffigen Dialogen viele Anregungen zum Nachdenken. Wer sich allerdings Marie Curie als historischer Person in ihrem Leben und Werk nähern will, ist mit gängigen Biographien, allen voran mit der von Susan Quinn, deutlich besser bedient.

Priv.-Doz. Dr. Beate Ceranski,
Historisches Institut, Universität Stuttgart

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