Rezension

Das Ende der Nacht.

Th. Posch et al. (Hrsg.): Das Ende der Nacht. Lichtsmog: Gefahren - Perspektiven - Lösungen, Wiley-VCH, Weinheim, 2013, 2. überarb. und erw. Aufl. 232 S., geb., 29 €, ISBN 9783527411795

„Das Ende der Nacht“ war 2009 die erste deutsche Publikation, die sich der „Lichtverschmutzung“ umfassend widmete. Künstliches und den Nachthimmel aufhellendes Licht ist eine noch immer zu wenig beachtete Form der Umweltverschmutzung. Nicht nur, dass zwei Drittel der Erdbevölkerung nachts statt einer leuchtend hellen Milchstraße nur noch wenige Sterne sehen. Zu viel bzw. falsch eingesetzt, ist die nächtliche Lichtflut für massenhaftes Sterben von Tieren verantwortlich.

Die zweite Auflage dieses Buchs ist um mehr als 50 Prozent erweitert. Ganz neu sind die drei Kapitel: „Nacht und Kampf gegen die Nacht aus kulturhistorischer Perspektive“, „Der Einfluss von nächtlichem Licht auf Gewässerökosysteme“ und „Der Verlust der Nacht in der 24-Stunden-Gesellschaft“. Daneben sind die Artikel der ersten Auflage überarbeitet und erweitert: Hier beleuchten Astronomen, Biologen, Ornithologen, Insektenkundler, Meeresbiologen, Schlafforscher, Kulturhistoriker und Stadtökonomen die ökologischen, biologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen künstlichen Lichts.

Die ersten drei Kapitel behandeln die technischen Grundlagen und die Geschichte der „Lichtverschmutzung“. Darauf folgt ein Beitrag über die Auswirkungen künstlichen Lichts auf nachtaktive Insekten. Allein in Deutschland fallen pro Jahr rund 150 Milliarden nachtaktive Insekten dem künstlichen Licht zum Opfer.

Neben Insekten haben auch Vögel keine Lobby, die Gegenstand eines weiteren im Vergleich zur Erstauflage kräftig überarbeiteten Kapitels sind. Weshalb Vögel durch Licht die Orientierung verlieren und Leuchttürme oder hell beleuchtete Hochhäuser zu regelrechten Vogelfallen werden, sind nur einige Aspekte, die hier fundiert erklärt werden. Das Kapitel über den Einfluss des Mondlichts zeigt eindrucksvoll, wie bedeutsam und subtil die Wirkungen von Licht auf Lebewesen sind.
Auch die Spezies Mensch gefährdet sich selbst, wenn sie die Nachtseite der Erde zu einer Lichtorgel macht: Noch jung sind Erkenntnisse der biologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen künstlichen Lichts auf den Menschen, welche die abschließenden zwei Kapitel eindrucksvoll behandeln.

Die Problematik der zunehmenden Lichtverschmutzung und ihrer gravierenden ökologischen Konsequenzen lässt sich nur interdisziplinär betrachten – und auf allen Ebenen angehen. „Das Ende der Nacht“ vermittelt viel Hintergrundwissen und viele Argumente zur Beurteilung und Vermeidung von Lichtverschmutzung. Ein geeignetes Geschenk für alle, denen die Nacht am Herzen liegt.

Stefan Oldenburg, Heidelberg

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