Rezension

Architekturführer Mond

Paul Meuser: Architekturführer Mond, DOM Publishers, Berlin 2019, brosch., 368 S., 830 Abb. 38 Euro, ISBN 9783869226699

Der Bauboom auf dem Mond ist noch nicht ausgebrochen, und die Verkehrsanbindung (noch) nicht vorhanden. Was soll da ein „Architekturführer Mond“? Kurz gesagt: Er bietet einen Überblick, was der Mensch auf der Mondoberfläche zurückgelassen hat. Das ist nicht wenig, denn wir können mittlerweile auf eine über sechzigjährige Erforschung des Mondes mit Raumfahrzeugen zurückschauen sowie eine kurze, aber intensive Phase der bemannten Erkundung im Rahmen des Apollo-Programms in den Jahren 1968 bis 1972.
Das Buch von Paul Meuser besticht zunächst durch seine üppige und originelle Bebilderung. Unter den über 800 Abbildungen finden sich viele ungewöhnliche Fotos, zeitgenössische künstlerische Darstellungen, Grafiken und Entwurfszeichnungen. Meuser stellt die vielen Mondmissio­nen in chronologischer Reihenfolge vor, von der sowjetischen Einschlagsonde Luna 2 (1959) bis zu Israels gescheitertem Versuch, mit Beresheet-1 eine Sonde weich auf dem Mond zu landen. Damit gleicht der „Architekturführer“ eher einem Buch wie „Mondwärts“ von Eugen Reichl.+) Meuser liefert deutlich weniger raumfahrtgeschichtliche und -technische Einsichten, lässt aber dafür immer wieder Vokabular aus Architektur oder Design einfließen. So stellt er etwa die US-Sonde Surveyor-1 in die „Tradition der amerikanischen Turmbauten“ und beschreibt ausführlich ihre äußeren Konstruktionselemente.
Bei den Apollo-Missionen setzt er originelle Akzente, indem er beispielsweise bei Apollo 12 das winzige Kunstwerk an der Landefähre vorstellt oder auf die besondere Qualität der fotografischen Porträts der Astronauten Pete Conrad und Alan Bean hinweist. Unerwähnt bleibt dabei, dass beide sogar ein Selfie mit der Surveyor-3-Sonde geplant hatten. Das scheiterte aber, weil sie den mitgebrachten Selbstauslöser nicht finden konnten.
Die Gastbeiträge anderer Autoren bieten spannende Einblicke in das Design für die sowjetische Raumfahrt und stellen ausführlich die Mondprogramme von China und Indien vor. Irritiert hat mich, dass der Durchmesser des Kraters Von Kármán mit 2600 km (S. 298) statt 187 km angegeben wird. Sogar von einem Mondkrater mit 8000 km Durchmesser ist die Rede. Im Buch finden sich zudem relativ viele Tippfehler, die aber das Lesevergnügen nicht sehr trüben.
Am Anfang des Buches gibt der Text des Wiener Architekten Hans Hollein das Credo „Alles ist Architektur!“ aus. Da wundert es mich, dass ausgerechnet die Gebäude, die auf der Erde für die Mondprogramme gebaut wurden, nicht vorkommen. Allein das „Vehicle Assembly Building“ oder das „Launch Control Center“ der NASA in Florida wären eigene Abschnitte wert gewesen. Ebenso hätte ich Hinweise auf ständige Raumfahrt-Ausstellungen, in denen sich viele der beschriebenen Raumfahrzeuge zumindest als Proto­typen oder originalgetreue Nachbauten besichtigen lassen, sinnvoll gefunden. Das hätte dem Buch noch etwas deutlicher den Charakter eines Architekturführers verliehen. Dennoch ist der Band ein höchst origineller und unterhaltsamer Beitrag zum Jubiläumsjahr der ersten bemannten Mondlandung.


Alexander Pawlak

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