Industrie & Technik

Zo.rro reitet für CO2-freie Energieversorgung

23.05.2019 - Übergabe des Förderbescheides des Thüringer Umweltministeriums bei der Auftaktveranstaltung

In dem großen Verbund­projekt Zo.rro, das am 15. Mai gestartet ist, erforscht die TU Ilmenau als Konsortial­führer mit sechs Partnern am Beispiel von Thüringen, wie die Energie­versorgung CO2-frei gestaltet werden kann. Die Wissen­schaftler werden die Wert­schöpfungs­kette in der Industrie so optimieren, dass die Energie­versorgung, die für die Produkt­herstellung nötig ist, nahezu frei von Kohlen­dioxid erfolgt. Dabei soll der Produktions­prozess selbst mithelfen, eine CO2-freie Energie­versorgung zu erreichen. Vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen im mittel­ständisch geprägten Thüringen werden im Wett­bewerb davon profitieren, wenn sie sich durch eine CO2-freie Produktion ihrer Waren und Dienst­leistungen gegenüber Konkur­renten abheben. Im Zeitalter der Energiewende könnten die Forschungs­arbeiten der TU als Modell für Deutschland dienen.

 

Um im Forschungs­projekt Zero Carbon Cross Energy System – Zo.rro – das ambitionierte Ziel CO2-freie Energie­versorgung zu erreichen, betrachten die Wissen­schaftler die Strom-, Wärme- und Gasnetze und den Mobilitäts­sektor gemeinsam – Fachleute sprechen von Sektoren­kopplung. Bisherige Vorhaben, den Ausstoß von Kohlen­dioxid im Stromsektor zu reduzieren, konzentrierten sich vorrangig auf die Bereit­stellung von Energie, die Wechsel­wirkungen mit den System­dienst­leistungen blieben weitgehend unberück­sichtigt. Unter System­dienst­leistungen, die zwingend notwendig sind, um eine sichere und zuverlässige Strom­versorgung zu gewähr­leisten, verstehen Experten jene für die Funktions­tüchtigkeit notwendigen Dienste in der Elektrizitäts­versorgung, die Netz­betreiber neben der Übertragung und Verteilung elektrischer Energie zusätzlich erbringen. Die Industrie stößt dabei in ihrem laufenden Produktions­betrieb sozusagen indirekt Kohlendioxid aus. Wissen­schaftliche Analysen gehen davon aus, dass bis zu zwanzig Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes allein auf die System­dienst­leistungen entfallen – enorme Potenziale, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, die der Forschungs­verbund ausschöpfen möchte.

Thüringen hat sich mit seiner Energiepolitik zur Energiewende bekannt. Mit seiner „Zielstellung 2040“ strebt das Bundesland die bilan­zielle Versorgung aus erneuerbaren Energien an. Dazu will das Zo.rro-Projekt, dessen Forschungs­arbeiten auf die mittel­ständische Industrie Thüringens ausgerichtet sind, einen wichtigen Beitrag leisten. Die Techno­logien und Erkenntnisse, die aus dem Projekt gewonnen werden, könnten künftig als Modell für ganz Deutschland dienen. Minister­präsident Bodo Ramelow könnte sich vorstellen, dass Thüringen zum techno­logischen Vorreiter für die Energie­wende wird: „Das Projekt stellt sich mit seiner Ausrichtung und Zielsetzung den zentralen Heraus­forderungen der Energie­wende. Es verbindet auf innovative Weise CO2-Freiheit, Flexibilität, Versorgungs­sicherheit, Preis­stabilität und ein Plus an energetischer regionaler Wertschöpfung. Damit hat Zo.rro das Potenzial, um perspek­tivisch zum Schlüssel einer gelingenden Energie- und Klima­wende in Deutschland zu werden. Thüringen hat dabei als Modell­region die einmalige Chance, sich als intelligentes grünes Kraftwerk der Zukunft zu profilieren.“

Die erste Phase des Projekts ist auf drei Jahre angesetzt und wird vom Bundes­ministerium für Wirtschaft und Energie mit 1,8 Millionen Euro gefördert, davon über 1,1 Millionen Euro allein für den Forschungs­standort Ilmenau. Das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Natur­schutz unterstützt zudem die Hochschule Nordhausen und das Thüringer Erneuer­bare Energien Netzwerk  als Verbund­partner des Projektes mit über eine Million Euro. Dazu erklärt Umwelt­ministerin Anja Siegesmund: „Mit Zo.rro wird das Land Thüringen zu einem Vorreiter der Energiewende. Hier entsteht ein Netzwerk für Nullemission und das Modell für ein sicheres, kosten­günstiges und klima­neutrales Energie­versorgungs­system.“

Ab Ende 2021 werden die Erkennt­nisse aus den Forschungen in einer zweiten Phase des Projekts in kleinen und mittel­ständischen thüringischen Unternehmen praktisch erprobt. Dirk Westermann, als Direktor des Instituts für Energie-, Antriebs- und Umweltsystemtechnik an der TU Ilmenau Leiter des Projekts, sieht große Vorteile darin, das Forschungs­projekt in Thüringen durchzuführen: „Thüringen eignet sich besonders, weil es in Bezug auf seine Energie­versorgung, seine Wirtschafts­struktur und die politischen Rahmen­bedingungen im Vergleich zu anderen Bundesländern hervorsticht.“

Die Partner sind neben der TU als Konsortialführer der Ilmenauer
Institutsteil Angewandte Systemtechnik des Fraunhofer-Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB, das  Ingenieurbüro für Energiewirtschaft, KoCoS Messtechnik, Trianel, die Hochschule Nordhausen und ThEEN.

TU Ilmenau / od

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