Technologie

Mit grünem Treibstoff in die Zukunft

15.09.2022 - Globaler PtX-Atlas liefert Daten zur Produktion von grünem Wasserstoff, grünem Ammoniak und anderen Energieträgern.

Grünes Ammoniak gewinnt in der Debatte um PtX-Importe und Klima­schutz mehr und mehr an Bedeutung. Mit gutem Grund, ist der Aufwand für Erzeugung und Transport der chemischen Verbindung doch relativ gering. Das Fraunhofer IEE in Kassel hat daher nun seinen globalen PtX-Atlas erweitert: Er liefert jetzt auch Daten zu den Produktions­potenzialen von grünem Ammoniak in 97 Ländern und Gebieten weltweit. Auch die jeweiligen Erzeugungs- und Transport­kosten stellt er dar. Der online frei zugängliche PtX-Atlas zeigt, wo in der Welt welche Mengen an grünem Wasserstoff und anderen PtX-Energie­trägern zu welchen Kosten hergestellt und nach Europa exportiert werden können.

 

Mit der Erweiterung des PtX-Atlas haben die Kasseler Forscher die Detail­analysen von nahezu 600 Standorten um die Modell­ergebnisse zu grünem Ammoniak ergänzt. „Unsere Analysen geben einen langfristig orientierten Ausblick auf die Import­möglichkeiten von grünem, also mit erneuerbaren Energien erzeugtem Ammoniak“, sagt Projektleiter Maximilian Pfennig vom Fraunhofer-Institut für Energie­wirtschaft und Energie­system­technik IEE. „So macht der PtX-Atlas deutlich, an welchen Standorten weltweit es sinnvoll ist, aus dem mit erneuerbarem Strom erzeugten Wasserstoff in einer weiteren Wandlungs­stufe grünes Ammoniak für den Export nach Europa zu erzeugen – und wo andere PtX-Energieträger Vorteile haben.“

Dabei geht aus den Analysen der Forscher hervor, dass die Gesamtkosten von Ammoniak in vielen Fällen unter denen von E-Fuels, Methanol sowie Flüssigmethan und -wasserstoff liegen. „Damit kann grünes Ammoniak als Import­produkt und Alternative zu fossilen Energieträgern einen zentralen Beitrag zur Defossilisierung der Energie- und Rohstoff­märkte in Europa leisten“, erklärt Pfennig.

Die Erweiterung des PtX-Atlasses um grünes Ammoniak ist vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen des Projekts „DeV-KopSys 2 – Robuste Wege zur Erreichbarkeit der Klimaziele des Verkehrs in Rückkopplung mit dem Energie­system“ im Programm „Erneuerbar Mobil“ finanziell gefördert worden.

Ammoniak lässt sich entweder direkt nutzen, etwa für die Produktion von Düngemitteln und Chemikalien, oder aber als Energieträger für Wasserstoff verwenden. Die Stickstoff-Wasserstoff-Verbindung wird im Haber-Bosch-Verfahren hergestellt. Stammt der eingesetzte Wasserstoff aus einer Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Quellen, darf das Ammoniak das Label „grün“ tragen – es ist weitestgehend klimaneutral.

Anders als Wasserstoff lässt sich Ammoniak ohne größeren Energieaufwand verflüssigen und speichern. Damit kann man es gut transportieren. Da Ammoniak ein etabliertes Produkt im Rohstoffmarkt ist, existieren bereits globale Infra­strukturen für das Speichern und Transportieren, etwa darauf ausgelegte Tankschiffe.

Gegenüber flüssigen PtX-Kohlenwasserstoffen wie E-Fuels, Methan und Methanol hat grünes Ammoniak wiederum den Vorteil, dass für dessen Produktion kein Kohlendioxid erforderlich ist. Der benötigte Stickstoff lässt sich ohne größeren Aufwand aus der Umgebungsluft gewinnen, wo er in großen Mengen verfügbar ist.

Betrachtet man allein die Produktion von grünem Ammoniak, ist Chile den Analysen zufolge mit Kosten von 67 Euro pro Megawattstunde der weltweit günstigste Standort. Im globalen Mittel liegen sie bei 92 Euro pro Megawatt­stunde. Damit ist Ammoniak in der Erzeugung etwa 21 Prozent günstiger als E-Fuels und Methanol. Im Vergleich zu Flüssigwasserstoff verursacht die Produktion von Ammoniak allerdings fünf Prozent höhere Kosten.

Der Vorteil von Flüssig­wasserstoff schwindet jedoch, wenn man den Transport berücksichtigt: Da für weite Strecken speziell ausgerüstete Schiffe eingesetzt werden müssen, ist die Beförderung auf dem Seeweg sehr teuer. „Flüssigwasserstoff ist gegenüber Ammoniak in vielen Fällen nur dann konkurrenz­fähig, wenn das Ammoniak nicht direkt genutzt wird, sondern in Europa aufwändig in Wasserstoff umgewandelt werden muss“, fasst Projektleiter Pfennig zusammen.

Auch im Vergleich mit E-Fuels, Methanol und Flüssigmethan sind die Importkosten von Ammoniak günstiger, zeigt der erweiterte PtX-Atlas. Beim Import aus nahegelegenen Regionen wie etwa Marokko liegen die Kosten um etwa 18 Prozent niedriger, bei weiter entfernten Ländern wie Australien sind es immerhin noch sieben Prozent.

Besonders gut sind die Bedingungen für Ammoniak-Importe aus Kanada. In keinem anderen Land mit großen Flächen­potenzialen zur nachhaltigen PtX-Erzeugung sowie guten sozioökonomischen Bedingungen sind die Gesamtkosten – Erzeugung plus Transport – so niedrig wie dort. Die europäische Energie­wirtschaft sieht bereits erste Importe aus Kanada vor und haben kürzlich Vereinbarungen über Lieferungen von bis zu einer Million Tonnen grünes Ammoniak ab 2025 geschlossen, das an der Ostküste des Landes erzeugt werden soll. Zudem sind die deutsche und die kanadische Regierung eine Wasserstoff-Partnerschaft eingegangen.

Auch Chile, Argentinien oder Marokko sind attraktive Länder für den Import von grünem Ammoniak nach Europa. Hier liegen die Gesamtkosten im Mittel bei rund 100 Euro pro Megawattstunde. Dabei könnte Marokko eine besondere Bedeutung bekommen: Das Land gehört bereits heute zu den größten Düngemittel-Exporteuren der Welt. Entsprechend umfassend sind Erfahrung und Kompetenz im Umgang mit Ammoniak. Auch ist die nötige Infrastruktur hier bereits gut ausgebaut.

Mit dem interaktiven globalen PtX-Atlas können interessierte Personen eigenständig umfangreiche Auswertungen vornehmen. Auf Wunsch unterstützen dabei die Fachleute des Fraunhofer IEE – sie bieten maßgeschneiderte, vertiefende Analysen an.

Fh.-IEE / DE

 

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