Panorama

Erfolgreiche „Nachtlichter“-Kampagne

24.11.2021 - Fast eine Viertelmillion künstlicher Lichtquellen wurden gezählt und klassifiziert.

Übermäßige künstliche Beleuchtung des öffent­lichen Raums verbraucht Energie und stört den Tag-Nacht-Rhythmus von Lebewesen. Um diesem Problem der Lichtver­schmutzung begegnen zu können, braucht es ein Bewusstsein dafür und Kenntnis über die Quellen. Jetzt ist eine Reihe von bürger­wissenschaftlichen Datenerhebungs­kampagnen erfolgreich beendet worden, die seit Ende August unter dem Titel „Nachtlichter“ und unter Federführung des Deutschen Geoforschungs­zentrums Potsdam GFZ stattgefunden haben. Im Rahmen der weltweiten Aktion zählten und klassi­fizierten die Teilnehmenden fast eine Viertelmillion künstliche Licht­quellen auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Die Daten­erhebung erfolgte mittels der Nachtlichter App, die das GFZ-Team eigens dafür in einem Co-Design Prozess mit einer Gruppe von Bürger­wissenschaftlern entwickelt hatte. Erste Ergebnisse werden ab Mitte 2022 erwartet. 

In den letzten Jahren ist das öffentliche Bewusstsein für Licht­verschmutzung und die gesund­heitlichen und ökologischen Wirkungen von künstlichem Licht gewachsen. Zugleich zeigen Satelliten- und Luft­aufnahmen der Erde bei Nacht, dass öffentliche Räume immer heller beleuchtet sind. Was sie nicht zeigen ist, welche Lichtquellen am Boden diese bis in den Orbit sichtbaren Lichtemissionen verursachen. Diese Datenlücke zu schließen, ist Ziel des Projekts „Nachtlichter“. Mithilfe der eigens dafür entwickelten App und aus­schwärmender Bürger­wissenschaftlern konnten erstmals künstliche Lichtquellen auf öffentlichen Straßen und Plätzen in größeren zusammen­hängenden Gebieten systematisch erfasst und kartiert werden – in diversen deutschen, europäischen und nordamerikanischen Städten. Die webbasierte App ermöglicht es, Helligkeit, Farbe und Abstrahlwinkel unter­schiedlichster Lichtquellen zu erfassen – von der Straßenlaterne und Schaufenster­beleuchtung bis hin zu Leuchtreklamen und Lichter­ketten. Bislang verfügen lediglich einige Städten und Kommunen über Informationen zu ihrer öffentlichen Beleuchtung. Private Lichtquellen werden nicht systematisch erfasst.

Neben der Analyse von Lichtquellen, wird das Projekt am GFZ auch sozial­wissenschaftlich begleitet. Hier untersucht Nona Schulte-Römer gemeinsam mit den Teilnehmenden wie das Projekt Bewusstsein und Allianzen für nachhaltige Beleuchtung fördern kann und wie wir als Gesellschaft Technik verstehen, gestalten und nutzen, wie wir wissenschaftliche Erkenntnisse inter­pretieren und berück­sichtigen, wenn wir die Nacht illu­minieren. „Wir freuen uns, dass so viele Menschen – vom Schulkind bis zur Rentnerin – mitgemacht haben. Sie alle tragen dazu bei, dass wir nun einen einzig­artigen Datensatz haben, mit dem wir besser verstehen können, was genau die Quellen von Lichtemissionen sind und wie wir Lichtver­schmutzung künftig reduzieren können“, so die erste Zwischenbilanz von Christopher Kyba, Projektleiter von Seiten des GFZ. Sozial­wissenschaftlerin Nona Schulte-Römer ergänzt: „Das Projekt konnte nur dank des großen bürger­wissenschaftlichen Interesses und Engagements in Deutschland realisiert werden. Die Mehrheit der Beteiligten ist motiviert durch den Wunsch, die natürliche Dunkelheit zu schützen und künstliche Beleuchtung nachhaltiger zu gestalten.“

Im Zeitraum vom 23. August bis 14. November 2021 haben die Mitfor­schenden fast eine Viertel­million Lichtquellen erfasst und klassifiziert. Es wurden Beobachtungen aus insgesamt zehn verschiedenen Ländern eingereicht, die meisten kamen allerdings aus Deutschland. 241 Bürgerforschende haben Daten eingereicht. Die Teilnehmenden haben beim Lichter­zählen eine Gesamtstrecke von 645 Kilometern auf öffentlichen Straßen und Plätzen zurückgelegt. Mit Blick auf zusammen­hängende Erhebungsgebiete wurden insgesamt 22 Quadratkilometer erfasst. Die größte Anzahl an Lichtern, die eine einzelne Person gezählt und klassifiziert hat, beträgt 12.403. 66 Mitforschende haben es geschafft, mehr als eintausend Lichter mit der App zu erfassen und zu klassi­fizieren. An den Nachtlichter-Kampagnen beteiligte sich ein breites Spektrum an Menschen, von zwölfjährigen Kindern bis zu Erwachsenen im Ruhestand.

GFZ Potsdam / JOL

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