Forschung

Elektronenpaare aus dem Supraleiter

28.11.2022 - Mit Quantenpunkten aus Supraleiter extrahierte Elektronen weisen entgegengesetzten Spin auf.

Bei einer quantenphysikalischen Verschränkung, die Albert Einstein als „spukhafte Fernwirkung“ beschrieben hat, sind bestimmte Eigenschaften zweier Teilchen eng miteinander verbunden, selbst wenn sie weit voneinander entfernt sind. Die Erforschung der Verschränkung bei Licht­teilchen wurde mit dem diesjährigen Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Auch zwei Elektronen können miteinander verschränkt sein – zum Beispiel über ihren Spin. So formieren sich in einem Supra­leiter je zwei Elektronen zu Cooper-Paaren, in denen die einzelnen Spins verschränkt sind und die für die verlustfreie Strom­leitung sorgen.

 

Forscher am Swiss Nanoscience Institute und am Departement Physik der Universität Basel sind seit einigen Jahren in der Lage, Elektronenpaare aus einem Supraleiter herauszuholen und die beiden Elektronen räumlich zu trennen. Dies gelingt mittels zweier Quantenpunkte – parallel geschaltete nanoelektronische Strukturen, die jeweils nur für einzelne Elektronen durchlässig sind.

Jetzt hat das Team von Christian Schönenberger und Andreas Baumgartner in Zusammenarbeit mit Forschern um Lucia Sorba vom Istituto Nanoscienze-CNR und von der Scuola Normale Superiore in Pisa erstmals experimentell belegt, was theoretisch schon lange erwartet wurde: Elektronen aus einem Supraleiter treten immer paarweise und mit entgegen­gesetzten Spins auf.

Die Forscher konnten mit einem innovativen Versuchs­aufbau messen, dass der Spin des einen Elektrons nach oben zeigt, wenn der andere nach unten gerichtet ist, und umgekehrt. „Wir haben damit die negative Korrelation zwischen den Spins von gepaarten Elektronen experimentell bewiesen“, erklärt Andreas Baumgartner, der das Projekt geleitet hat.

Den Forschern gelang dies, indem sie einen selbst entwickelten Spinfilter eingesetzt haben. Dazu erzeugten sie in jedem der beiden Quantenpunkte, welche die Elektronen des Cooper-Paares trennen, mithilfe von winzigen Magneten individuell einstellbare Magnetfelder. Da der Spin auch das magnetische Moment eines Elektrons bestimmt, wird nur jeweils eine bestimmte Spin-Sorte durchgelassen.

„Wir können beide Quantenpunkte so einstellen, dass vor allem Elektronen mit einem bestimmten Spin durchgelassen werden“, beschreibt Erstautor Arunav Bordoloi den experimentellen Aufbau. „Durch den einen Quantenpunkt gelangt zum Beispiel ein Elektron mit Spin nach oben und durch den anderen Quantenpunkt ein Elektron mit dem Spin nach unten, oder umgekehrt. Wenn beide Quantenpunkte so eingestellt sind, dass sie nur dieselben Spins durchlassen, werden die elektrischen Ströme in beiden Quantenpunkten reduziert, obwohl ein einzelnes Elektron durchaus einen einzelnen Quantenpunkt passieren dürfte.“

„Mit dieser Methode konnten wir zum ersten Mal solche negativen Korrelationen zwischen Elektronenspins aus einem Supraleiter nachweisen“, fasst Andreas Baumgartner zusammen. „Unsere Experimente sind der erste Schritt, aber noch kein vollständiger Nachweis für Verschränkung der Elektronenspins, da wir die Spinfilter nicht beliebig einstellen können – aber daran arbeiten wir noch.“ Die Arbeit gilt als wichtiger Schritt zur weiteren experimentellen Untersuchung quanten­mechanischer Phänomene, wie zum Beispiel der Verschränkung von Teilchen in Festkörpern, die auch ein zentraler Bestandteil für das Funktionieren von Quanten­computern ist.

U. Basel / DE

 

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