Panorama

Ehrung für Forschung zu Multiferroika

22.11.2022 - Nicola Spaldin erhält den Hamburger Preis für Theoretische Physik.

Die britische Wissenschaftlerin Nicola Spaldin hat den Hamburger Preis für Theoretische Physik erhalten. Im Planetarium Hamburg wurde die Material­forscherin von der ETH Zürich für ihre herausragenden Arbeiten geehrt, die zur Entwicklung einer neuen Klasse von Materialien führten – den Multiferroika. Diese könnten zukunftsweisende Anwendungs­möglichkeiten in der Mikro­elektronik ermöglichen, wie etwa den Bau ultraschneller Datenspeicher oder hoch­empfindlicher Sensoren. Die Joachim-Herz-Stiftung vergibt den Preis zusammen mit dem Wolfgang Pauli Centre des DESY und der Universität Hamburg, dem Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY sowie den beiden Exzellenz­clustern „CUI: Advanced Imaging of Matter“ und „Quantum Universe“ an der Universität Hamburg.

 

Sabine Kunst, Vorstandsvorsitzende der Joachim-Herz-Stiftung, würdigte bei der Preisverleihung neben der wissenschaftlichen Pionier­leistung auch die Offenheit Spaldins für fach­übergreifendes Arbeiten: „Nicola Spaldin bewegt sich mit ihren Forschungen an der Schnittstelle zwischen theoretischer Physik, Chemie und Materialforschung. Sie ist Vorbild für disziplinen­übergreifende und internationale Zusammenarbeit und ich hoffe, dass ihr Aufenthalt auch am Wissenschafts­standort Hamburg für neue Impulse sorgt.“ Nicola Spaldin wird in den kommenden Monaten zu Lehr- und Forschungsaufenthalten in die Hansestadt kommen.

Wissenschafts­senatorin Katharina Fegebank: „Professorin Nicola Spaldin ist eine Wegbereiterin für die Entwicklung einer neuen Klasse von Materialien, ihre Arbeit hat ein komplett neues Forschungsfeld geschaffen. Ich freue mich sehr, dass der Hamburger Preis für theoretische Physik erstmalig an eine Frau geht und Spaldins Pionierarbeit und theoretischen Analysen auszeichnet. Ich wünsche ihr einen spannenden Forschungs­aufenthalt in unserer Science City Hamburg Bahrenfeld und gratuliere herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung. Mein Dank gilt auch der Joachim-Herz-Stiftung und allen Beteiligten.“

Mit einem wegweisenden Fachartikel legte Nicola Spaldin im Jahr 2000 den Grundstein für die gezielte Erforschung einer neuen Klasse von Materialien – den Multiferroika. Dabei handelt es sich um Materialien, die sich sowohl dauerhaft magnetisieren als auch elektrisch polarisieren lassen. Diese physikalischen Eigenschaften treten in der Natur fast nie zusammen auf. Ihre theoretischen Analysen wiesen den Weg zur Herstellung maßgeschneiderter Kristalle, die zugleich ferromagnetisch und ferro­elektrisch sind. Der experimentelle Durchbruch gelang 2003. Seit 2010 treibt Nicola Spaldin die Entwicklung der neuen Materialklasse mit ihrer Forschungsgruppe an der ETH Zürich voran.

Multiferroika könnten den Bau ultraschneller Datenspeicher und hochempfindlicher Sensoren ermöglichen. Die magneto­elektrischen Multitalente versprechen noch weitere zukunftsweisende Anwendungen. Mit ihrer Hilfe ließe sich in Computern die räumliche Trennung zwischen der elektrischen Verarbeitung von Informationen im Prozessor und ihrer magnetischen Speicherung auf Festplatten aufheben. Das würde höhere Rechenleistung bei geringerem Energie­verbrauch ermöglichen und nährt bei Fachleuten die Hoffnung, multiferroische Materialien könnten den Weg zu Mikro­elektronik-Bauteilen weisen, die ohne den Halbleiter Silizium auskommen.

Die Joachim-Herz-Stiftung vergibt den Hamburger Preis für Theoretische Physik seit 2010 zusammen mit dem Wolfgang Pauli Centre des DESY und der Universität Hamburg, dem Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY sowie den beiden Exzellenz­clustern an der Universität Hamburg: „CUI: Advanced Imaging of Matter“ und „Quantum Universe“. Der mit 137.036 Euro ausgestattete Preis für herausragende Forschungs­leistungen in der theoretischen Physik ist eine der höchstdotierten Auszeichnungen für Physik in Deutschland. Die Preissumme ist eine Anspielung auf die Sommerfeldsche Feinstruktur­konstante.

Joachim-Herz-Stiftung / DE

 

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