Panorama

Die üblichen Verdächtigen

06.10.2021 - Der neue DFG-Förderatlas basiert auf Daten für die Jahre 2017 bis 2019 und zeigt, welche deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen am erfolgreichsten Drittmittel eingeworben haben.

Nachdem die Universität Mainz sich in der letzten Ausgabe des DFG-Förderatlas mit den meisten eingeworbenen Drittmitteln in der Physik erstmalig an die Spitze gesetzt hatte, zeigen sich im neuesten Bericht nur geringe Verschiebungen auf den vorderen Plätzen in der Physik. Anfang Oktober veröffentlichte die DFG die nunmehr neunte Ausgabe des Förderatlas, der alle drei Jahre Auskunft gibt über Kennzahlen zur öffentlich finanzierten Forschung. Der aktuelle Berichtszeitraum umfasst die Jahre 2017 bis 2019.

Der Wissenschaftsbereich Naturwissenschaften verzeichnet nach den Lebenswissenschaften die höchste Summe an Drittmitteln mit erstmals über zwei Milliarden Euro. Das sind rund 21 Prozent Anteil an der Gesamtförderung durch die DFG. Knapp 87 Prozent der Mittel fließen an Projekte, die an Hochschulen durchgeführt werden, der Rest geht an die außeruniversitäre Forschung. Innerhalb der Naturwissenschaften entfällt die höchste Fördersumme auf die fünf Forschungsfelder der Physik – alleine knapp 324 Millionen Euro gingen an Projekte aus der Physik der kondensierten Materie.

Führend in diesem Bereich ist die Universität Würzburg mit 18,1 Millionen Euro, gefolgt von den Universitäten in Regensburg und Köln. In Optik, Quantenoptik und Physik der Atome, Moleküle und Plasmen liegt die Universität Hannover mit 20,3 Millionen Euro vor der Universität Hamburg und der LMU München. Mit einer Fördersumme von 32,7 Millionen Euro dominiert die Universität Mainz das Gebiet Teilchen, Kerne und Felder – unter anderem  ein Erfolg des Exzellenzclusters PRISMA+.

Mit einer Gesamtfördersumme von fast 45 Millionen Euro in der Physik liegt die Universität Mainz in der Physik an der Spitze – genau wie vor drei Jahren. Allerdings ist der Abstand zur zweitplatzierten Universität gestiegen und beträgt nun mehr als 10 Millionen Euro. Unter den 12 stärksten Universitäten gab es nur leichte Verschiebungen und Platzwechsel, allerdings ist das Karlsruher Institut für Technologie in der Physik nicht mehr unter den besten 12 zu finden, während die Universität zu Köln sich den 5. Platz sichern konnte. Dies zeige, dass sich die Universität zu Köln nachhaltig hervorragend entwickele und zu den besten Universitäten Deutschlands gehöre, freute sich denn auch Axel Freimuth, Physikprofessor und Rektor der U Köln.

Bei den außeruniversitären Forschungseinrichtungen waren in den Naturwissenschaften beispielsweise das Fritz-Haber-Institut in Berlin und das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr besonders erfolgreich.

Neu in diesem Jahr sind Analysen zu den eingeworbenen Drittmitteln aufgeschlüsselt nach Bundesländern. Zwischen 2017 und 2019 wurden insgesamt etwa 9,5 Milliarden DFG-Mittel bewilligt, von denen 1,83 Milliarden Euro nach Nordrhein-Westfalen gingen. Damit liegt das bevölkerungsreichste Bundesland vorn, gefolgt von Baden-Württemberg mit 1,6 Milliarden Euro und Bayern mit 1,46 Milliarden Euro. Bei den Regionen landete Berlin mit 839 Millionen vor der Region München (816 Mio. Euro) und der Region Unterer Neckar (Heidelberg und Mannheim, 432 Mio. Euro).

Einen detaillierten Blick wirft der Förderatlas zudem auf die internationale Zusammenarbeit der mit DFG-Mitteln geförderten Projekte. Demnach erfolgt fast jedes fünfte Forschungsprojekt mit internationaler Beteiligung – am häufigsten mit Partnern in den USA, China, Australien, Kanada oder Israel. „Alle diese Zahlen und Analysen belegen eindrucksvoll, in welch hohem Maße die Hochschulen und Forschungseinrichtungen die von ihnen eingeworbenen Drittmittel in die weitere Stärkung ihrer Fächerprofile und internationalen Vernetzung investieren. Und sie zeigen auch, wo und auf welchen Feldern die Forschung in Deutschland für Partner in aller Welt attraktiv ist“, betonte DFG-Präsidentin Katja Becker bei der Vorstellung des Förderatlas am 5. Oktober.

Eine weitere wichtige Analyse betrifft das Verhältnis zwischen Drittmitteln und den staatlichen Grundmitteln bei der Gesamtfinanzierung der Hochschulen. Während der Anteil der Drittmittel an der Gesamtfinanzierung 2013 einen Höchststand von 28,1 Prozent erreicht hatte, ist er seitdem weitgehend stabil geblieben und lag 2019 bei 26,9 Prozent. Bei den Grundmitteln dagegen setzte sich der Anstieg der vergangenen Jahre weiter fort.  „Die Hochschulen sind also auch für ihre auskömmliche Finanzierung weiter auf Drittmittel angewiesen, doch nimmt der Drittmitteldruck auch dank der fortgesetzten Dynamik bei den Grundmitteln nicht mehr weiter zu“, kommentierte Katja Becker.

Zwei Sonderkapitel werfen einen Blick auf die historische Perspektive und schlüsseln die Förderung zwischen 1921 und 1945 auf sowie die schrittweise Integration der früheren DDR-Forschung in das nun gesamtdeutsche Forschungs- und Fördersystem.

Der Förderatlas basiert auf zehntausenden Daten aller großen öffentlichen Forschungsförderer in Deutschland und der EU und versteht sich damit als umfassendes Informationswerk für die Öffentlichkeit und als Entscheidungsinstrument für die Wissenschaft.

Maike Pfalz / DFG

Weitere Informationen

Weitere Beiträge

DFG