Panorama

Deutscher Stromsektor wird grüner

07.01.2019 - Erneuerbare Energiequellen tragen zu über vierzig Prozent zur öffentlichen Nettostromerzeugung bei.

Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE haben die Jahres­auswertung zur Strom­erzeugung in Deutsch­land im Jahr 2018 vorgelegt. Danach verzeichnete die Solar­energie mit einem Plus von 16 Prozent den größten Zuwachs, vor der Wind­energie mit 5,4 Prozent. Die Netto­strom­erzeugung aus Kohle, Gas und Wasser­kraft nahm dagegen ab. Der Anteil aller erneuer­baren Energie­quellen an der öffentlichen Netto­strom­erzeugung, d.h. dem Strom­mix, der tatsächlich aus der Steck­dose kommt, lag bei über 40 Prozent.

Die deutschen Photovoltaik­anlagen speisten 2018 etwa 45,7 TWh ins öffentliche Netz ein, das waren 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Zubau von 3,2 Gigawatt erhöhte die installierte Gesamt­leistung auf 45,5 Giga­watt (Stand Ende November). Die maximale Solar­leistung wurde am 2. Juli 2018 um 13:15 Uhr mit etwa 32 Giga­watt erreicht, das waren 39 Prozent der gesamten Strom­erzeugung zu diesem Zeit­punkt. Von April bis August 2018 war die monatliche Strom­erzeugung von PV-Anlagen höher als von Stein­kohle­kraft­werken.

Die Windenergie produzierte 2018 ca. 111 TWh und war damit die zweit­stärkste Energie­quelle nach der Braun­kohle. In zehn Monaten übertraf die Wind­strom­produktion die Erzeugung aus Stein­kohle und Kern­energie. Die maximal erzeugte Leistung betrug zirka 45,9 GW am 8. Dezember um 12:00 Uhr. Der Anteil von Onshore-Wind betrug 87,4 TWH, ein Plus von 2 TWh. Offshore-Wind konnte die Produktion von 17,4 TWh in 2017 auf über 18,8, TWh im Jahr 2018 steigern. Das Gros des Wind­stroms wurde mit 16,6 TWh in der Nordsee erzeugt.

Gemeinsam produzierten Solar- und Windenergie­anlagen 2018 rund 157 TWh und liegen damit in Summe vor Braun­kohle, Stein­kohle und Kern­energie. Das Verhältnis zwischen Solar- und Wind­anlagen­leistung ist jedoch unaus­gewogen, Ende 2018 fehlten 16 GW installierter Solar­leistung zum optimalen Verhältnis Wind-Solar.

Die Wasserkraft trug aufgrund des extrem trockenen Sommers nur mit 17 TWh zur Strom­erzeugung bei. Das ist der zweit­niedrigste Wert der letzten dreißig Jahre. Von Mai bis Dezember lag die monatliche Strom­erzeugung unter der des Vor­jahres. Die Bio­masse lag mit ca. 44,8 TWh genau auf dem Niveau des Vorjahres.

In Summe produzierten die erneuerbaren Energie­quellen im Jahr 2018 etwa 219 TWh und legten damit um 4,3 Prozent gegen­über 2017 zu. Damit erreichten sie einen Anteil von über 40 Prozent an der öffentlichen Netto­strom­erzeugung.

Die Nettostromerzeugung aus Kernkraftwerken lag mit 72,1 TWh auf dem Vorjahres­niveau. Braun­kohle­kraft­werke produzierten 131,3 TWh netto. Das sind etwa 2,7 TWh oder 2 Prozent weniger als in 2017. Die Braun­kohle­kraft­werke reagierten flexibler auf niedrige Börsen­strom­preise als in den vergangenen Jahren und drosselten ihre Leistung auf unter 6 GW, wie am 05.01.2018 und am 08.12.2018. Die Drosselung erfolgt haupt­sächlich bei niedrigen oder negativen Börsen­strom­preisen. Nach wie vor sind Braun­kohle­kraft­werke aber noch unflexibel in ihrer Reaktion auf hohe Einspeisung von erneuer­baren Energien.

Die Nettoproduktion aus Stein­kohle­kraft­werken betrug 75,7 TWh und damit 6 TWh bzw. 7,4 Prozent niedriger als im Jahr 2017. Gas­kraft­werke verzeichneten den stärksten Rück­gang: Sie haben 40 TWh netto für die öffentliche Strom­versorgung produziert und lagen damit 9,1 TWh bzw. 18,5 Prozent unter dem Niveau des Vor­jahres. Gas­kraft­werke im Berg­bau und im verarbeitenden Gewerbe produzierten zusätzlich etwa 20 bis 25 TWh für den industriellen Eigen­bedarf.

Im Jahr 2018 wurde ein Export­überschuss (physikalische Flüsse) von ca. 45,6 TWh erzielt, ein leichter Rück­gang gegen­über 2017 (52,5 TWh). Der Groß­teil der Exporte floss in die Nieder­lande (19,2 TWh), die einen Groß­teil des Stroms nach Belgien und Groß­britannien weiterleiten. Auf Platz zwei folgt Öster­reich (11,6 TWh) vor der Schweiz (11,5 TWh), die hauptsächlich Transit­land nach Italien ist.

Deutschland importierte 8,3 TWh Strom aus Frank­reich, der haupt­sächlich an die Nachbar­länder weiter­geleitet wurde. Die durch­schnittlich exportierte Leistung betrug ca. 5,2 GW, was der Leistung von vier Kern­kraft­werken entspricht. An 7927 Stunden des Jahres (90,5 Prozent) wurde Strom exportiert, an 833 Stunden (9,5 Prozent) wurde Strom importiert. Beim Außen­handel mit Strom ergibt sich ein Export­über­schuss von 52,8 TWh und Ein­nahmen im Wert von 1,81 Mrd. Euro. Eingeführter Strom kostete durch­schnittlich 38,31 Euro/MWh, ausgeführter Strom 35,57 Euro/MWh. Der durch­schnittliche volumen­gewichtete Day-Ahead Börsen­strom­preis liegt mit 43,26 Euro/MWh über dem Wert des Vorjahres (32,89 Euro/MWh). Inflations­bereinigt liegt er aber noch unter dem Niveau von 2005 und 2006. Die Last betrug 508,5 TWh, das ist ein Zuwachs von 3,1 Prozent gegenüber 2017.

Fh.-ISE / DE

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