Panorama

Budget mit Rekordzuwachs

24.11.2022 - Das ESA-Budget soll um 17 Prozent wachsen. Das beschloss die ESA-Ministerratskonferenz bei ihrem Treffen in Paris.

Die europäische Weltraumorganisation ESA kann sich über einen Rekordzuwachs freuen: Die 22 ESA-Mitgliedsstaaten bewilligten für die kommenden drei Jahre ein Budget von 16,9 Milliarden Euro, das sind 17 Prozent mehr als 2019. Deutschland trägt davon 3,5 Milliarden Euro (20,8 Prozent) und ist mit Frankreich (18,9 Prozent) und Italien (18,2 Prozent) zahlungsstärkster Partner der ESA.

Die Ministerratskonferenz trifft sich im Schnitt alle drei Jahre und tagte dieses Mal am 22. und 23. November am Fuße des Pariser Eiffelturms, um den inhaltlichen und finanziellen Rahmen für die Raumfahrtprogramme der ESA festzulegen.

Den größten Zuwachs verzeichnen:  Wissenschaftsprogramm (3,186 Mrd. Euro, +19 %), Raumtransport/Trägersysteme (2,835 Mrd. Euro, +17 %), Astronautische und robotische Exploration (2,707 Mrd. Euro, +16 %) und Erdbeobachtung (2,962 Mrd. Euro, +16 %).

Im Wissenschaftsprogramm setzt die ESA die Missionen ihres Programms Cosmic Vision um und bereitet das neue Weltraumforschungsprogramm Voyage 2050 vor. Dieses definiert die Visionen der ESA-Wissenschaft für den Zeitraum 2035 bis 2050.

Zu den ehrgeizigen Missionen der kommenden Jahre gehören Juice und Euclid, deren Start für 2023 vorgesehen ist. Juice soll den Jupiter und seine ozeanhaltigen Eismonde erforschen und untersuchen, wo sich anderswo im Sonnensystem möglicherweise Leben gebildet hat. Euclid soll etwa 1,5 Milliarden Galaxien beobachten und damit Erkenntnisse über die Entwicklung des Universums innerhalb der letzten zehn Milliarden Jahre gewinnen. Ein wichtiges Ziel dabei ist es, die Natur von Dunkler Materie und Dunkler Energie zu klären.

Mit den bewilligten Mitteln wird die Entwicklung weiterer Missionen zur Erforschung extrasolarer Planeten fortgesetzt. Dazu zählen Plato (Mission PLAnetary Transits and Oscillations of Stars) und Ariel (Atmospheric Remote-sensing Infrared Exoplanet Large-survey), die 2026 bzw. 2029 starten und die Entdeckung bzw. Charakterisierung von Exoplaneten vorantreiben sollen. Zusammen mit Ariel wird „Comet Interceptor“ starten, eine innovative ESA-Mission aus drei Raumsonden. Damit soll es gelingen, erstmals einen unberührten Kometen zu untersuchen, der gerade erst seine Reise ins innere Sonnensystem antritt.

Ebenfalls in Paris stellte die ESA ihren astronautischen Nachwuchs vor. Die 17 Männer und Frauen wurden aus mehr als 22 500 Bewerber:innen ausgewählt. Darunter sind zwei Berufsastronautinnen und drei Berufsastronauten, 11 Mitglieder der Astronautenreserve sowie ein „Parastronaut“ mit einer Behinderung, der an Machbarkeitsstudien teilnehmen soll.

Bei der astronautischen und robotischen Erforschung des Weltraums gibt das neue ESA-Programm Terrae Novae die Richtung vor. Es konzentriert sich auf drei Ziele: die niedrige Erdumlaufbahn, den Mond und den Mars. Für die nächste Phase des Programms stehen 2,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Außerdem wird die europäische Beteiligung an der Internationalen Raumstation bis zum Jahr 2030 verlängert.

Das nächste Ziel ist der Mond, und das wichtigste neue Element, das genehmigt wurde, ist Europas großes logistisches Landegerät Argonaut, das in den 2030er-Jahren in der Lage sein wird, routinemäßig wissenschaftliche Nutzlasten und Fracht auf den Mond zu bringen. Die Minister einigten sich auch darauf, mit der Arbeit an der nächsten Serie von europäischen Servicemodulen zu beginnen. Diese Elemente stärken die wesentliche Rolle Europas im Artemis-Programm, einschließlich der Flüge von drei ESA-Astronauten zum Lunar Gateway und der Möglichkeit, dass ein Mitglied des ESA-Astronautenteams einen Fuß auf die Mondoberfläche setzt.

Im Hinblick auf die Erforschung des Mars wurde mit starker Unterstützung der Wissenschaft beschlossen, eine europäische Landefähre zu bauen, die den Rover „Rosalind-Franklin“ auf die Marsoberfläche bringen soll, um nach Spuren für Leben zu suchen.

Mit den 2,7 Milliarden Euro für das Erdbeobachtungsprogramm der ESA verpflichteten sich die Minister:innen, die Kontinuität der Weltraumkomponente des Copernicus-Programms auf der Grundlage weiterzuentwickeln, um etwa die Überwachung wesentlicher Klimavariablen und die Unterstützung von Klimamaßnahmen zu stärken. Die Aeolus 2-Mission soll globale Windgeschwindigkeiten messen und die Wettervorhersagen verbessern.

Der Ministerrat gab grünes Licht für zwei ehrgeizige Missionen: die nächste ESA Earth Explorer, Harmony, die neue Daten liefern soll, um entscheidende Fragen im Zusammenhang mit der Dynamik der Ozeane, des Eises und des Bodens zu beantworten, die sich unmittelbar auf die Risikoüberwachung, die Wasser- und Energieressourcen, die Ernährungssicherheit und den Klimawandel auswirken. Mit MAGIC ist eine Schwerkraftmission geplant, die das Wasservolumen in den Ozeanen, Eisschilden und Gletschern beobachten wird.

Das Budget für den Raumtransport ist auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen. Die ESA wird damit unter anderem ihre Trägerraketen Ariane 6 und Vega-C weiter ausbauen, die Entwicklung des wiederverwendbaren Space Rider abschließen, der mehr als zwei Monate in einer niedrigen Erdumlaufbahn verbleiben kann, bevor er zur Überholung zur Erde zurückkehrt, und ein umweltfreundliches Wasserstoffsystem für die Betankung der Ariane-Trägerraketen im europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana entwickeln. Ziel ist es dabei, bis 2030 auf Kohlenstoff in der Wasserstoffproduktion zu verzichten.

„Ob Ukraine-Krieg, Energie- oder Klimakrise: Raumfahrt leistet zur Lösung dieser globalen Herausforderungen wichtige strategische Beiträge. Deshalb bin ich froh, dass es uns gelungen ist, aus Deutschland rund 3,5 Milliarden Euro für die Gestaltung der europäischen Raumfahrtaktivitäten der nächsten Jahre bereit zu stellen“, sagte Anna Christmann, Koordinatorin der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt. Sie stand zusammen mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck an der Spitze der deutschen Delegation.

„Großprojekte zur Erkundung des Alls erfordern europäische und globale Arbeitsteilung. Das sichert nicht nur den Erfolg, eine derartige ‚Space Diplomacy‘ macht die Raumfahrt darüber hinaus selbst zu einem wichtigen Bereich internationaler Zusammenarbeit“, betonte Walther Pelzer. Der als DLR-Vorstand und Leiter der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR ebenfalls am Verhandlungstisch in Paris saß.

Deutschland hat in Paris den Vorsitz im ESA-Rat von Frankreich übernommen und wird die nächste Konferenz im Jahr 2025 ausrichten.

ESA / DLR / Alexander Pawlak
 

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