Dossier

Physiker:innen im Beruf

Das Einsatzspektrum von Physikerinnen und Physikern im Beruf ist breit: Sie finden sich an der Spitze großer Unternehmen, im Projektmanagement, gründen erfolgreich Unternehmen oder arbeiten im Wissenschaftsmanagement. Unsere Reihe beleuchtet etliche diese Felder.

Articles

Anja Hauck
10 / 2022 Seite 20
Mitglieder

„Mir ist es wichtig, aktiv zum Klimaschutz beizutragen.“

Annika Richter hat Physik in Konstanz und Energie­ingenieurwesen in Dänemark und Norwegen studiert. In ihrer Masterarbeit forschte sie an organischen Solarzellen. Seit 2019 arbeitet sie bei dem Unternehmen atmosfair, das Kohlendioxid-Kompensation für Flugreisen anbietet und mit dem Geld Projekte zu erneuerbaren Energien und Energieeffizenz im globalen Süden finanziert, also in Entwicklungs- und Schwellenländern („Global South“).

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Maike Pfalz
03 / 2022 Seite 42
DPG-Mitglieder

„Das polizeiliche Umfeld finde ich sehr spannend.“

Interview mit Benjamin von Lospichl

Nach dem Physikstudium und zwei Jahren als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin wechselte Benjamin von Lospichl (30) zur Bundespolizei. Dort ist er seit rund einem Jahr als Fachberater in der Bundespolizeidirektion 11 tätig. Diese wurde 2017 angesichts einer weltweit gestiegenen Bedrohungslage durch terroristische Angriffe gegründet, um die Spezialkräfte in einer Direktion zusammenzufassen.

 

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Maike Pfalz
10 / 2021 Seite 22
DPG-Mitglieder

Ein riesiger Überblick über die Vielfalt der Forschung

Nach der Promotion, einer Postdoc-Zeit sowie einer familiären Auszeit wechselte Dr. Ricarda Opitz in das
Forschungsmanagement: Sechs Jahre lang koordinierte sie in der Helmholtz-Gemeinschaft den
Bereich „Struktur der Materie“. 2012 wechselte sie in die Leibniz-Gemeinschaft und leitet dort seitdem das
Referat Wissenschaft. Zudem vertritt sie die Generalsekretärin der Leibniz-Gemeinschaft.

Wieso haben Sie Physik studiert?
Eigentlich wollte ich Medizin studieren, doch das konnte Ende der 1980erJahre
in der damaligen DDR nicht mehr jeder, weil sich der Umbruch abzeichnete und viele Mediziner
das Land verlassen hatten. Also habe ich mich für Physik entschieden.

Und dabei sind Sie ja lange geblieben…
Das stimmt. Ich habe promoviert und drei Jahre als Postdoc in Amsterdam gearbeitet. Dabei wurde mir klar, dass ich mit diesen Grundlagen einen anderen Weg einschlagen möchte. Mir war die Laborarbeit zu einsam.

Wie ging es weiter?
Mit der Familiengründung und einer Orientierungsphase. Zwischenzeitlich sind wir nach Berlin gezogen und ich habe in der Wissen schaftskommunikation gearbeitet. Mit der Unterstützung meines ehemaligen Doktorvaters ist der Wie dereinstieg in das Berufsleben gelungen. Ich habe
ein Stipendium eingeworben und ein Jahr lang wieder in der Physik an der Hum boldtUniversität
gearbeitet. (...)

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Kerstin Sonnabend
05 / 2021 Seite 24

„Ich bin jeden Tag begeistert, wie nah wir am realen Leben sind.“

Dr. Armin Müller (34) arbeitet bei der Lidl Stiftung & Co. KG in Neckarsulm. Als Bereichsleiter bei Lidl Analytics unterstützt er andere Geschäftsbereiche beim Einsatz analytischer Methoden. Ziel ist es dabei, die Geschäftsprozesse des international agierenden Discounters zu optimieren – damit sich ein Einkauf bei Lidl für die Kunden lohnt.

Was waren Ihre Schwerpunkte im Studium?

Ich habe am Karlsruher Institut für Technologie studiert und für meine Diplomarbeit untersucht, wie Halbleiter-Nanopartikel auf Polymerstrukturen wachsen. Die Frage dahinter war, ob elektronische Strukturen auch ohne litho­graphische Verfahren herstellbar sind.

Haben Sie das in der Promotion ­vertieft?

Nein, ich habe nach dem Diplom bei einer Unternehmensberatung gearbeitet. Für die Promotion an der FernUniversität in Hagen war ich freigestellt und habe mich an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät mit Monte-Carlo-Verfahren befasst. (...)

 

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Alexander Pawlak
04 / 2021 Seite 26
Mitglieder

„Sammeln, bewahren, ausstellen, vermitteln und forschen“

Dr. Johannes-Geert Hagmann (39) suchte nach seiner Promotion eine neue Herausforderung außerhalb der akademischen Forschung. Die fand er im Deutschen Museum in München, wo er mittlerweile als Leiter der Haupt­abteilung Technik fungiert.

Was führte Sie an das größte Wissenschafts- und Technikmuseum der Welt?
Etwa nach der Hälfte der Promotion wurde mir klar, dass ich den Weg so nicht weiter gehen wollte. Ich habe dabei zwar viel gelernt, aber an immer engeren Fragestellungen gearbeitet. Zum Studium hatte mich der Wunsch gebracht, die Welt im großen Rahmen etwas besser zu verstehen. Ich habe dann am Seminar „PhysikerInnen im Beruf“ in Bad Honnef teilgenommen, um herauszufinden, was sich mit Physik außerhalb der Universität machen lässt.
Ergab sich dort direkt der Kontakt zum Museum?
Das war eher Zufall, denn kurz vor Abschluss meiner Promotion wurde eine Stelle am Deutschen Museum ausgeschrieben. Meine erste Bewerbung war eine Testbewerbung bei einer Unternehmensberatung, die zweite am Museum.
Hatten Sie eine Affinität dazu?
Ich hatte mir das zumindest näher angeschaut und habe gemerkt, dass die Aufgaben und Ziele der Museumsarbeit immer auch etwas mit Lehre zu tun haben. Das hat mich interessiert, weil ich immer schon gerne unterrichtet habe.
Auf was haben Sie sich konkret beworben?
Ausgeschrieben war eine Stelle als Kurator für die Physik-Abteilungen. Das war echtes Glück, denn die Fluktuation ist in diesem Bereich nicht sehr groß. (...)

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Maike Pfalz
01 / 2021 Seite 24
DPG-Mitglieder

„Bei mir arbeiten Kopf, Herz und Hände im Einklang.“

Nach der zehnten Klasse verließ Martin Schleske (55) die Schule und begann in Mittenwald eine Ausbildung zum Geigenbauer. Die anschließende Arbeit in einem schalltechnischen Labor veranlasste ihn, das Abitur nachzuholen, um Physik zu studieren. Seine Diplomarbeit schrieb er über die Eigenschwingungen im Werdegang einer Geige. Als Geigenbaumeister analysiert er seine Instrumente mit physikalischen Methoden.

Was hat Sie veranlasst, die Schule abzubrechen?
Zu der Zeit fand ich es langweilig, nur etwas Intellektuelles zu machen. Daher habe ich mich um eine Ausbildung zum Geigenbauer in Mittenwald beworben, als einer von 1200!

Aber dann hat Ihnen das doch nicht gereicht?
In der Ausbildung habe ich gemerkt, dass ich sehr viele Fragen habe, die ich nicht beantworten konnte. Aber ich hatte das Glück, dass der begnadete Akustiker Helmut Müller alle Tage nach Mittenwald kam, um uns etwas über Akustik beizubringen. Den habe ich mit meinen Fragen nach gutem Klang bombardiert. (...)

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Anja Hauck
12 / 2020 Seite 58
DPG-Mitglieder

„Ich habe der Physik nie den Rücken gekehrt“

Nach seiner Promotion an der TU Darmstadt ging Philipp Lang (36) zum European XFEL nach Hamburg und forschte auf dem Gebiet der Astroteilchen- und Plasmaphysik. Neben der Physik gilt seine zweite Leidenschaft dem Karate, das er seit betreibt und bei dem er Träger des 3. Dan (schwarzer Gürtel) ist.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Physik zu studieren?

Schon während der Grundschulzeit habe ich Sachbücher über das Sonnensystem oder über Magnetismus verschlungen. Daher war eigentlich immer klar, dass ich in diese Richtung gehen wollte. Ich habe in Darmstadt ein Physikstudium angefangen und dort auch promoviert.

Womit haben Sie sich dabei beschäftigt?

Ich habe bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt das Protonenmikroskop PRIOR mit aufgebaut und getestet. „Ich habe der Physik nie den Rücken gekehrt“

Wie ging es danach weiter?

Nach der Promotion war ich in Hamburg beim European XFEL in der Detektorentwicklung tätig und habe ein Projekt für einen ultraschnellen Röntgendetektor federführend vorangetrieben. Mit diesem Large Pixel Detector lassen sich Bilder von Prozessen wie chemischen Reaktionen aufnehmen.

Was hat Sie an dieser Arbeit fasziniert?Ich fand es schön, Teil eines internationalen Projekts zu sein und meinen Beitrag in der aktuellen Spitzenforschung zu leisten. (...)

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Maike Pfalz
10 / 2020 Seite 20
Mitglieder

„In der Industrie muss man in kurzer Zeit das optimale Ergebnis erzielen.“

Nach ihrer Promotion in theoretischer Teilchenphysik begann Susanne Kränkl (34) als Management Trainee bei Giesecke+Devrient, einem Konzern, der beispielsweise Lösungen zur Absicherung von Zahlungsvorgängen oder Identitäten anbietet. Seit Mai 2018 ist sie Produktmanagerin bei Veridos in München, einem Joint Venture von Giesecke+Devrient und der Bundesdruckerei.

Wie sind Sie auf das Traineeprogramm aufmerksam geworden?

Bei einem Berufsvorbereitungsseminar der DPG hat Silke Bargstädt-Franke die Firma Veridos und das Traineeprogramm vorgestellt. Das klang für mich spannend, weil es die Möglichkeit bot, verschiedene Bereiche der Firma kennenzulernen.

Also sind Sie direkt dort eingestiegen?

Vorher habe ich drei Monate bei einer Unternehmens­beratung gearbeitet und wegen des Traineeprogramms dort gekündigt. Bei Giesecke+Devrient hatte ich ein Telefoninterview und ein Assessment Center.

Wie verlief der Einstieg?

Ich war zunächst im Bereich Currency Technology, in dem es unter anderem um die Produktion und den Verkauf großer Banknoten-Bearbeitungsmaschinen geht. Die stehen beispielsweise bei Zentralbanken, um die Bank­noten daraufhin zu prüfen, ob sie im Geldkreislauf bleiben können oder vernichtet werden müssen.

Was waren Ihre Aufgaben?

Eine meiner Hauptaufgaben bestand darin, mir den Transport von Banknoten zwischen Zentralbank, kommerziellen Banken und dem Einzelhandel mithilfe von speziellen standardisierten Boxen anzusehen. Derzeit wird beim Transport viel Plastik verwendet, was nicht sehr umweltfreundlich ist und viel manuelle Arbeit erfordert. (...)

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Maike Pfalz
07 / 2020 Seite 42
DPG-Mitglieder

„Ich liebe den Reiz des Neuen.“

Nach ihrer Promotion in Grenoble begann Anne Kramer (53) zunächst als Softwareentwicklerin für Chipkarten-Testwerkzeuge bei Schlumberger Systems im Großraum Paris. Bereits zwei Jahre später wechselte sie dort ins Projektmanagement. Seit 2001 arbeitet sie als Senior Consultant und Projektleiterin bei der Firma sepp.med in der Nähe von Erlangen. In ihrer Freizeit hat sie mehrere Bücher verfasst.

Womit haben Sie sich im Physikstudium befasst?
In der Diplomarbeit habe ich die Transporteigenschaften keramischer Hochtemperatur-Supraleiter simuliert und zum ersten Mal selbst programmiert. Für die Promo­tion bin ich nach Grenoble gewechselt und habe mich mit theo­retischer Optik befasst.
Wie ging es danach weiter?
Mir war es wichtig, in Frankreich zu bleiben. Auf einer Jobmesse habe ich einen Recruiter kennengelernt, der ausländische Hochschulabgänger mit Informatikkenntnissen suchte. So habe ich bei Schlumberger angefangen.
Was waren Ihre Aufgaben?
Die Firma ist eher für ihre Ölfeld-Services bekannt, hat damals aber auch Chipkarten für Telefone und Bank­karten entwickelt. In dem Bereich fing ich als Tool-Entwicklerin an. Als der Projektleiter eine rechte Hand suchte, habe ich eine Teilprojektleitung übernommen. Zwei Jahre später bin selbst Projektleiterin geworden. Damals ging es um Kreditkartenlesegeräte.
Wofür waren Sie zuständig?
Dafür, dass die Hardware hergestellt und die Applika­tion geschrieben wird. Ich habe diese Aufgabe für Länder wie Südafrika, Luxemburg, Türkei und den deutschsprachigen Raum koordiniert. Das waren spannende, internationale Erfahrungen, aber 2000 gab es eine Zäsur für mich. (...)

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Maike Pfalz
05 / 2020 Seite 46
DPG-Mitglieder

„Der Weg vom Prototypen zum Produkt ist extrem weit.“

Nach ihrer Promotion in Biophysik erforschte Dr. Julia Zimmermann (42) die große Anwendungsbreite kalter Plasmen. 2011 gründete sie mit ihrem Vater die terraplasma GmbH, um kalte atmosphärische Plasmen in Feldern wie Medizintechnik, Hygiene, Wasseraufbereitung, Geruchsmanagement, Abgaskontrolle und Luftreinhaltung zu untersuchen.

Woher kommt Ihr Interesse für die Physik?

Mein Vater ist Physiker und hat mir Physik von klein auf anschaulich erklärt. Daher war ich in der Schule schon auf Mathe und Physik fixiert. Im Physikstudium haben mich allerdings viele auf meinen Vater angesprochen, deswegen wollte ich mich auf ein anderes Fachgebiet konzentrieren. Bei einem Praktikum in der Gruppe von Herrmann Gaub habe ich mein Interesse für die Bio­physik entdeckt.

Also sind Sie in der Biophysik geblieben?

Das war genau meine Welt. Ich bin immer gern ins Labor gegangen und fand die Zusammenarbeit zwischen Physikern, Biologen und Chemikern sehr spannend.

Wie ging es nach der Promotion weiter?

Ein halbes Jahr habe ich an der LMU München Wissenschaftsmanagement gemacht. Allerdings war das nichts für mich: Ich habe immer nur zugesehen, wie andere tolle Forschung machen, konnte aber selbst nicht forschen. Deswegen habe ich mir eine Postdoc-Stelle gesucht und bin dann letztlich doch bei meinem Vater am Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik gelandet. (...)

 

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Maike Pfalz
03 / 2020 Seite 28
DPG-Mitglieder

„Ohne Promotion könnte ich mit Kunden nicht auf Augenhöhe reden.“

Schon in der Jugend erwachte in Dr. Dirk Meier (50) das Interesse für Elektronik und Computing. Während der Promotion arbeitete er an der elektronischen Auslese verschiedener Detektoren und nutzte dazu Produkte von Integrated Detector Electronics AS (IDEAS). Seit zwei Jahren ist er dort als Chief Technology Officer für internationale Kunden verantwortlich.

Was war das Thema Ihrer Doktorarbeit?

Ich habe mich am CERN mit Diamanten für strahlenharte Detektoren beschäftigt. Mein Arbeitsgruppenleiter hatte Anfang der 1990er-Jahre zusammen mit einem Ingenieur die Firma IDEAS gegründet, um eine selbst entwickelte Ausleseelektronik in der Nuklearmedizin anzuwenden und zu kommerzialisieren. Mit dieser Elektronik habe ich Diamanten auf ihre Detektionsfähigkeit hin untersucht.

So kam der Kontakt zu IDEAS zustande?

Genau. Ich war auch für ein paar Monate in Oslo, um dort Messungen zu machen. Nach der Promotion habe ich an der University of Michigan gearbeitet und parallel als Berater für IDEAS. Am CERN habe ich die Elektronik von IDEAS getestet, bevor ich sie im Handgepäck mit in die USA genommen habe, um dort damit zu messen.

Worauf ist IDEAS spezialisiert?

Auf das Design integrierter Schaltkreise für wissenschaftliche Experimente. Wir versuchen aber auch immer, unsere Elektronik auf wirtschaftlich bedeutende Projekte zu transferieren. 2006 hat eine amerikanische Firma IDEAS aufgekauft und unsere Elektronik für die Brustkrebsfrüherkennung vermarktet. 2013 ging diese Firma pleite, aber Kunden in der Dosimetrie haben wir immer noch. Hauptsächlich arbeiten wir aber mit Wissenschaftlern.

Können Sie ein Beispiel geben?

Wir arbeiten an Elektronik für geplante Copernicus-Missionen. Eine zielt darauf ab, den anthropogenen CO2-Gehalt in der Erdatmosphäre zu überwachen. Dafür entwickeln wir die Elektronik, um Fokalebenen-Arrays auszulesen. (...)

 

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Anja Hauck
02 / 2020 Seite 24
Mitglieder

„Das war der Moment, in dem ich mich entscheiden musste.“

Seinen ersten Roman veröffentlichte Dr. Ulrich Woelk (59) bereits während seiner Promotion in Astrophysik. Seither sind zahlreiche weitere hinzugekommen. Darüber hinaus schreibt er für verschiedene Zeitschriften und für das Fernsehen. Auch Theaterstücke und Hörspiele gehören zu seinem Werk.

Warum sind Sie Schriftsteller geworden?

Das werde ich häufig gefragt, aber eine richtig knackige Antwort habe ich bisher nicht gefunden. Im Grunde habe ich mich zwar schon immer für die Physik und speziell für die Astrophysik und die Sterne interessiert, aber eben auch für Kulturelles und für Literatur. Irgendwann ist bei mir die Idee aufgekommen, selber zu schreiben.

Womit haben Sie angefangen?

Während des Studiums gehörte ich zu einer Kabarett­gruppe, für die ich Texte geschrieben habe. Nach dem Diplom hatte ich die Idee für meinen ersten Roman, der zum Teil biografisch motiviert ist. Die Hauptperson ist ein Physiker, der sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt. Wenn man sich mit einem solchen Projekt auf den Weg macht, weiß man natürlich nicht, ob das am Ende zu etwas führt.

Sie haben das Schreiben zunächst nebenher verfolgt?

Nach meinem Diplom 1987 habe ich ein Jahr ausgesetzt, um mich nur dem Romanprojekt zu widmen. Danach war es zwar noch nicht ganz fertig, aber ich habe in Berlin trotzdem angefangen zu promovieren. Das Buch habe ich nebenbei fertig geschrieben und an verschiedene Verlage geschickt. (...)

 

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Maike Pfalz
01 / 2020 Seite 30
DPG-Mitglieder

„Jeder Fall bietet ein neues Rätsel.“

Nach seinem Physikstudium und einem Jahr als wissenschaftlicher Mitarbeiter trat Manuel Knab (31) eine Stelle beim Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) an, das deutschlandweit mehr als 60 Mitarbeiter beschäftigt. Dort ist er als Gutachter für Brand- und Leitungswasserschäden tätig.

Wie kamen Sie zur Schadenforschung?

Ich habe mich schon immer für forensische Fragestellungen interessiert und hatte Spaß daran, komplexe Probleme zu lösen. Daher hatte ich bei Landeskriminal­ämtern nach Stellen für Physiker geschaut und dabei durch Zufall eine Ausschreibung des IFS gefunden, dem Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung.

Was sind die Aufgaben des IFS?

Eine Aufgabe ist die Ermittlung von Schadenursachen bei Brand- oder Leitungswasserschäden. Chemiker bei uns beschäftigen sich auch damit, Sanierungskonzepte nach Brand- oder Schimmelschäden zu erstellen. Der andere Teil ist die Schadenverhütung. Mit Veröffent­lichungen machen wir auf Brandgefahren aufmerksam, um damit Schäden vorzubeugen. 

Wie sah Ihr Einstieg beim IFS aus?

Beim IFS gibt es eine einjährige Einarbeitungszeit, in der man an verschiedenen Standorten hospitiert. Ich war zunächst in Kiel, später neben meinem ursprünglichen Hauptstandort Berlin in München, Stuttgart und Wies­baden. Am Anfang begleitet man erfahrene Gutachter zu Schadenfällen, um zu lernen, wie sie vorgehen und welche Schritte zu einer Ermittlung dazugehören. Außerdem liest man Gutachten zu älteren Schäden, um daraus zu lernen. Nach und nach übernimmt man selbst Verantwortung. (...)

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Barbara Lubienski
11 / 2019 Seite 24

„Physik ist als gedankliches Werkzeug Dreh- und Angelpunkt.“

Nach seiner Promotion entschied sich der ausge­bildete Tänzer, Diplom-Physiker und promovierte Philosoph Marco Wehr (58) für die Selbstständigkeit. Seitdem arbeitet er als Dozent, Autor und Journalist zu Themen wie Komplexität im digitalen Zeitalter, Lebenskunst, Bildung und Lernen. Unter dem Pseudonym Marco Marçal betreibt er eine Tanzschule in Tübingen und arbeitet als Tanzlehrer und Choreograph.

Seit wann unterrichten Sie Tanz?

Ich unterrichte seit fast 40 Jahren. Relativ schnell konnte ich mit Tanzauftritten und Unterricht mein Studium teilweise finanzieren.

Was hat Sie bewogen, Physik zu studieren?

Ich habe Physik aus philosophischem Interesse studiert und daher Philosophie als Zweitfach gewählt.

Womit haben Sie sich in Ihrem Studium hauptsächlich beschäftigt?

Mit Informations­verarbeitung in Nervensystemen. Das ist nach wie vor ein Arbeitsschwerpunkt von mir. Mich interessiert besonders die Beziehung von Körper und Denken. Ein anderes wichtiges Thema ist Berechenbarkeit und Vorhersagbarkeit. Deshalb habe ich auch lange zur Chaostheorie geforscht. (...)

 

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Maike Pfalz
10 / 2019 Seite 50

Porträt: „Physiker haben bei uns im Unternehmen eine besondere Tradition.“

Schon in der Schulzeit erwachte bei Prof. Dr. Michael Kaschke (62) das Interesse an der Laserphysik. Auch in Promotion und Habilitation widmete er sich diesem Thema. 1992 startete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei ZEISS. 2000 wurde er in den Vorstand berufen, dessen Vorsitzender er seit 2011 ist. 2009 wurde er Honorarprofessor an der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik des Karlsruher Instituts für Technologie, wo er regelmäßig Vorlesungen, unter anderem zur Medizintechnik, hält.

Wieso haben Sie Physik studiert?


Physikalische Phänomene haben mich schon immer interessiert, und zu meiner Schulzeit setzte sich der Laser in technischen Anwendungen mehr und mehr durch. Das war für mich ein Grund, in Jena zu studieren. Die dortige Universität hat einen sehr guten Ruf, speziell in der Laserphysik.


Mit welchen Themen haben Sie sich während der Promotion beschäftigt?


Mit der Erzeugung ultrakurzer Lichtpulse und deren Vermessung. Später in der Habilitation habe ich diese Pulse genutzt, um schnelle Vorgänge in Molekülen zu vermessen, also Ultrakurzzeit-Spektroskopie zu betreiben.


Wieso haben Sie sich gegen die Karriere in der Wissenschaft entschieden?


Ich hatte die Gelegenheit, als Invited Visiting Scientist am IBM Research Center in den USA zu arbeiten. Dort habe ich erste Industrieluft geschnuppert. Zurück in Deutschland war mir klar, dass ich Forschung und Wissenschaft mit mehr Anwendungsnähe betreiben möchte. ZEISS bot mir diese Möglichkeit und passte auch inhaltlich genau zu meinen Interessen...

 

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Maike Pfalz
09 / 2019 Seite 24

„Das Wichtigste ist die andere Denkweise.“

Direkt im Anschluss an seine Promotion in der Biophysik wagte Dr. Valentin Kahl (48) den Sprung in die Selbstständigkeit. Zusammen mit Roman Zantl, Joa­chim Rädler und Ulf Rädler gründete er die ibidi GmbH, die nach dem Leitsatz „cells in focus“ unterschiedliche Produkte anbietet, um Zellen in natürlicher Umgebung untersuchen zu können. Heute hat das Unternehmen 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und beliefert mehr als 40 000 Kunden in über 40 Ländern.

Woher kam bei Ihnen das Interesse an der Biophysik?

Mir ging es um die Frage: Was kann die Physik dazu beitragen, die Biologie zu verstehen? Bei dem Thema war der Lehrstuhl von Herrn Sackmann an der TU München führend, deswegen bin ich nach dem Studium von Heidelberg nach München gewechselt und habe mich dort in der Arbeitsgruppe von Joachim Rädler mit lipidmembrangestützter Mikroelektrophorese beschäftigt.

Wann kam die Idee zur Unternehmensgründung?

Während der Promotion habe ich viele kleine Kammern gebastelt für meine Experimente. Die Kammern hatten einen Glasboden, an den wir recht aufwändig verschiedene Konstruktionen geklebt haben, um Kanäle zu erzeugen. Damals kamen Kunststoffe auf mit den gleichen optischen Eigenschaften wie Glas, die aber viel besser zu verkleben sind.

Und war das so?

Im relevanten Wellenlängenbereich war der Kunststoff tatsächlich genauso gut wie Glas. Deswegen sind wir dazu übergegangen, Plastikkämmerchen zu bauen. Mein Betreu­er Joachim Rädler, mein Kollege Roman Zantl und ich haben schnell gesehen, dass diese Kunststoff­kammern für die Zelldiagnostik sehr vielversprechend sind. Am Ende war der Wille entstanden, eine Firma damit zu gründen, um Werkzeuge für die Lebendzellforschung zu schaffen.

Wie sind Sie die Ausgründung angegangen?

Der Münchner Businessplanwettbewerb hat uns dazu motiviert einen eigenen Businessplan zu schreiben. Allerdings wollte ich zunächst meine Doktorarbeit abschließen. 2001 ging es der New Economy schon wieder schlechter, sodass es schwieriger wurde, an Startkapital zu kommen. (...)

 

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Anja Hauck
07 / 2019 Seite 22

Porträt: „Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust.“

Dr. Urs Stöcker (42) hat Physik an der ETH Zürich studiert und dort im Fachgebiet Biomechanik promoviert. Anschließend arbeitete er zwei Jahre als Postdoc und Privatdozent. Nach Stationen als Softwareentwickler und Trainer des schweizer Kletterkaders betreut er seit 2017 als Bundestrainer das deutsche Nationalteam im Klettern.

Sie waren Physikdozent an der Hochschule und arbeiten heute als Klettertrainer – wie kam das?
Ich habe schon während des Studiums angefangen, als Trainer zu arbeiten und Gruppen zu unterrichten. In der Schweiz habe ich dann den Landeskader trainiert. Dabei habe ich gemerkt, dass ich sehr gerne mit Menschen zusammenarbeite und dass das Trainieren neben der Physik meine Leidenschaft ist.  


Wollten Sie selbst Kletterprofi werden?
Alpinprofi zu werden habe ich mir kurzzeitig überlegt. Aber zum ­einen ist das Risiko dabei sehr hoch und zum anderen war es mir wichtiger, als Trainer im Sport mein Wissen weiterzugeben.


Was reizt Sie daran?
Die Leistung und ihre Messbarkeit. Entweder hat man Erfolg oder nicht. Die Athleten müssen auf den Punkt genau fit sein. Das geht nur mit extrem akribischer Planung. Nach jedem Wettkampf machen wir Analysen, um zu schauen, was wir beim nächs­ten Mal noch verbessern können...

 

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Maike Pfalz
06 / 2019 Seite 26

„Physiker sind die Allzweckwaffe.“

Aus Interesse für Astronomie studierte Dr. Judith Wild (33) an der Universität Bonn Physik mit Nebenfach Astronomie. In Diplom- und Doktorarbeit spezialisierte sie sich auf die Medizinphysik. Während der Promotion bekam die junge Physikerin zwei Kinder und suchte anschließend einen Job mit Perspektive in der Region Bonn. So bewarb sie sich beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), wo sie seit Ende 2017 als Referentin im Bereich Prüfsysteme für hoheitliche Dokumente arbeitet.

Wie kamen Sie auf das BSI?

Für mich gab es an der Uni aufgrund der befristeten Arbeitsverträge keine Zukunft. Auf das BSI wurde ich durch einen ehemaligen Kommilitonen aufmerksam, der dort angefangen hatte. Daraufhin habe ich mir die Stellenausschreibungen angeschaut und mich beworben.

Offenbar mit Erfolg.

Ich habe eine Stelle als Referentin in einem Bereich bekommen, in dem ich mit Grenzkontrolle zu tun habe.

Das ist thematisch ja etwas völlig Neues.

Ich habe in den ers­ten Wochen tatsächlich nicht viel verstanden – trotz des naturwissenschaftlichen Umfelds. In viele Themen habe ich mich neu einarbeiten müssen, beispielsweise in Datenbankanalyse und deren Programmierung. (...)

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Maike Pfalz
05 / 2019 Seite 24

„Technologie und Innovation liegen im Herzen der Deutschen Telekom. “

Direkt nach Abschluss des Physikstudiums wechselte Claudia Nemat (50) zur Unternehmensberatung McKinsey & Company – eigentlich mit dem Ziel, in kurzer Zeit verschiedene Bereiche der Industrie kennenzulernen. Sie blieb 17 Jahre, bevor sie 2011 in den Vorstand der Deutschen Telekom AG berufen wurde.

Wie kamen Sie damals zu McKinsey?

Durch Zufall. McKinsey hat im Institut für theoretische Physik der Uni Köln einen Workshop veranstaltet und Studierende aller Fachrichtungen eingeladen. Fasziniert hat mich, dass in der Unternehmensberatung Menschen aus Physik, Mathematik, Biologie, Chemie, BWL, Musik oder Philosophie zusammenarbeiten. Das fand ich so anregend, dass ich mich aus Neugierde beworben habe.

Und Sie sind lange geblieben…

Ursprünglich wollte ich mir nach zwei, drei Jahren etwas anderes suchen. Aber dann hat mir der Job so viel Freude gemacht, dass ich geblieben bin.
Würden Sie den Berufseinstieg über die Unternehmensberatung generell empfehlen?
Für jemanden, der allgemein an vielen Dingen interessiert ist und noch nicht genau weiß, was er machen möchte, bietet die Unternehmensberatung einen sehr guten Einstieg. Dort entwickelt man sich schnell weiter und lernt innerhalb kürzester Zeit sehr unterschiedliche Dinge.

Nämlich?

Problemlösen in der Praxis. Außerdem lernen junge Consultants früh unterschiedlich große Unternehmen der verschiedensten Branchen kennen – sei es Finanzwesen, Telekommunikation oder Hightech.

Wen haben Sie beraten?

Beispielsweise Telekommunikationsunternehmen in der ganzen Welt, aber auch SAP, Siemens, Venture Capital Funds oder Automobilhersteller.
2011 wurden Sie in den Vorstand der Telekom berufen. Was hat Sie daran gereizt?
Ich hatte schon vorher Jobs im Krisenmanagement bei der Deutschen Telekom übernommen. 2004 war beispielsweise ein großes IT-Projekt, bei dem es darum ging, ein System zur Auszahlung von Arbeitslosengeld zu entwickeln, auf einen kritischen Pfad geraten. Daraufhin hatte mich der damalige Vorstandsvorsitzende der Telekom angerufen. Ich bin ein sehr praktisch anpackender Mensch, deswegen hat es mich gereizt, auf Dauer Projekte durchzuführen statt nur Rat zu geben. Das kam aber nicht plötzlich, sondern hat sich über die Jahre entwickelt. 

War es für Sie von Vorteil, dass Sie die Telekom schon kannten?

(...)

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Maike Pfalz
04 / 2019 Seite 24

„Wir verschieben die Grenzen des technisch Machbaren.“

Bei der Robert Bosch GmbH hat Dr. Volkmar Denner (62) eine Bilderbuchkarriere hingelegt: Vom Fachreferent stieg der Physiker bis zum Vorsitzenden der Geschäftsführung auf.

Wie kamen Sie damals zu Bosch?


Nach meiner Promotion wäre ich gerne Professor für theo­retische Physik geworden. Aber zu der Zeit gab es an der Universität nur befristete Stellen. Da ich eine Familie gründen wollte, schien mir das keine solide Basis zu sein. Bosch bot mir die Möglichkeit, in der Halbleitertechnologie an vorderster Front der Technik zu arbeiten, und so habe ich den Wechsel in die Industrie gewagt.


Das war ein ziemlicher Sprung von der theo­retischen Physik in die Halbleiterentwicklung…


Ich hatte im Studium Halbleitertechnik als Wahlfach und somit Berührung zu dem Thema. Meine ersten Arbeiten bei Bosch waren zudem Simulationen von Halbleiterprozessen. Das war ähnlich zu dem, was ich an der Universität gemacht hatte.


Was waren Ihre wichtigsten beruflichen Stationen?


Ich habe als Fachreferent in der Mikroelektronik begonnen. Anschließend habe ich den Geschäftsbereich gewechselt und mich mit Motorsteuerungen für Benzinmotoren beschäftigt. Später habe ich den Bereich Automotive Electronics geleitet, bis ich 2006 in die Geschäftsführung berufen wurde. Seit 2012 bin ich deren Vorsitzender. Ich habe bei Bosch sämtliche Führungsstufen durchlaufen – mit der Mikroelektronik als rotem Faden. (...)

 

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Alexander Pawlak
03 / 2019 Seite 32

„Die Bibliothek hatte ich gar nicht auf dem Schirm.“

Dr. Bastian Drees (36) hat Physik in Münster studiert und an der Uni Heidelberg in Biophysik promoviert. Anschließend absolvierte er das Bibliotheksreferendariat an der Technischen Informationsbibliothek (TIB) in Hannover, wo er seit 2016 in der Abteilung Forschung und Entwicklung arbeitet.

War für Sie klar, dass Sie nach der Promo­tion die Forschung verlassen wollten?
Zu Anfang der Promotion konnte ich mir noch gut vorstellen, in der Wissenschaft zu bleiben, habe mich aber wegen der oft unsicheren Aussichten dagegen entschieden. Das „publish or perish“ hat mich von einer akademischen Laufbahn abgeschreckt. Stattdessen hat sich mein Interesse für das Publikationswesen entwickelt, etwa in Bezug auf die Auffindbarkeit oder Open Access. Die Bibliothek hatte ich als Arbeitsplatz gar nicht auf dem Schirm.


Wie ergab sich das trotzdem?
Über einen Vortrag „Nach der Promotion in die Bibliothek“ im Rahmen der Heidelberger Graduierten-Akademie. Das war für mich ein Aha-Erlebnis. Danach wusste ich, was ich machen will.


Und wie sind Sie auf die TIB gestoßen?
Ich habe mich nach der Promotion um ein Bibliotheksreferendariat bemüht. Die Stellen sind deutschlandweit recht begrenzt. Die TIB suchte speziell jemanden mit Physikabschluss. Das hat einfach gepasst, zumal die TIB für die Naturwissenschaften eine sehr gute Adresse ist...

 

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Maike Pfalz
02 / 2019 Seite 40

„Ich verstehe auch die Computernerds, weil ich mich selbst dazuzähle."

Schon während des Physikstudiums gründete Hartmut Sprave (51) zusammen mit seinem Bruder ein erfolgreiches Unternehmen. Nach dem Verkauf der Firma war Sprave mehrere Jahre bei der Loewe Technologies GmbH tätig, bevor er im letzten Jahr zur MOBOTIX AG wechselte. Das Softwareunternehmen bietet digitale und netzwerkbasierte Videoüber­wachungsanlagen an.

Woher kommt bei Ihnen das Interesse an der Technik?


Als ich elf Jahre alt war, hat mein Vater meinen beiden Brüdern und mir einen Computer geschenkt. Heute ist das nichts Besonderes, aber 1978 war das außergewöhnlich. Ich habe dadurch früh angefangem, selbst zu programmieren. Mit 13 Jahren habe ich für das Elektronikgeschäft meines Vaters eine Lagerverwaltung entwickelt. Die ers­ten Kundenprojekte folgten zwei, drei Jahre später.


Worum ging es dabei?


In den Ferien habe ich in der Firma meines Vaters mitgearbeitet und insbesondere die Softwareprogrammierung übernommen. Für Melitta haben wir damals die erste Kaffeemaschine mit Brühprofil gebaut oder für den Automobilzulieferer Eberspächer eine Standheizung programmiert...

 

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Kerstin Sonnabend
01 / 2019 Seite 28

„Die meiste Arbeit passiert abseits der Bildschirme!“

Dr. Angela Halfar (37) hat in Heidelberg Physik und Mathematik studiert, um Lehrerin zu werden. Nach dem ersten Staatsexamen promovierte sie – und sammelte erste Erfahrungen als Moderatorin mit der Wissenschaftsshow Stella Nova. Später trat sie als Wissenschaftsexpertin bei ProSieben und Sat.1 auf.

Hatten Sie schon immer den Wunsch, Moderatorin zu werden?

Ganz und gar nicht – ich wollte immer Lehrerin werden. Das war mein Berufsziel, deswegen musste ich nach dem Abitur nicht lange überlegen, was ich studieren möchte. Aber kurz vor dem ersten Staatsexamen hat mich die Realität eingeholt.

Inwiefern?

Während der Vorbereitung zum Examen habe ich als Aushilfslehrerin gearbeitet. Damals herrschte großer Mangel an Physik- und Mathematik-Lehrern. Ich sollte drei Kurse zum Abitur führen – das hat mich überfordert. So kam mein Kindheitswunsch, Lehrerin zu werden, ins Wanken.

Warum dann eine Promotion?

Weil damit der Weg in Industrie und Wirtschaft offensteht – und man nicht mehr auf eine Laufbahn an der Schule festgelegt ist. Ich wollte die Zeit aber auch als Findungsphase nutzen. Ich hatte vorher nie über eine Alternative zum Lehrerberuf nachgedacht. (...)

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Maike Pfalz
11 / 2018 Seite 54

„Wir sind alle Spielkinder.“

Nach der Promotion und einer mehrjährigen Postdoc-Phase beschloss Dr. Jürgen Rink (55), der Forschung den Rücken zu kehren: Mit 33 Jahren begann er ein Volontariat bei der c’t, die der Verlag Heise Medien in Hannover herausgibt.

Wie sind Sie zum Journalismus gekommen?
Während meiner Postdoc-Zeit in England bekam ich die Möglichkeit, für eine populärwissenschaftliche Zeitschrift zu schreiben. Das hat mir viel mehr Spaß gemacht, als aktiv zu forschen. Ich habe dann noch ein Jahr in Marseille gearbeitet und mich zurück in Deutschland intensiv um den Einstieg in den Fachjournalismus bemüht.
… und sind beim Heise Verlag in Hannover gelandet.
Richtig, dort habe ich 1996 ein Volontariat bei der c’t begonnen. Das erste halbe Jahr hat mich mehr gefordert als das gesamte Studium. Für mich war unbegreiflich, wie man innerhalb eines Monats ein Gerät testen und darüber schreiben kann. Mein Zeithorizont für ein Experiment betrug eher drei Jahre...

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Mit Vince Ebert sprach Anja Hauck
10 / 2018 Seite 26

„Ich bin der Typ, der Physik lustig erklärt.“

Seit rund 20 Jahren bringt der Diplomphysiker Vince Ebert die Menschen als Wissenschaftskabarettist zum Lachen und Nachdenken.*) Neben seinen Bühnenprogrammen tritt er auch regelmäßig im Fernsehen auf, beispielsweise als Moderator der ARD-Sendung „Wissen vor acht“, und engagiert sich für naturwissenschaftliche Bildungsprojekte.

Warum haben Sie ursprünglich mal Physik studiert?

Physik ist mir schon in der Schule leichtgefallen, und im Studium habe ich nach und nach erkannt, was man in der Physik und in den Naturwissenschaften eigentlich macht.

Nämlich?

Es geht eben nicht nur um Rechnungen und Formeln. Mich hat fasziniert, dass die großen physikalischen Theorien immer auch philosophische Fragen beinhalten. ­Etwa wenn man sich in der Quantenmechanik fragt: Was ist Zufall, oder ist das Leben determiniert? Oder wenn in der Kosmologie die Frage gestellt wird, wie alles angefangen hat. Zu versuchen, diese großen Fragen mit naturwissenschaftlichen Methoden einigermaßen zu beantworten, macht für mich die große Faszination an dem Fach aus...

 

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Maike Pfalz
10 / 2018 Seite 28

Viel Wind um die Energie

Abschaltung der Kernkraftwerke, Ausbau erneuerbarer Energien, Vermeidung fossiler Energieträger, Reduktion von CO2-Emissionen, Energiesparen oder Elektromobilität – all dies und noch viel mehr ist untrennbar mit der Energiewende verbunden. In Deutschland ist sie längst beschlossen, so sollen laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bis 2025 mindestens 40 bis 45 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuer­baren Energien stammen. Mit diesen Umwälzungen der Energiebranche wandeln sich auch die Aufgaben, die Physikerinnen und Physiker dort übernehmen können: Waren sie früher häufig Experten für den Strahlenschutz in Kernkraftwerken, so optimieren sie heutzutage den Wirkungsgrad von Solarzellen, entwickeln Konzepte für intelligente Stromnetze oder klären mit ihrem physikalischen Hintergrundwissen über Klimaschutz und Energieverbrauch auf.

Diese Veränderungen hat die Physikerin Dagmar Hallfarth hautnah miterlebt – nach über zwanzig Jahren Tätigkeit in verschiedenen Kernkraftwerken ist sie Anfang des Jahres zu einem Netzbetreiber gewechselt. Ihrem Vater zum Trotz hat sie Physik studiert: „Der ist auch Physiker und hat mir immer davon abgeraten“, lacht sie. Nach dem Studium, das sie voller Begeisterung absolviert hat, entschied sie sich bewusst gegen eine Promotion. „Für mich war es unvorstellbar, fünf weitere Jahre lang an einem Thema zu arbeiten. Ich brauche wechselnde Herausforderungen mit Praxisbezug“, gibt sie zu. Über eine Tätigkeit als Werkstudentin landete sie bei der Urananreicherungsanlage in Gronau, wo sie sich mit der Frage beschäftigte, ob die Nuklide außerhalb der Anlage in der Umgebung massenspektrometrisch messbar sind. „Das war für mich ein sehr spannender Einstieg in die Kerntechnik“, sagt Hallfarth. Nachdem das Interesse an diesen Fragestellungen geweckt war, bewarb sie sich auf eine Stellenausschreibung im Kernkraftwerk Krümmel.

 

Dort war sie zuständig für den gesamten Aktivitätsfluss in der Anlage – vom Brennelement über den Wasser- und Dampfkreislauf, die Abluft-, Immissions- und Emissionsüber­wachung bis hin zur Dichtheitsprüfung beim Wechsel der Brennelemente. „Die Stelle war für mich ein Sechser im Lotto! Mit nur 26 Jahren durfte ich direkt nach dem Studium drei Labore und zwei Teams leiten“, betont sie. Zehn Jahre lang verantwortete sie in Krümmel den Strahlen- und den Notfallschutz. Innerhalb weniger Minuten hätte sie im Katastrophenfall eine komplette Dosisberechnung für die Bevölkerung abliefern können...

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Alexander Pawlak
09 / 2018 Seite 30

„Man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen.“

Der promovierte Physiker Florian Freundt (35) arbeitet als Postdoc an der Universität Heidelberg. Schon seit Beginn seines Studiums ist er begeisterter Fotograf. Seine Leidenschaft hat er als professioneller Hochzeitsfotograf mittlerweile zu seinem zweiten beruflichen Standbein gemacht.

Wie kamen Sie zur Physik?

Durch einen Lehrer, der einfach Begeisterung für Physik erzeugt hat. Ich war weder besonders gut noch familiär vorgeprägt, aber mir war völlig klar: Ich will etwas mit Physik studieren. Daher bin ich nach Heidelberg gegangen, um dort Physik mit dem Ziel Astronomie zu studieren.

Haben Sie das aufgegeben?

v schnell erkannt, dass Astronomie heutzutage mehr Datenauswertung ist und nichts mit der romantischen Vorstellung zu tun hat, dass man noch selbst mit dem Teleskop arbeitet. Das war doch nichts für mich. Ich brauche eher etwas Praktisches.

Haben Sie das im Physik-Studium gefunden?

Ja, in der Umweltphysik, wo ich im letzten Jahr promoviert habe. Das ist ganz mein Ding: angewandte Physik kombiniert mit praktischer Feldarbeit. Da spielt man auch mal im Matsch herum.(...)

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Kerstin Sonnabend
07 / 2018 Seite 30

„So ein Moment stellt das ganze Leben auf den Kopf!“

Der Physiker Jan Fitschen (41) studierte noch in Bochum, als er 2006 in Göteborg überraschend Europameister über 10 000 Meter wurde. Seine Erfahrungen aus Leistungssport und Studium nutzt er heute als freiberuflicher Motivations- und Laufcoach.

Können Sie sich noch an den Sieglauf in Göteborg erinnern?
Vor allem an die vielen Attacken und Tempoverschärfungen – als sich zwei Runden vor Schluss eine Lücke zu den Führenden auftat, dachte ich erst, das war‘s. Aber der Abstand blieb konstant – die waren nicht schneller als ich. Da war mir klar, wenn ich jetzt das Tempo anziehe, kann ich die Lücke schließen. Und als ehemaliger Mittelstreckler habe ich den besseren Sprint…


Wie auf der Zielgeraden...
Ja, da läuft man fast zehn Kilometer und am Ende entscheidet sich alles auf hundert Metern. So ein Rennen vergisst man nie! ...

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Maike Pfalz
05 / 2018 Seite 46

„Hier steht einem die ganze Welt offen.“

Der Physiker Dr. Christian Aulbach (41) hat sich nach Abschluss seines Studiums in Augsburg für eine Diplomatenkarriere im Auswärtigen Amt entschieden. Nach Stationen in den USA und Indien ist er nun in Berlin und gespannt darauf, wohin es ihn als nächstes verschlägt.

Was hat Sie bewogen, sich beim Auswärtigen Amt zu bewerben?

Während des Studiums hat sich herauskristallisiert, dass ich thematisch breit arbeiten möchte und ein großes Interesse am internationalen politischen Geschehen habe. Die internationale Verständigung ist ein sehr hohes Gut, für das ich eintreten möchte.

Aber Ihr Studium der Physik haben Sie noch beendet?

Das habe ich mit Herzblut zu Ende geführt, aber mich währenddessen umgeschaut. Dabei habe ich von der Studienstiftung profitiert: Als Stipendiat bekam ich einige Sprachkurse finanziert sowie ein Praktikum beim Generalsekretariat der Vereinten Nationen in New York.

Worum ging es dabei?

Um Abrüstung. Dieses Thema war für mich eine Brücke zwischen der Physik und der Welt der internationalen Politik. Im Anschluss an das Studium habe ich das Stiftungskolleg für Internationale Aufgaben absolviert und ein Projekt zu möglichen Gefahren durch nuklearen Terrorismus bearbeitet. (...)

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Kerstin Sonnabend
04 / 2018 Seite 24

„Hier ist jeder Tag wie eine Fortbildung.“

Dr. Volkmar Dietz entschied sich am Ende seiner Promotion am Forschungszentrum Jülich für das VDI Technologiezentrum als Sprungbrett in die Industrie – und landete als Referent im heutigen Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Warum haben Sie die Grund­lagenforschung verlassen?

Während der Promotion habe ich gemerkt, dass ich in der Industrie angewandt forschen möchte. Ich wollte mich aber nicht auf eine Firma festlegen, sondern zuerst verschiedene kennenlernen. Ein Kollege hat mir das VDI Techno­logiezentrum als ideale Zwischenstation empfohlen.

Wieso das?

Anfang der 1990er-Jahre war das VDI Technologiezentrum Projektträger des damaligen Bundesministeriums für Forschung und Technologie. Dort wurden Ausschreibungen entwickelt, Anträge bearbeitet und die resultierenden Projekte betreut. Im Bereich Physikalische Technologien ging es beispielsweise um optimale Beschichtungen von Ober­flächen. Bei meiner Arbeit wollte ich Kontakte zu Unternehmen knüpfen...

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Anja Hauck
03 / 2018 Seite 30

Porträt: „Das Bergsteigen ist meine Leidenschaft“ 

Alexander Huber (49) ist Kletterer und Bergsteiger. Seit frühester Kindheit ist er in den Bergen unterwegs und hat zahlreiche Expeditionen in die verschiedensten Regionen der Welt unternommen, oft gemeinsam mit seinem Bruder Thomas. Kurz nach dem Physik­diplom entschied er sich für einen Berufsweg außerhalb der Wissenschaft. Als Sportkletterer und Bergsteiger hat er neue Maßstäbe gesetzt, unter anderem mit vielen Erstbegehungen.

Wie sind Sie zum Klettern gekommen?

Ich bin in den Bergen aufgewachsen, außerdem haben wir sehr bergbegeisterte Eltern, die meine beiden Geschwister und mich schon früh in die Welt der Berge mitgenommen haben. Richtig mit dem Klettern angefangen habe ich aber erst mit 15. Während der Schul- und Studienzeit sind mir auch mehrere Erstbegehungen ­gelungen.

Sie haben sich für ein Physikstudium entschieden. Warum?

Eigentlich wollte ich Medizin studieren und habe deswegen zwei Jahre beim Rettungsdienst gearbeitet. Aber die Arbeitsbedingungen sind dort sehr schlecht. Da mich die Naturwissenschaften damals begeistert haben und mir auch gut lagen, habe ich mich dann für Physik entschieden.

Was war Ihr Berufsziel?

Ich habe davon geträumt, auf der Neumayer-Station in der Antarktis zu arbeiten. Deshalb wollte ich nach dem Studium zunächst in der Wissenschaft bleiben. Allerdings wusste ich damals schon, dass ich das nicht mein ganzes Leben machen will. (...)

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Maike Pfalz
02 / 2018 Seite 36

Porträt: „Man schafft etwas von Dauer.“ 

Andreas Philipp, der 1990 sein Physik-Diplom gemacht hat, ist nicht in einem typischen Physikerberuf zuhause. Stattdessen besteigt er regelmäßig Glockentürme und prüft die Glocken, Klöppel und Läuteanlagen auf Klang und ihren allgemeinen Zustand. Seit 20 Jahren sorgt er als Glockensachverständiger in Niedersachsen für wohlklingendes Kirchengeläut.

Wie sind Sie zu den Glocken gekommen?

Ich bin schon als Kind immer gern beim Einläuten des Sonntags dabei gewesen. Als Jugendlicher habe ich angefangen, Daten über die Glocken bei den Pfarrämtern anzufragen – allerdings mit durchwachsener Ausbeute. Viele sind nicht gut über ihre Glocken informiert. Daraufhin bin ich selbst in die Türme gestiegen und habe die Archive durchwühlt. Insofern habe ich mich schon vor dem Physikstudium mit Glocken beschäftigt.

Und wieso dann das Physik­studium?

Das Fach fand ich in der Schule immer spannend. Das Interesse an den Glocken habe ich aber nie verloren. Nach dem Studium habe ich daher eine Ausbildung zum Glockensachverständigen angeschlossen.

Was lernt man dabei?

Alles rund um die Glocke, die Technik von Läuteanlagen und die Stabilität von Glockentürmen. Der wissenschaftliche Teil, die Glockenkunde, umfasst auch die Musik und die Inschriftenkunde. Um das musikalische Rüstzeug zu lernen, hatte ich damals Kurse an der Kirchenmusikhochschule in Heidelberg.

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Maike Pfalz
12 / 2017 Seite 42

„Das ist wie Schatzsuche!“

Dr. Maren Walter hat Physik und Ozeanografie studiert und fährt als beobachtende Ozeanografin regelmäßig auf verschiedenen Forschungsschiffen zur See. Sie hat bereits an 24 Fahrten teilgenommen, die jeweils zwischen drei und sechs Wochen dauerten. Wenn sie nicht auf hoher See ist, arbeitet sie als Wissenschaftlerin an der Universität Bremen und wertet ihre Daten aus bzw. bereitet neue Forschungsreisen vor.

Wie kommt man als Physikerin auf ein Forschungsschiff?

Der Wunsch, zur See zu fahren, stammt aus meiner Kindheit. Mein Vater war Kapitän, und ich bin immer gern zur See gefahren. Daher wollte ich auch Kapitän werden. Später war das wegen meiner schlechten Augen keine Option mehr.
Also haben Sie Physik studiert?

Ich war breit naturwissenschaftlich interessiert und wusste, dass mir mit Physik viele Türen offen stehen. Deswegen habe ich in Marburg mit dem Physikstudium begonnen, bin dann allerdings nach dem Vordiplom nach Kiel gezogen, um Physik mit Schwerpunkt Ozeanografie zu studieren...

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Maike Pfalz
12 / 2017 Seite 36

Alles andere als inhaltsleer

Vakuum – als Physikerin oder Physiker denkt man dabei vielleicht an einen Praktikumsversuch zurück, bei dem mittels Vakuumpumpen eine Messkammer evakuiert werden musste. Doch Vakuum ist – trotz der weitgehenden Leere – viel mehr als das. Die Anwendungen sind vielfältig und reichen von der Vakuumverpackung für Grillwurst oder Kaffeepulver über die kratzfeste Oberfläche der Lesebrille, Displays oder Solarmodule bis hin zu Teleskopen, Weltraumtechnologie oder Beschleunigerringe. All dies wäre ohne Vakuum nicht möglich. Nicht nur Ingenieure finden in dieser Branche ein vielfältiges Tätigkeitsfeld, sondern auch Physikerinnen und Physiker.

Ich war überrascht, wie viele Physiker es hier im Unternehmen gibt“, stellte der promovierte Physiker Stefan Lausberg fest, als er als Applikationsingenieur bei Leybold in Köln anfing. Eigentlich hatte er die Vakuumbranche nicht unbedingt im Visier, als er nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden nach einer Stelle in der Industrie Ausschau hielt. Fest stand für ihn nur, dass er der Wissenschaft den Rücken kehren wollte – ihn schreckte die Aussicht, international verschiedene Post-Doc-Positionen bekleiden zu müssen. Wichtig war für ihn aus familiären Gründen, einen Job im Raum Köln-Dortmund zu finden. „Da habe ich thematisch relativ breit geschaut. Die Stellenausschreibung von Leybold hat mich aber direkt angesprochen“, erinnert er sich.

Am ersten Arbeitstag hatte sein Vorgesetzter bereits einen Terminplan für die ersten sechs Wochen im Unternehmen aufgestellt, in denen Stefan Lausberg zunächst alle Abteilungen kennenlernen und sukzessive an seine Aufgaben herangeführt werden sollte. Dazu zählte auch der Besuch der haus­eigenen „Vacuum Academy“ – diese bietet Schulungen für Kunden an, aber auch alle neuen Mitarbeiter lernen dort die Grundlagen der Vakuumtechnik kennen. „In dem dreitägigen Seminar habe ich viel gelernt. Das ist alles keine Hexen­kunst, aber für mich war die Vakuumtechnik neu“, erzählt er. Seine Stelle war frei geworden, weil sein Vorgänger ins Produkt­management gewechselt ist. So hatte er anfangs einen direkten Ansprechpartner für alle Fragen. „Mit der Zeit habe ich dann die Wissensträger im Unternehmen kennengelernt, die mir bei Problemen schnell weitergeholfen haben“, sagt Lausberg...

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Maike Pfalz
04 / 2017 Seite 24

Die Kunst der Intelligenz

Präzise führt der zweiarmige Roboter im Reinraum die Pipet­te in das winzige Reaktions­gefäß und nimmt die Flüssigkeit darin auf. Nach einem genau festgelegten Ablauf schwenkt er seinen anderen Arm zur Seite und greift eine Petrischale, in die er die Flüssig­keit füllt und rührt. Obwohl die Bewegungen ungelenk aussehen, geht nichts kaputt, nichts wird verschüttet, nie greift der Roboter daneben. Mit einer Präzision von einem Zehntel Millimeter führt er zielsicher den einprogrammierten Arbeitsablauf aus. Ob er dabei mit teuren oder giftigen Substanzen hantiert, die z. B. zur Herstellung von Krebsmedikamenten notwendig sind, spielt keine Rolle.

Heutzutage sind Roboter in der Industrie wichtige Helfer – sei es zum Sortieren, Verpacken, Kleben, Schweißen oder als ein Helfer in der Automobilherstellung, der schwere Einzelteile hebt und perfekt positioniert, damit der Mensch diese Lasten nicht mehr stemmen muss. Das japanische Unternehmen Yaskawa ist mit weltweit rund 15 000 Mitarbeitern einer der führenden Hersteller von Antriebstechnologie, Automation und Industrierobotern. Diese sind unter dem Label „Motoman“ bekannt und zählen weltweit zu den besten in puncto Bahn- und Wiederholgenauigkeit. Zudem können mehrere Roboter perfekt synchron arbeiten, indem sie parallel miteinander kommunizieren. Auch in Deutschland ist das Unternehmen tätig mit der Zentrale in Eschborn und einem Standort für Anlagentechnik und Robotik in Allershausen nördlich von München. Leiter dieses Standorts, an dem hochkomplexe Anlagen bis hin zu kompletten Fertigungsstraßen gebaut werden, ist seit dem letzten Jahr der Physiker Otwin Kleinschmidt.

Seit 2012 arbeitet er bei Yaskawa. Gestartet ist er dort als Leiter des Projektmanagements – eine Aufgabe, die nach dem Physikstudium nicht unbedingt nahe lag. „Nach dem Abschluss habe ich mich bewusst für den Wechsel in die Industrie entschieden. Alles weitere hat sich dann sukzessive entwickelt“, erinnert sich Otwin Kleinschmidt. Bei verschiedenen Arbeitgebern – zunächst in der Oberflächenanalytik, später in der Halbleiterfertigung – hat er im Marketing, Vertrieb und im Projektmanagement gearbeitet. „In all diesen Feldern hatte ich mit der Technologie zwar nicht direkt zu tun, aber ohne technisches Verständnis hätte ich keine komplexen Anlagen verkaufen können“, stellt er fest.

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Maike Pfalz
04 / 2016 Seite 25

Klein, aber oho

Smartphones oder Tablets sind heutzutage ständige Begleiter im Alltag. Fast jeder trägt damit auch ein Stück Nanotechnologie mit sich herum, da die Strukturgrößen der zugrunde liegenden Elektronik längst kleiner sind als 100 Nano­meter – das ist die Grenze, ab der laut Definition von Nanotechnologie die Rede ist. Um solche Strukturen herstellen bzw. Schichten mit Nanostrukturen beschreiben zu können, sind Verfahren notwendig, die sich den schrumpfenden Strukturen anpassen.

Eine Möglichkeit, Nanostrukturen in eine Schicht buchstäblich zu „fräsen“, ist der NanoFrazor des Schweizer Startup-Unternehmens SwissLitho. Die Technologie, die in dieser Maschine steckt, wurde im IBM-Forschungslabor Rüsch­likon entwickelt. Dort gelang es 2010 mit Hilfe der thermischen Rastersondenlithographie, die mit einer heizbaren Spitze arbeitet, ein nanometerkleines Matterhorn und eine mikrometerkleine Weltkarte herzustellen.1) Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten der Ingenieur Philip Paul und der Physiker Felix Holzner bei IBM. Holzner hatte dort 2009 seine Promotion aufgenommen und erlebte nicht nur hautnah den Durchbruch dieser Methode mit, sondern war 2011 auch daran beteiligt, deren Geschwindigkeit zu erhöhen. „Damit war unser Verfahren erstmals wettbewerbs­fähig mit gängigen Technologien wie der Elektronenstrahllithographie“, erinnert er sich. „Zu dem Zeitpunkt konnte ich die Tragweite dieser Forschung aber noch nicht einschätzen.“

Nach und nach kristallisierte sich die Möglichkeit heraus, sich mit einem Gerät zur thermischen Rastersondenlithographie selbstständig zu machen. Im Zuge seines Promotionsstudiums an der ETH Zürich musste Felix Holzner Credit Points sammeln. Auf der Suche nach einem für ihn sinnvollen und interessanten Seminar stieß er auf einen Businesskurs des „venturelab“ – eine Institution, die Schweizer Startup-Unternehmen fördert. Bewerben musste er sich mit der Businessidee eines möglichen Start­ups. „Aus 150 Bewerbern wurden 25 ausgesucht und davon fünf Businessideen – eine davon war meine“, erzählt Felix Holzner stolz. Ein Semester lang wurde jede der fünf Ideen von einem Fünferteam aus Studierenden aus unterschiedlichen Blickwinkeln und unter verschiedenen Aspekten bearbeitet. „So ist die Idee langsam entstanden, tatsächlich ein Startup zu gründen“, sagt der 33-jährige Physiker...

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Maike Pfalz
10 / 2015 Seite 25

Physik für Patienten

Alle Augen sind auf den Laufsteg gerichtet. Ein junger Mann schreitet ihn entlang – aufrecht und selbstbewusst, aber doch nicht ganz so elegant, wie man es vielleicht bei einer Modenschau erwarten könnte. Ein Bein bewegt sich ganz normal, beim anderen schwingt das Knie ruckartig von der Beugung zurück in die gestreckte Position. Trotz der fehlenden Eleganz sind alle Menschen rund um den Laufsteg zufrieden: Die Knieprothese funktioniert zuverlässig.

Rund 40 000 bis 60 000 Beinamputationen finden jährlich in Deutschland statt, dazu mehrere tausend Amputationen eines Arms. Jeder dieser Eingriffe bedeutet für den Betroffenen zunächst einen großen Schock und auch eine große Einschränkung. Und doch gibt es inzwischen Prothesen, die viele Körperfunktionen übernehmen, die mitdenken und den Anwendern speziell bei Amputationen der unteren Extremität ein fast normales Leben ermöglichen. Einer der größten Hersteller von Prothesen ist das Familienunternehmen Ottobock mit Sitz in Duderstadt, das der Orthopädiemechaniker Otto Bock 1919 gegründet hat, um Kriegsversehrte mit Prothesen zu versorgen. Heutzutage beschäftigt das gesamte Unternehmen weltweit mehr als 7000 Mitarbeiter. Den Geschäfts­bereich „Prothetik untere Extremität Mechatronik“ leitet seit Juni 2014 der promovierte Physiker Andreas Eichler.

Zur Medizintechnik ist er eher durch Zufall gekommen: Just in dem Moment, in dem er eine neue berufliche Herausforderung gesucht hat, wurden im Zuge einer Umstrukturierung die Geschäftsbereiche „Prothetik für die obere und untere Extremität“ von Duderstadt von Wien verlagert. Eichler bewarb sich auf die Stelle des Bereichsleiters und passte als promovierter Physiker mit wirtschaftlichem Hintergrund perfekt in das Profil. „Wichtiger als mein Physikstudium waren vielleicht mein MBA und meine Produktmanagement­fähigkeiten, die ich mir bei meinem letzten Arbeitgeber angeeignet habe“, verrät Andreas Eichler. Vorher war er in der Papierindustrie tätig und bei einem großen Konzern für Entwicklung, Produktmanagement und Prozesstechnologie zuständig. „Das war ein ganz anderes Produkt, aber die Abläufe und Herausforderungen waren doch sehr ähnlich“, ist Eichler überzeugt.

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Maike Pfalz
10 / 2014 Seite 25

Mit Sicherheit

Sicher sollen sie sein – das gilt für Kernkraftwerke, Autos, Flugzeuge und Daten gleichermaßen. Beim Ausfall technischer Komponenten kann es um Leib und Leben gehen, beim Verlust von Daten um hohen wirtschaftlichen Schaden...

Defekte Zündschlösser, klemmende Gaspedale oder nicht funktionierende Airbags – immer wieder geraten Automobilhersteller mit Negativschlagzeilen in die Presse. Die Zahl der Rückrufe steigt beständig, und 2014 hat sich bereits jetzt zu einem traurigen Rekordjahr entwickelt: Bis Juni wurden laut einer Studie des Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach auf dem US-Markt 37,2 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen, 25 Millionen allein von General Motors! Für GM bedeutet das einen riesigen Imageverlust und einen Gewinneinbruch von fast 90 Prozent im ersten Quartal – mindestens zwölf Menschen haben das defekte Zündschloss bei GM sogar mit dem Leben bezahlt.

Bei solchen Vorfällen gilt es für die Automobilhersteller, möglichst schnell die Ursache zu finden. Häufig holen sie sich dafür Hilfe von außen, beispielsweise von der Schweizer Société Générale de Surveillance SGS – dem weltweit führenden Unternehmen im Bereich Testen, Inspizieren und Zertifizieren. SGS arbeitet für Kunden aus der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik oder Pharmaindustrie sowie für Versicherungen, Gutachter und Gerichte. Den Standort in Dortmund leitet der Physiker Olaf Günnewig. Die Themen „Sicherheit“ und „Prüfen“ ziehen sich durch sein gesamtes Berufsleben. Dabei war es der Zufall, der ihn damit in Kontakt gebracht hat. „Ich habe mich etwas spät um ein Thema für meine Diplomarbeit gekümmert und bin eher zufällig in der Computertomo­grafie gelandet“, erinnert er sich. In der Promotion hat er damit menschliche Knochenproben untersucht. Bei seinem ersten Arbeitgeber hat der 49-jährige Physiker industrielle Computertomografen entwickelt. Im Jahr 2000 ist er beim Institut Fresenius gelandet. Das Labor verbinden viele mit Wasser- und Lebensmittelanalysen oder dem Qualitätssiegel auf dem Nutellaglas. Es führt aber auch Untersuchungen an technischen Komponenten durch. Seit 2004 ist das Institut eine Tochter­gesellschaft der SGS...

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Stefan Jorda
11 / 2013 Seite 23

Existenzielle Physik

Eine beeindruckende Zahl von 49 Firmenschildern prangt neben der Glasfassade des modernen Gebäudes in Martinsried. Hier, im Süden von München, haben sich junge Unternehmen im Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB) angesiedelt, das sich zu den „Top Ten der Bio­technologiezentren der Welt“ zählt. Sie alle profitieren von der Nähe zu den Instituten der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) sowie den Max-Planck-Instituten für Biochemie und Neurobiologie. Entsprechend groß ist die Nachfrage und entsprechend schwer ist es, hier einziehen zu können.   

Die Firma GNA Biosolutions hat diese Hürde im Mai 2012 genommen, ob sie aber auch am Markt Erfolg haben wird – die ungleich größere Hürde –, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. Denn noch hat das 2010 gegründete Unternehmen, das inzwischen 14 Mitarbeiter beschäftigt, kein Produkt auf dem Markt. Ein solcher Vorlauf ist für neue High-Tech-Unternehmen durchaus typisch, gilt es doch in der Gründungsphase zunächst, Kapital einzuwerben, um aus einem Laborexperiment ein zuverlässiges Produkt zu entwickeln – ganz abgesehen von der Notwendigkeit, potenzielle Kunden von seinem Produkt zu überzeugen. „Vieles dauert am Ende länger, als man es sich zu Beginn vorgestellt hatte“, sagt Joachim Stehr. Der 35-jährige promovierte Physiker ist gemeinsam mit zwei gleichberechtigten Partnern Geschäftsführer von GNA Biosolutions.

Die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen, entstand bereits während seiner Doktorarbeit, die Stehr in der Arbeitsgruppe von Jochen Feldmann an der LMU angefertigt hat. In ihrem Rahmen beschäftigte er sich mit der Frage, wie sich die optischen Eigenschaften von Nanopartikeln aus Gold nutzen lassen, um selektiv DNA-Sequenzen nachzuweisen. Im Gegensatz zu einem massiven Stück Gold absorbieren Nanopartikel stark im grünen Spektralbereich. Daher ist eine Lösung mit solchen Partikeln rot – ein Effekt, der seit Jahrhunderten in Kirchenfenstern genutzt wird. Für den Nachweis „dekoriert“ man das Partikel mit der zu detektierenden DNA-Sequenz, beispielsweise eines Krankheitserregers. Diese Schnipsel stehen dann wie die Stachel eines Igels vom Goldkügelchen ab. Bringt man in die Lösung nun unbekannte DNA, so können nur Schnipsel des Krankheitserregers an die Partikel andocken. Geschieht dies, verbinden die Schnipsel die Partikel zu größeren Konglomeraten, die ver­glichen mit den einzelnen Partikeln bei einer höheren Frequenz absorbieren. Ein kurzer starker Laserpuls erlaubt es, die Nanopartikel effektiv zu „heizen“, wodurch die Bindung zwischen den DNA-Schnipseln aufbricht und sich die ursprünglichen optischen Eigenschaften wieder einstellen. Verfolgt man diese Änderungen der Absorptionseigenschaften, so ist ein sehr selektiver Nachweis eines Krankheitserregers möglich, da sich nur passende Sequenzen miteinander verbinden. Aus diesem Prinzip leitet sich auch der Firmenname GNA ab, der für Gold Nano Aggregate steht und die Assoziation zu DNA auslösen soll. ...

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Alexander Pawlak
11 / 2012 Seite 25

Patent mit Recht

Im Foyer des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA) in München arbeitet die „Perpetual Storytelling Machine“: Gefüttert wird sie mit dem Text eines beliebigen Buches. Immer wenn ein Schlüsselwort aus den deutschen Patentschriften vorkommt, druckt sie eine passende technische Zeichnung aus. Die Druckgeschwindigkeit ist allerdings stark gedrosselt, sonst würde das Foyer von Papier überflutet.

Die Amtsbezeichnung lässt einen in Ehren ergrauten Beamten erwarten, stattdessen empfängt mich ein 34-jähriger Patentprüfer. Seine Amtsbezeichnung verrät nur, dass er die Laufbahn des höheren Dienstes eingeschlagen hat und wir uns in einer Behörde befinden. Das DPMA ist die Zentralbehörde für den gewerblichen Rechtsschutz in Deutschland und organisatorisch dem Bundesministerium der Justiz nachgeordnet. Dass ein Patentamt durchaus ein Pflaster für Physiker sein kann, ist dank Albert Einstein kein Geheimnis.
Carsten Winterfeldt wäre das Patentwesen auch ohne Einstein nicht fremd gewesen. „Ich bin familiär vorbelastet“, bekennt er. Sein Vater war Richter am Bundespatentgericht in München. Winterfeldt studierte drei Jahre in Würzburg, bevor er für ein Jahr nach Austin (Texas) ging, wo er seinen Master machte. Zurück in Würzburg absolvierte er die Diplomprüfungen und promovierte in experimenteller Laserphysik. „Für mich war klar, dass ich nach der Promotion nicht länger an der Uni bleibe, sondern in die Industrie wechseln möchte“, sagt er. Über einen Ingenieursdienstleister kam Carsten Winterfeldt in die Entwicklungsabteilung eines großen deutschen Automobilherstellers. Dort beschäftigte er sich mit Head-up-Displays, die Daten und Hinweise direkt in die Frontscheibe projizieren. Nach einem Jahr war für den jetzigen Patentprüfer jedoch klar: Die Aussicht, sich „bis zum Lebensende“ immer tiefer mit Head-up-Displays zu beschäftigen, war „zwar interessant, aber letztlich immer dasselbe und nicht besonders abwechslungsreich“. So kam der Beruf des Patentprüfers in den Blick. Die nötigen Voraussetzungen erfüllte Winterfeldt: Ein abgeschlossenes naturwissenschaftliches oder technisches Studium hatte er in der Tasche, und er konnte auch die vom Patentgesetz geforderte fünfjährige berufliche Tätigkeit im Bereich der Naturwissenschaften oder Technik vorweisen, dank der Promotion in Experimentalphysik und der Arbeit in der Industrie.
Carsten Winterfeldt ist seit viereinhalb Jahren am DPMA, drei Jahre davon waren der zweistufigen Ausbildung gewidmet: In den ersten anderthalb Jahren wurde er von zwei erfahrenen Patentprüfern „on the job“ in sämtliche Aufgaben eingeführt. In der zweiten Phase musste sich der angehende Prüfer möglichst selbstständig beweisen, begleitet von einem Gruppenleiter als Coach, der im ersten halben Jahr auch verstärkt kontrollierte. ...

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Maike Pfalz
04 / 2012 Seite 22

Karriere auf Rezept

Zunächst mal heißt es „Handys aus“. Kaum hat man die moderne, in blauem Glas schimmernde Pyramide auf dem Merck-Gelände betreten, wird man aufgefordert, alle elektronischen Geräte komplett auszuschalten – so streng gelten die Sicherheitsvorkehrungen. Bei der Busfahrt über das rund einen Quadratkilometer große Werksgelände wird auch klar, warum: Die Chemikalien, die Merck in seiner Produktion einsetzt und die in gesicherten Behältern lagern, sind teilweise leicht entflammbar. Elektrogeräte wie Handys können Funken verursachen und sollten daher – genau wie an einer Tank­stelle – sicherheitshalber ausgeschaltet sein. Das gesamte Gelände ist durch Gegensätze gekennzeichnet: In über 100 Jahre alten Back­stein­häusern sind durch die Fenster modernste Chemieanlagen zur Fertigung von Flüssigkristallen zu sehen. Schräg gegenüber schimmert die silberne Aluminium-Außenfront eines ganz neuen Gebäudes. Alt und neu stehen in diesem ältes­ten aller pharmazeutischen Unternehmen, dessen Geschichte bis in das Jahr 1668 zurück­reicht, sichtbar nebeneinander.


Rund 9100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind beim Pharma- und Chemiekonzern Merck in Darmstadt beschäftigt. Einer davon ist seit Ende 2008 der 44-jährige Physiker Stefan Gilb, der auf Umwegen zur Pharmabranche gekommen ist: Ursprünglich hat er eine Ausbildung zum Physiklaboranten gemacht, doch bei seiner täglichen Arbeit bei der BASF merkte er, dass er mehr Verantwortung übernehmen und Dinge besser verstehen wollte. „Die Entscheidung für das Physikstudium lag dann nahe, zumal mich die viele Laborarbeit in der Chemie abgeschreckt hat“, erinnert sich Stefan Gilb. Während der Promotion an der Uni Karlsruhe hat er Laserspektroskopie an sehr kleinen Metallclustern in der Gasphase betrieben. Anschließend war er noch eine Weile in München als Post-Doc tätig, bevor er sich entschlossen hat, in die Industrie zu gehen. „Ich wollte keine Forschung mehr machen, sondern einen anderen Blick auf die Dinge bekommen“, erzählt Gilb. Die Pharmabranche kannte er bereits von einer Tätigkeit als freier Mitarbeiter während seines Studiums.

Die Physik gehört für Stefan Gilb nicht mehr zum Tages­geschäft, denn bei Merck arbeitet er im Bereich Research Informatics. Diese Abteilung unterstützt die Forscher und Laboranten darin, ihre Daten einheitlich auszuwerten und abzulegen. Ziel ist es, dass die Ergebnisse von Tests im gesamten Unternehmen weltweit vergleichbar sind und überall auf die gleiche Weise registriert werden, damit ein Forscher in Darmstadt auf den ersten Blick erkennt, unter welchen Bedingungen z. B. ein Forscher in den USA einen Test durchgeführt und welche Ergebnisse er dabei erzielt hat. Stefan Gilb koordiniert drei Standorte: Darmstadt, Genf und Billerica in der Nähe von Boston. „Im letzten Jahr habe ich mehrere Monate in Genf und Billerica gearbeitet, um mit den Leuten vor Ort zu reden und zu verstehen, was sie im Labor genau machen und welche Wünsche sie an eine Datenbank haben“, erklärt er. All diese unterschiedlichen Anforderungen gilt es, in ein generelles Konzept einzubetten. Aufbauend auf dem Wissen, das er sich in den verschiedenen Laboren angeeignet hat, versucht Stefan Gilb nun aufzuzeigen, wo man Prozesse harmonisieren kann. ...

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Maike Pfalz
04 / 2010 Seite 26

Nur fliegen ist schöner

Wie auf einem Messegelände reihen sich bei Airbus in Hamburg-Finkenwerder zahlreiche riesige Hallen und Bürogebäude aneinander. Baugeräusche dringen aus einigen Hallen, in denen Flugzeugteile zusammengesetzt werden. Vor einem Gebäude liegt der charakteristische Geruch von Farbe in der Luft. Betritt man die Testhalle für die Kabinensysteme des Airbus A380, schlägt einem ein konstantes Dröhnen entgegen.

Hier prüfen die Airbus-Mitarbeiter die einzelnen Komponenten des Flugzeugs auf Herz und Nieren. Denn obwohl das derzeit größte Passagierflugzeug der Welt bereits in Betrieb ist, entwickeln die Ingenieure einzelne Systeme weiter oder passen sie an Wünsche der Kunden an. Auf beiden Seiten eines breiten Durchgangs ragen die Testaufbauten hoch hinauf. In einem überdimensional großen Kühlschrank findet ein Flugzeugrumpf Platz, um Isolierungen und Klimaanlage bei den typischen Außentemperaturen von bis zu –50 °C zu testen. Im Modell einer A380-Kabine kann man einen Blick ins Cockpit und den Schlafbereich der Crew werfen oder über eine breite Treppe zum zweiten Personendeck hochsteigen. Auf der anderen Seite der Halle zieht sich über drei Etagen der genaue Nachbau des Frisch- und Abwassersystems für den A380. Fast 1000 Meter Rohrleitungen, Frisch- und Abwassertanks, Ventile, Waschbecken und Toiletten bilden das 60 Meter lange System, das sich sogar kippen lässt, um die Neigungswinkel zu simulieren. Alle Abwasserleitungen bestehen hier aus Plexiglas, damit das Testteam sofort sehen kann, wenn etwas darin hängen bleibt. „Alles was irgendwie in die Toilette passt, wird da vermutlich irgendwann drin landen“, erläutert der Physiker Ingo Apitz. So wurden bereits Batterien, Handys, Windeln oder auch zerrissene Pässe in den Abwassertanks gefunden. „Eine Batterie wird zu einem richtigen Geschoss beim Spülen“, sagt Apitz, der als Leiter des Test Activity Control Teams dafür Sorge trägt, dass die sanitären Anlagen auf derlei Eventualitäten eingehend geprüft werden. ...

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Stefan Jorda
10 / 2009 Seite 21

Auf die Optik kommt es an

Aufgereiht stehen die Maschinen im Vorführzentrum von TRUMPF in Ditzingen bei Stuttgart. In der lichten Halle surrt und zischt es. Förderbänder oder Saugheber füttern die Maschinen mit großen Blechen, die daraus unterschiedlichst geformte Teile ausschneiden und -stanzen. Kunden können hier Maschinen live erleben und sich ihre eigenen Musterteile fertigen lassen, bevor sie über einen Kauf entscheiden.

„Wir machen Löcher in Blech“: Auf diese prägnante Formel hat Berthold Leibinger, der 40 Jahre lang die Geschicke von TRUMPF leitete, einst die Mission des schwäbischen Familienunternehmens gebracht, das zu den größten Herstellern von Werkzeugmaschinen und Lasertechnik zählt. „Dabei sprechen wir von einem Blech, wenn die laterale Ausdehnung größer ist als die Dicke“, erläutert der Physiker Detlef Breitling und deutet auf ein handgroßes Zahnrad, das ein CO2-Laser aus einer 25 Millimeter dicken Stahlplatte ausgeschnitten hat. Dass diese Maschinen auch äußerst filigran arbeiten können, demonstriert Breitling mit einem nur knapp ein Zentimeter großen und an Details reichen Miniaturfahrrad, hergestellt mit der gleichen Maschine aus einem dünnen Blech. Besonders verbunden fühlt sich Breitling mit der TruMatic 7000, einer Kombimaschine, die Bleche sowohl stanzen
und umformen als auch mit dem Laser bearbeiten kann: An einem seiner ersten Arbeitstage bei TRUMPF vor knapp fünf Jahren nahm er an der „Kick-off Veranstaltung“ zu dieser Maschine teil, und inzwischen ist er als Projektleiter für eine neue Kombimaschine verantwortlich. ...

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Alexander Pawlak
03 / 2009 Seite 25

Mit der Physik sieht man mehr

Dunkel. Kein Licht. Den Blick hinter die Kulissen des Fernsehens hatte ich mir anders vorgestellt. Iris Zink führt mich hinter den schweren schwarzen Vorhängen des Aufnahmestudios entlang und bewahrt mich davor, über eine abgestellte Kiste zu stolpern. „Wo steckt denn der Moderator? Ich brauche einen Kameramann!“, ruft der Regisseur. Heute zeichnet das Team eine neue Folge von „Abenteuer Forschung“ mit Harald Lesch auf, dem derzeit wohl bekanntesten Physikprofessor im deutschen Fernsehen.

Im benachbarten Kontrollraum voller Strippen, Schalter und Monitore können wir verfolgen, wie sich der Moderator einfindet. Die Klappe zur Aufnahme fällt, allerdings nur noch digital auf dem Bildschirm. Harald Lesch referiert sogleich routiniert über die Ausbreitung von Epidemien im Zeitalter des globalen Flugverkehrs. Der erste Durchlauf ist noch nicht perfekt, und Lesch ändert spontan den Text. „Tausend Milliarden Euro klingt etwas anschaulicher als eine Billion“, entscheidet er, als es um die horrenden Kosten einer weltumspannenden Epidemie geht. Die studierte Physikerin Iris Zink ist seit 1992 Redakteurin im Ressort Naturwissenschaft des ZDF. Gerade steckt sie mitten in den Vorbereitungen für eine zweiwöchige Reise nach Tansania. Auch das gehört zu ihrer Arbeit, denn dort betreut sie redaktionell die Aufnahmen für eine Folge von „TerraX: Faszination Erde“. ...

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Maike Keuntje
07 / 2008 Seite 20

Da werden Sie beraten

In einer kleinen Nebenstraße in der Innenstadt versteckt sich das Stuttgarter Büro der Boston Consulting Group. Nichts deutet hier auf die drittgrößte Management-Beratung Deutschlands hin. In den Räumen im dritten Stock herrscht schlichte Eleganz, die modernen Büros sind eher spärlich eingerichtet. Am Empfang stehen Roller bereit, um schneller durch die langen Gänge zu gelangen. An den Wänden stellen junge Künstler ihre Werke aus. Die Boston Consulting Group (BCG) beschäftigt hierzulande 767 Berater, rund 22 Prozent sind Naturwissenschaftler, also Mathematiker, Chemiker oder Physiker.

Einer davon ist Raphael Micha, der 2005 nach seiner Promotion in theoretischer Physik an der ETH Zürich eingestiegen ist. Mit der Frage, wie am Ende der Inflationsphase des Universums Materie entsteht, hat er nichts mehr zu tun. Doch das bedauert er nicht, schließlich wollte er nach der Uni ein neues Berufsfeld kennenlernen. Das Consulting liegt bei ihm praktisch in der Familie – schon Michas Bruder war Unternehmensberater. Der Gedanke an eine Karriere in der Wirtschaft lag daher nahe. ...

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Stefan Jorda
02 / 2008 Seite 27

Ständig unter Strom

Die Ankunft am Bahnhof Wolfen, eine halbe Stunde nördlich von Leipzig, ist ernüchternd: Bahnsteige und Unterführung sind zur Hälfte wegen Baufälligkeit gesperrt. Zu DDR-Zeiten hatte diese Region um Bitterfeld den zweifelhaften Ruf, die dreckigste Ecke Europas zu sein, in Wolfen erinnern daran die größtenteils leer stehenden Industriebauten des Filmkombinats Orwo und des Chemiekombinats.

Doch der erste Eindruck trügt: Nur wenige Taxi-Minuten vom Bahnhof entfernt hat im Ortsteil Thalheim die Zukunft begonnen. Dort produziert die Firma Q-Cells seit wenigen Jahren Solarzellen, und nach einem atemberaubenden Wachstum ist das im Jahr 1999 gegründete Unternehmen bereits der zweitgrößte Hersteller von Solarzellen weltweit. Neben Q-Cells haben sich im mitteldeutschen Solar Valley rund um Bitterfeld-Wolfen mehrere kleinere Solarfirmen angesiedelt. Die insgesamt 2700 Mitarbeiter sind wenig verglichen mit den 50 000, die zu DDR-Zeiten in der Region beschäftigt waren, doch die Firmen wachsen rasant.

Q-Cells beschäftigt heute rund 1700 Mitarbeiter, darunter auch viele Physikerinnen und Physiker. Bei bis zu 100 Neueinstellungen jeden Monat ist diese Zahl allerdings bereits Makulatur, wenn sie gedruckt erscheint. Als der Physiker Jörg Müller 2004 zu Q-Cells ging, war er einer von nur sechs Technologen, heute beschäftigen sich rund 150 Mitarbeiter mit der Technologie. Kürzlich erst wurde die Telefonanlage umgestellt von dreistelligen Nebenstellen auf fünf Stellen, und Müller korrigiert seine Visitenkarte handschriftlich, die neuen kommen erst noch.

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