Rezension

Wo sind sie alle?

Stephen Webb: Wo sind sie alle? – Fünfzig Lösungen für das Fermi-Paradoxon, ­Springer ­Berlin, Heidelberg, 2021, geb., XI + 370 S., 24,99 Euro, ISBN 9783662632895

Für einen später verworfenen wissen­schaftlichen Vorspann zu seinem Film „2001 – A Space Odyssey“ ließ Regisseur Stanley Kubrick 21 führende Wissenschaftler:innen die Frage nach der Existenz außerirdischen Lebens beantworten. Die Texte der Interviews erschienen Jahrzehnte später als Buch,1) das auch auf weiterführende Literatur hinweist. Dort findet sich auch das Buch „Where is Everybody?“ (2002) des britischen Physikers Stephen Webb, das als „wunderbar umfassender und witziger Band mit vielen Ideen und Vorschlägen“ charakterisiert und als unverzichtbar gelobt wird. Webb sammelte 50 Antworten auf Enrico Fermis Frage nach der Existenz außerirdischer Zivilisationen, die er 2015 auf 75 erweiterte. Nun erscheint das Buch auf Deutsch, allerdings mit 50 Antworten. Nicht zuletzt dank des Übersetzers Matt­hias Delbrück, einem bewährten Korrespondenten des Physik Journals, liegt damit „geradezu ein neues Buch“ vor, wie Webb in seinem Vorwort betont.

Stephen Webb erklärt zunächst den Ursprung und die Überlieferung des Fermi-Paradoxons und warum es sich überhaupt um ein Paradoxon handelt. Zudem macht er klar, was die Frage „Wo sind sie alle?“ tiefgründiger macht, wenn Enrico Fermi sie stellt. Die Lösungsansätze gruppieren sich in drei Abteilungen: „Sie sind (oder waren) schon hier“, „Es gibt sie, wir haben sie bloß noch nicht gesehen (oder gehört)“ und „Es gibt sie nicht“. Nummer 50 ist Webbs eigener, eher pessimistischer und durchaus über­raschender Standpunkt.

Wen die Frage nach außerirdischen Zivilisationen fasziniert, der kommt an Webbs Buch nicht vorbei, das seriöse wie nicht ganz ernstgemeinte, bekannte und eher unbekannte Lösungen präsentiert – immer auf anregende Weise. Man spürt die Begeisterung für das Thema und die langjährige intensive Beschäftigung damit.

Das Buch punktet außerdem mit zahlreichen Abbildungen, viele davon in Farbe, und vor allem durch einen über 70-seitigen Anhang mit Anmerkungen, Literaturverzeichnis und Register, der genug Stoff für eine weitergehende Beschäftigung bietet. Matthias Delbrück hat nicht zuletzt in den Anmerkungen vieles ergänzt und agiert dabei immer wieder als „Sidekick“ des Autors. Schade ist es, dass das Buch mit Kubricks Interviews in der Literaturliste fehlt; auch die Überlegungen des polnischen Science-Fiction-Autors Stanisław Lem zu außerirdischen Zivilisationen hätten einen Verweis verdient. Doch bei der Fülle an Material zum Thema sind Lücken unvermeidbar, sodass sich auch mal kleinere Ungenauigkeiten oder Fehler einschleichen können.2)

Die Meriten des gehaltvollen und kurzweiligen Buchs schmälert das jedoch nicht. Stanley Kubrick hätte daran sicher seine Freude gehabt. Er gab sich – im Gegensatz zu Stephen Webb – 1968 im Interview mit dem amerikanischen Playboy-Magazin optimistisch: „Es ist vernünftig anzunehmen, dass es in der Tat unzäh­lige Milliarden von Planeten gibt, auf denen Leben entstanden ist, und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Teil dieses Lebens Intelligenz entwickelt, ist hoch.“ Ob er damit recht hat, muss die Zeit zeigen. Bis dahin bleibt Webbs Buch auch auf Deutsch unverzichtbar.

Alexander Pawlak

1) Anthony Frewin (Hrsg.), Are We Alone?, Elliot & Thompson, London 2005
2) In der Erstauflage verweisen übrigens die Re­ferenzen in den Anmerkungen nicht auf die anschließende Literatur, da dort die Nummerierung fehlte. Der korrigierte Anhang der späteren Auf­lagen ist als PDF auf der Verlagsseite verfügbar: link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-63290-1

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