Rezension

Vom Wal verschluckt

C. Cassidy, P. Doherty: Vom Wal verschluckt, Fischer Taschenbuch, Frankfurt a. M. 2018, 267 S., 9,99 €, ISBN 9783596036011

Eigentlich passt dieses Buch besser zu Halloween als zu Weihnachten

Eigentlich passt dieses Buch besser zu Halloween als zu Weihnachten, denn friedvoll und besinnlich geht es hier nicht zu. Der Journalist Cody Cassidy und der mittlerweile verstorbene Festkörperphysiker Paul Doherty beschreiben nämlich „die interessantesten Methoden, das irdische Jammertal zu verlassen“. Wer schon immer mal wissen wollte, wie es ist, in ein Schwarzes Loch zu fallen, eine Zeitreise zu unternehmen oder von einem Meteoriten getroffen zu werden, der ist hier richtig. In 45 kurzen Kapiteln beleuchten die beiden den wissenschaftlichen Hintergrund und die Wahrscheinlichkeit von zahlreichen, möglichst skurrilen Todesarten. Das reicht vom Angriff eines Bienenschwarms über den Sturz in ein Kartoffel­chips-Werk bis zu Ferien auf der Venus. Diese ist als Urlaubsort nicht wirklich zu empfehlen. Es ist zu heiß, der Luft mangelt es an Sauerstoff, und es herrschen Druckverhältnisse wie in der Tiefsee. Neben anschaulichen Erläuterungen, was diese Umgebung mit dem menschlichen Körper veranstaltet, erfährt man auch einiges darüber, wie es auf der Venus aussieht.

Ein anderes Kapitel beschäftigt sich damit, wie hoch das Risiko ist, auf einer Bananenschale auszurutschen und möglicherweise tödlich zu verunglücken. Mithilfe des Reibungskoeffizienten vergleichen die Autoren verschiedene Bodenbeläge und andere Obstschalen und kommen zu dem Schluss, dass die Bananenschale wirklich extrem rutschig ist. Die Verletzungsgefahr hängt aber wiederum von der Fallhöhe ab. Ein kleiner Hund könnte auf der Schale tanzen, ohne sich ernstlich zu verletzen. Bei einem Sturz aus 1,80 Metern Höhe, in der sich der Kopf unter Umständen befindet, sieht dies anders aus.

Einige der Beispiele sind rein hypothetisch. So hat bislang noch niemand ausprobiert, mit dem Fallschirm aus dem Weltall abzuspringen oder versucht, sich durch den Erdmittelpunkt auf die andere Seite zu bohren. Andere Kapitel beschäftigen sich mit tatsächlichen Ereignissen. 1901 stürzte sich der erste Mensch freiwillig in einem Fass die Niagarafälle herunter und überlebte relativ unbeschadet. Dieser Stunt inspirierte zahlreiche Nachahmer, nicht alle hatten jedoch ebenso viel Glück. Auch wer wissen möchte, was passiert, wenn die Scheibe im Flugzeug plötzlich wegfliegt, kann auf Erfahrungswerte zurückgreifen. 1990 löste sich bei einem Flugzeug auf rund 6000 Metern Höhe die Cockpitscheibe aus der Verankerung. Der Pilot wurde halb aus dem Fenster gerissen, konnte aber von einem Kollegen gesichert werden. Er erlitt zwar einige Verletzungen, überlebte aber.

Das Buch besticht durch ­einen trockenen schwarzen Humor und ist unterhaltsam geschrieben. Die Autoren beschreiben, was in den einzelnen Situationen mit dem Menschen passiert, und nebenbei erfährt man allerhand interessante Fakten und Hintergründe. Und wer nun wissen möchte, wie es ist, wirklich von einem Wal verschluckt zu werden, der muss selbst hineinschauen. Nur soviel sei verraten: Es ist nicht gerade appetitlich...

Anja Hauck

 

 

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