Rezension

Stephen Hawking – Erinnerungen an den Freund und Physiker

Leonard Mlodinow: Stephen Hawking – Erinnerungen an den Freund und Physiker Rowohlt Buchverlag, 272 S., geb., 22 €, ISBN 9783498001575

Die Faszination für Stephen Hawking lässt auch nach seinem Tode nicht nach. Diese Faszination rührt natürlich auch daher, dass er trotz seiner Krankheit, die ihn fast gänzlich unbeweglich machte, ein so langes und erfülltes Leben führen konnte. Sein wissen­schaftliches Werk bestach durch kühne Ideen zu Schwarzen Löchern und zur Entstehung des Universums. Mit seinem Bestseller „Die kurze Geschichte der Zeit“ wurde Hawking regelrecht zum Popstar der Physik und oft genug als „zweiter Einstein“ apostrophiert. Dass er sich selbst nicht so sah, erzählt Leonard Mlodinow in seinem Erinnerungsbuch. Mlodinow war Koautor von Hawkings Buch „Der große Entwurf“, und daher erfährt man in seinen „Erinnerungen an den Freund und Physiker“ auch viel von dieser Zusammenarbeit. Gepaart mit Rückblicken auf Hawkings Leben, die sich oft aus anderen Quellen wie den einschlägigen Biografien oder den Erinnerungen von Hawkings erster Ehefrau Jane speisen, ergibt das eine etwas unentschiedene Plauderei. Die enthält auch rein populärwissenschaftliche Passagen, die Hawkings eigene Ausführungen manchmal zwangsläufig paraphrasieren.

Daher darf man von Mlodinows Buch keine richtige Biografie erwarten. Außer einem Selfie des Autors mit Hawking gibt es keinerlei Abbildungen, ein Register fehlt, die Literaturhinweise finden sich implizit in der „Anmerkung zu den Quellen“. Das Anekdotische ist mal amüsant, mal wird man das ungute Gefühl nicht los, Hawking allzu nahe zu kommen. Die beschwerlichen Details seines Tagesablaufs gingen mir oft zu weit, aber das ist sicher Geschmackssache. Gleichzeitig kann Mlodinow kurz­weilig und aufschlussreich über die Themen von Hawkings Forschungen erzählen und lässt einen hinter die Kulisse von dessen Arbeitsweise blicken, bei der die mathematische Rigorosität einer geometrischen Perspektive wich, denn Hawking hatte stets das Gefühl, keine Zeit zu verlieren zu haben.

Mlodinows Buch ist eine „mixed bag“, kein großer Wurf, aber durchaus lesenswert. Eine stimmigere Konzeption hätte ihm gut getan.

Alexander Pawlak

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