Rezension

Science ­Illustration

Anna Escardó, Julius ­Wiedemann: Science ­Illustration, TASCHEN, Köln 2022, geb., 436 S. mit mehr als 300 Abb., 60 Euro, ISBN 9783836573320

Wie sich Wissenschaft verändert und entwickelt, zeigt sich auch darin, wie Ergebnisse und Erkenntnisse dargestellt werden. Anna Escardó belegt dies eindrucksvoll im Bildband „Science Illustration“, der mehr als 300 meist großformatige Abbildungen versammelt. Ausgehend vom 15. Jahrhundert führt die studierte Literaturwissenschaftlerin und Maschinenbauingenieurin den Blick durch die Jahrhunderte bis in unsere Zeit anhand der Illustrationen zu wissenschaftlichen Durchbrüchen. Der Verlag TASCHEN hat zwei mehrsprachige Ausgaben dieser fulminanten Sammlung aufgelegt: in Deutsch, Englisch und Französisch sowie in Englisch, Italienisch und Spanisch.
Ein kurzer Begleittext ordnet die in hervorragender Qualität gedruckten Abbildungen in den Kontext der zugehörigen Entdeckung ein. Eine stichpunktartige Übersicht fasst die wichtigsten Daten des Bildes zusammen: Neben Ort und Jahreszahl des Entstehens findet sich hier, wer die ursprüngliche Version verfasst hat und wer im Lauf der Zeit zu der gezeigten Adaption beigetragen hat. Ein Symbol ordnet die Darstellung einer Kategorie zu, die zwischen formalen und angewandten sowie Naturwissenschaften unterscheidet; ein Stichwort präzisiert die Disziplin, beispielsweise Logik, Architektur oder Physik.

Der hochwertig verarbeitete Band startet mit einem Vorwort des Herausgebers Julius Wiedemann und einleitenden Erklärungen von Anna Escardó zur Auswahl und Beschreibung der Abbildungen. Die beiden reichhaltig bebilderten Texte bieten bereits einen Vorgeschmack auf die vier folgenden Kapitel, die das 15. bis 17. Jahrhundert, das 18. und 19. Jahrhundert sowie das 20. Jahrhundert bis heute behandeln. Ein ausführlicher Index und eine Bibliographie mit knapp 300 Einträgen runden den Band ab.

Jedes der vier Kapitel beginnt Anna­ Escardó mit einer Einleitung, die zunächst die wissenschaftlichen Meilensteine der jeweiligen Zeit kurz zusammenfasst und dann auf einer Doppelseite ausgewählte herausragende Persönlichkeiten der Epoche vorstellt. Abschließend erläutert sie, welche Entwicklungen in Grafik und Druck die Darstellungen ermöglicht haben. So ergibt sich nicht nur eine Vorstellung, wie sich die Wissenschaft seit dem 15. Jahrhundert entwickelt hat, sondern auch wie ihre Illustration dies vorangetrieben hat. Beispielhaft dafür sind die zahlreichen geographischen Darstellungen: Auf einer Karte Islands von 1585 tummeln sich noch allerlei Seeungeheuer, deren Detail­fülle diejenige der Landkarte über­ragt; schon 1771 zeigt eine geologische Karte von England und Wales ganz nüchtern verschiedene Gesteinsformationen und ihr damals vermutetes Alter.

Escardó beschränkt ihre Auswahl aber nicht nur auf Kunstwerke, wie die Illustrationen aus Zoologie und Biologie zu neu entdeckten Pflanzen- und Tierarten. Mit Skizzen aus den Notizbüchern Albert Einsteins und der zugehörigen Seite aus seiner Veröffentlichung zur allgemeinen Relativitätstheorie stellt sie kompakt den Weg von der Idee zur Theorie dar. Wie sich deren Vorhersagen überprüfen lassen, zeigen einige Seiten später Dia­gramme aus Arthur Eddingtons Be­obachtungen des Gravitationslinseneffekts während einer Sonnenfinsternis.

Mit einer Seitengröße von 25 cm Breite und 37 cm Höhe bietet der Bildband ausreichend Platz, um auch großflächige Abbildungen wie Walther Flemmings Skizzen zum Verhalten von Chromosomen während der Zellteilung detailgetreu darzustellen. Trotz seines Gewichts von knapp vier Kilogramm lässt sich darin prächtig schmökern und dabei die Geschichte der modernen Wissen­schaft erkunden – und das alles zu einem Preis, der für ein solches Werk unglaublich gering ausfällt.

Kerstin Sonnabend

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