Rezension

Mechanik. Physik für Lehramts­studierende

Rainer Müller: Mechanik. Physik für Lehramts­studierende, Bd 1., De Gruyter Oldenbourg, 2021, brosch., 210 S., 39,80 €, ISBN 9783110489613

Lehramtsstudierende müssen zum Teil andere Kompetenzen erwerben als Bachelorstudierende. Für erstere haben Rechenfertigkeiten weniger Bedeutung; dafür brauchen sie ein besseres und reflektierteres begriffliches und qualitatives Verständnis sowie auch fachdidaktisches und erkenntnistheoretisches Wissen. In erhöhtem Maße gilt dies für Studierende für die Sekundarstufe I, die im Gegensatz zum gymnasialen Lehramt später noch weniger mit quantitativen Betrachtungen zu tun haben. Umso verblüffender ist es, dass es für diese Zielgruppe bisher keine Lehrbücher auf dem Niveau der Anfängervorlesungen gab, und erfreulich, dass es nun eine vierbändige Reihe „Physik für Lehramtsstudierende“ geben wird.

Der Band 1 „Mechanik“ von Rainer Müller umfasst alle für Lehramts­studierende relevanten Themen, wie die Kinematik, die Newtonschen Gesetze, Erhaltungssätze, mechanische Schwingungen, Kreisbewegungen und Gravitation. Die Statik, die Mecha­nik von Teilchensystemen, die Mechanik deformierbarer Körper sowie die Fluidmechanik sind für die Zielgruppe nicht so wichtig. Es fehlen im Buch lediglich die mechanischen Wellen, die sicher in einem anderen Band Aufnahme finden. So hat das Buch 210 Seiten und 145 gute, ausgewählte, farbige Abbildungen.

Rainer Müller zeigt in dem Buch, dass er nicht nur die Mechanik sehr gut verstanden hat, sondern auch ein Kenner der Didaktik der Mechanik ist. So beruht die Vorgehensweise auf neusten didaktischen Forschungsergebnissen. Neben korrekten fachlichen Darstellungen finden sich auch verbreitete falsche Sichtweisen sowie Schülervorstellungen und Lernschwierigkeiten. Es gibt Hinweise auf Unterschiede zwischen Alltags- und Fachsprache und zum Einsatz im Unterricht sowie interessante Anmerkungen zur Begriffsbildung.

Vom laufenden Text abgehoben ist die Beschreibung von Experimenten, die jeweils für den schulischen Physik­unterricht empfohlen werden und teilweise zu Hause durchführbar sind. Auffällig ist der geringe Mathematisierungsgrad. Für mathematische Betrachtungen und Umformungen finden sich gute und ausreichend ausführliche Erklärungen. Ergänzend liefert der Anhang mathematische Grundlagen. Qualitative wie quantitative Aufgaben inklusive nachvollziehbarer Lösungen heben sich als Ergänzung vom laufenden Text ab.

Falsch wäre die Annahme, dass das Buch nur für Lehramtsstudierende geeignet ist. Ich würde es auch Bachelor­studierenden empfehlen, um damit ihr Verständnis der Mechanik zu verbessern. Insbesondere empfehle ich es aber allen Dozierenden der Mecha­nik als Anregung für ihre eigene Vorlesung.

Prof. Dr. Thomas Wilhelm

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