Rezension

Luna Cognita

Robert A. ­Garfinkle: Luna Cognita, ­Springer Nature, New York 2020, 3 Bd., CV + 1680 S., geb., ca. 80 €, ISBN 9781493916634

Mehr als 30 Jahre hat Robert A. Garfinkle, Historiker und Amateurastronom, an diesem monumentalen Werk gearbeitet. Gedruckt umfasst es drei Bände mit fast 1800 Seiten, das eBook ist als PDF (1,14 GB) ungleich leichter zu handhaben – dazu später mehr.

Der erste Band behandelt die Bedeutung des Mondes für die Menschheitsgeschichte, das Erde-Mond-System, Theorien der Mondentstehung, allgemeine selenografische Informationen, Beobachtungsequipment und erste detaillierte Beobachtungstouren. Diese setzen sich im zweiten Band fort. Anschließend bespricht Garfinkle ausführlich Phänomene, die sich auf dem Mond beobachten lassen, sowie streifende wie totale Sternbedeckungen durch den Mond. Die Beobachtung von Sonnen- und Mondfinsternissen bildet den Abschluss des zweiten Bandes. Der letzte Band ist ein Tabellen- und Nach­schlagewerk in vielfacher Hinsicht, denn er enthält Ephemeriden, Formeln, Weltraummissionen, Organisationen, eine Bibliografie und Namensregister.

Mit viel Liebe hat der Autor Kapitel mit Gedichten verziert und historische Darstellungen in den leicht lesbaren Text eingeflochten. So finden sich unter anderem viele Zeichnungen aus Johann Schröters „Seleno­topographischen Fragmenten“ von 1791 und August Rodins „La Terre et la Lune“ sowie nostalgische Postkarten mit Liebenden unter dem Vollmond. Nicht fehlen darf Giovanni Battista Riccioli, im 17. Jahrhundert ein Gegner des heliozentrischen Weltbildes, dessen Nomenklatur der Krater und Mare in die Gegenwart überdauert hat.

Die großzügige Bebilderung ist hervorragend und viele Aufnahmen des Mondes führen das Besprochene plastisch vor Augen. Zu finden sind auch Daguerreotypien des Mondes aus der Mitte des 19. Jahrhunderts oder die ersten unscharfen Aufnahmen von seiner Rückseite durch die sowjetische Mission Luna III von 1959. Wie man selbst Aufnahmen und Zeichnungen des Mondes anfertigt und welche Beobachtungsmittel sich dafür eignen, bespricht der Autor auf über 50 Seiten. Dabei geht er punktuell sehr ins Detail, zum Beispiel beim Reinigen von Optiken, versäumt es aber leider, aktuelle Techniken wie CMOS-Kameras vorzustellen.

Den zentralen Bereich des Werkes bildet die Anleitung zur Beobachtung des Mondes und seiner Phänomene. Gegliedert sind diese Kapitel nach dem Mondalter von 1 bis 28 Tage. Auf den zunehmenden Mond wird mit über 500 Seiten ausführlich eingegangen. Dem abnehmenden Mond sind 28 Seiten gewidmet mit interessanten Erscheinungen, die sich in dieser Phase beobachten lassen. Wichtige Krater, Rillen, Berge, Täler etc. werden besprochen inklusive der Angabe der Koordinaten, Längen und Größen. Der Autor geht besonders auf die Namens­geber der Krater ein. So wird das „Krater-Hopping“ ganz nebenbei zum „Geschichts‑Hopping“. Die Krater werden leider nicht in alphabetischer Reihenfolge besprochen: Die Abfolge erschließt sich erst mit dem ausführlichen Index im dritten Band.

Im Anschluss kehrt der Autor zurück zu einer ausführlichen Beschreibung von lunaren Formatio­nen und Phänomenen, wie Dark-Halo-Kratern, Kraterstrahlen, Rillen-Brüchen, „Geistkratern“, Domen oder transienten Phänomenen. Diese stellt er nicht nur aus his­torischer Perspektive vor, sondern auch aus dem Blickwinkel des Beobachters.

Der Praxisteil zu den Kratern hilft dabei, Mondbeobachtungen gleichermaßen gut vor- und nachzubereiten. Leider erstreckt er sich über zwei Bände: Praktischer wäre ein eigenständiger Band gewesen, um ihn zur nächtlichen Beobachtung mitzunehmen. Doch dazu eignet sich das eBook sehr gut. Auf einem Tablet im Nachtlesemodus lässt es sich ohne blendendes Display gut handhaben. Eine Übersichtskarte hätte für jeden Abschnitt geholfen, um als Beobachter schneller zu wissen, an welcher Stelle man nach den Kratern suchen muss. Das Inhaltsverzeichnis ist verlinkt, aber leider nicht bei Band 3, wo sich eine übersichtliche Mondkarte befindet. Andere „Reiseführer“ für den Mond sind da praxistauglicher.
Das Buch eignet sich besonders für alle, die mehr über den Mond erfahren möchten, als in vielen anderen Büchern zur Mond­beobachtung zu finden ist. Mit seiner riesigen Informationsfülle ist das Werk derzeit einzigartig auf dem Markt.

Wer einfach nur schmökern und wissenschaftliche, historische oder kulturelle Hintergründe erfahren möchte, dem sei das angesichts seines Umfanges und seiner Machart überraschend preisgünstige Werk sehr ans Herz gelegt. Die persönliche und fundierte Schreibweise des Autors macht die Lektüre zur Freude!

Dr. Matthias Hahn, Karlsruhe
 

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