Rezension

Laserforschung in Deutschland 1960 − 1970

Helmuth Albrecht: Laserforschung in Deutschland 1960 – 1970, GNT-Verlag, Diep­holz Berlin 2019, geb., 466 S., 39,80 €, ISBN 9783862251094

„Laser science and technology are undeniably international, nevertheless, I believe it would be a mistake for this project to cover the globe“. So brachte die amerikanische Physik­historikerin Joan Lisa Bromberg die Probleme transnationaler Wissenschaftsgeschichte am Beispiel Laser auf den Punkt. Zum einen ist die Fülle an Quellen für Einzelne nicht zu bewältigen, zum anderen gibt es dabei große praktische Hindernisse durch geografische und sprachliche Barrieren. Trotz allem entstand aus dem „Laser History Project“ mit Brombergs „The Laser in America: 1950 – 1970“ (MIT Press, 1991) eines der bis heute besten Bücher zur Lasergeschichte, allerdings begrenzt auf die USA.

Die nun erschienene Monographie von Helmuth Albrecht knüpft in Methoden und Fragestellungen an Brombergs Forschungen an. Der Autor, seit 1997 Lehrstuhlinhaber für Technikgeschichte und Industriearchäologie der TU Bergakademie Freiberg, folgt dem Vorbild des Laser History Project durch die geschickte Verbindung von Archivbeständen und Sekundär­literatur mit einer größeren Anzahl von Zeitzeugeninterviews.

Das Buch selbst hat bereits eine eigene Geschichte: Albrecht hat es ursprünglich 1996 als Habilitationsschrift geschrieben. Er lieferte damit die erste systematische Lasergeschichte für Deutschland und so einen wichtigen und lange erwarteten Beitrag zur Physikgeschichte der Nachkriegszeit. Durch den präzisen Vergleich der universitären, außeruniversitären und militärischen Forschung in BRD und DDR zeichnet das Buch ein spannendes und vielschichtiges Bild eines aufstrebenden physikalischen Forschungsbereichs. Ausgehend von den ersten Wiederholungen der Rubin­laserversuche bei Siemens in der BRD und in der Akademie der Wissenschaften der DDR (vgl. Physik Journal, Juli 2010, S.46/47) erläutert der Autor detailliert die rasante Entwicklung an den Hochschulen hin zu einer Institutionalisierung der Laserforschung Ende der 1960er-Jahre. Mit dieser Buchausgabe wird die Habilitationsschrift einem größeren Leserkreis zugänglich.

Auch bei einer systematischen Studie wie der von Helmuth Albrecht ist es unmöglich, alle parallelen Entwicklungen vollständig abzu­decken, und so fehlt bei näherer Betrachtung die Erwähnung weiterer Laser-Arbeitsgruppen, die man auf der historisch nachgezeichneten Forschungslandkarte erwartet hätte. Dankenswerterweise hat der Autor mit dem Erscheinen des Buchs seine über Jahre hinweg gesammelten Quellen dem Archiv des Deutschen Museums übergeben, sodass mit diesen teilweise einzigartigen Zeitzeugnissen sehr gute Voraussetzungen für eine Fortschreibung der Lasergeschichte gegeben sind.

Michael Fritsch und Guido Büns­torf, Professoren für Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Jena bzw. Kassel, steuern am Schluss ein Zusatzkapitel bei, das die Entwicklung des Laser-Innovationssystems in Deutschland seit den 1970er-Jahren bis nach der Jahrtausendwende behandelt.

Das klar strukturierte und kompakte Buch bietet eine hervorragende historische Übersicht zur Entstehung der Laserforschung in Deutschland und ist historisch interessierten Lesenden sowie Forscherinnen und Forschern in der Laserphysik als Lektüre sehr zu empfehlen.

Johannes-Geert Hagmann,
Deutsches Museum, München

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