Rezension

Helmholtz

David Cahan: ­Helmholtz, wbg Theiss, Darmstadt 2021, 992 S., geb., 89 €, ISBN 9783806243123

In seiner Besprechung der amerikanischen Originalausgabe lobte der Wissenschaftshistoriker Dieter Hoffmann die Helmholtz-Biographie von David Cahan als „Standardwerk“, das zeige, welches Poten­zial biographische Darstellungen für die moderne wissen­schaftshistorische Forschung besitzen.

Doch annähernd tausend Seiten anspruchsvolle Wissenschaftsgeschichte sind auf Englisch durchaus eine Herausforderung. Die deutsche Übersetzung, welche die Wissenschaftliche Buchgesellschaft nun vorgelegt hat, schafft einem breiteren Kreis von Interessierten einen Zugang zu dieser beeindruckenden Biographie. Noch umfangreicher ist nur die dreibändige Helmholtz-Biographie von Leo Koenigsberger von 1902/03. Sie galt lange als Standardwerk, bietet aber nur eine unkritische und allzu beschönigende Darstellung. Sie ist seit 2012, von Gabriele Dörflinger aufwändig aufbereitet, im Web verfügbar.

Cahans Buch ist mehr als eine Lebensbeschreibung, sondern geradezu ein Kompendium der Wissen­schafts- wie Zeitgeschichte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hier etablieren sich die einzelnen Naturwissenschaften als eigene Disziplinen, die moderne akademische Organisation und Verwaltung nehmen ihren Anfang. Die breiten Interessen von Helmholtz garantieren, dass man durch seine Bio­graphie nicht nur viel über die Entwicklung von Physik und Physiologie erfährt, sondern auch über Disziplinen wie Geologie, Meteorologie, Chemie und Biologie. Cahan gelingt es hervorragend, das Familienleben, das gesellschaftliche Wirken und die Persönlichkeit von Helmholtz lebendig werden zu lassen.

Alexander Pawlak
 

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