Rezension

Faszination ­Wissenschaft

Herlinde Koelbl: Faszination ­Wissenschaft, ­Knesebeck, broschiert, 352 Seiten, 35 €, ISBN 9783957284266

Hinter allen wichtigen Forschungsergebnissen stehen Menschen mit ihren Lebensgeschichten, individuellen Karriereentscheidungen und unterschiedlichen Umfeldern. Die deutsche Fotokünstlerin Herlinde Koelbl macht in ihrem üppigen Band „Faszination Wissenschaft“ die Gesichter hinter diesen Forschungs­ergebnissen sichtbar und porträtiert sie auf eine sehr persönliche Weise. 60 namhafte Forscherinnen und Forscher erzählen in diesem Buch ihre Geschichte, geben dem wissenschaft­lichen Nachwuchs Tipps und erklären in anschaulichen Worten, was sie tun.

Das Buch ist bereits auf den ersten Blick ein Hingucker: Annähernd in DIN A4-Größe bringt es mehr als drei Pfund auf die Waage. Auf den zweiten Blick fallen die ästhetischen Porträt­fotos der Forschenden ins Auge, die in der Handinnenfläche die Essenz ihrer Arbeit in einer Formel oder einem Zitat zeigen. Auffallend ist auch die Bandbreite der Themen und Personen: Zahlreiche Wissen­schaftsgebiete sind hier vertreten, darunter Chemie, Physik, Neurowissenschaften, Biochemie, Medizin, Meeresbiologie oder Mikro­biologie.

Herlinde Koelbl hat bei weitem nicht nur Nobellaureaten porträtiert, sondern sich auch bewusst einige jüngere Personen herausgepickt, die sich noch auf dem Weg zur großen Karriere befinden. Allen stellt sie die Frage nach den wichtigsten Karriere­entscheidungen, den Hürden und Stolpersteinen auf dem Weg zum Erfolg, fragt sie nach ihrer Antriebsfeder und geht damit der Faszination für die Wissenschaft auf die Spur.

Ich war überrascht, wie textlastig dieses Buch ist. In den vier- oder sechsseitigen Porträts finden sich nur ein bzw. zwei Fotos, der Rest ist Interview mit den Porträtierten. Noch überraschender fand ich, wie offen und persönlich die Befragten von ihrem Lebensweg berichten. Einige Frauen haben sich bewusst (und manchmal auch mit Bedauern) gegen eine Familie entschieden, während andere von den langen und straff durchorganisierten Arbeitstagen (und -nächten) berichten, die mit der Verbindung von Familie und Karriere einhergehen.

Faszinierend war es auch zu lesen, wie sich die meisten den Erfolg hart erkämpfen mussten – nicht nur durch viel Arbeit, sondern auch häufig gegen Widerstand oder gar offene Kritik der Konkurrenz. Das Buch deckt eine unglaubliche Bandbreite von Lebensgeschichten ab, von denen keine einzige geradlinig verlaufen ist. Geprägt war jeder Weg durch die Neugierde, die Faszination für die Wissenschaft und den Willen, etwas Eigenes zu entdecken.

Dieses Buch ist eine wahre Fundgrube für alle, die sich nicht nur für die Forschungsergebnisse an sich interessieren, sondern auch für die Menschen dahinter.

Maike Pfalz
 

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