Rezension

Die Welt der Technik in 100 Objekten

Wolfgang M. Heckl (Hrsg.): Die Welt der Technik in 100 Objekten, Verlag C. H. Beck, ­München 2022, geb., 686 S. mit 290 Abb., 39,95 Euro, ISBN 9783406783142

Bildband, Ausstellungskatalog, Chronik, Sammelwerk – all das vereint „Die Welt der Technik in 100 Objekten“, ohne dass sich die fast 700 Seiten des aufwändig verlegten Bandes einer dieser Gattungen eindeutig zuordnen ließen. Über allem steht der Anspruch, die Entwicklung der „Technosphäre“ als Gegenstück zu Atmo­sphäre oder Bio­sphäre darzustellen, was anhand der etwas mehr als hundert Beiträge auch bestens gelingt.

Inhalt der meist sechs Seiten umfassenden Beschreibungen sind Objekte aus dem Fundus des Deutschen Museums. Diese lassen sich unabhängig voneinander lesen. Chronologisch angeordnet erlauben sie es, beim durchgängigen Lesen die sich ausbreitende Technisierung der Welt nachzuvollziehen. Da diese sich im 19. und 20. Jahrhundert zunehmend beschleunigte, bleibt es nicht aus, dass im Verlauf des Buchs die Auswahl repräsentativer Objekte immer schwerer fiel, wie der Generaldirektor des Deutschen Museums Wolfgang M. Heckl im Vorwort betont.

Den Anfang macht das Poeticon Astronomicon von 1482, die erste gedruckte bebilderte Himmelsbeschreibung. Das Buch steht als Sinnbild für den Einfluss von Technik auf Gesellschaft und Wissenschaft: Der Buchdruck wird als entscheidender Katalysator für die Reformation und die wissenschaftliche Revolution in der Frühen Neuzeit dargestellt. Wie bei allen Beiträgen steht am Anfang ein großformatiges Foto des besprochenen Objekts. Der Text behandelt dessen Geschichte auf mehreren Ebenen: Wie es zu dem Objekt kam, in welcher Zeit es entstand, warum es die Lebenswirklichkeit der Menschen beeinflusst hat, was ihm im Lauf der Zeit widerfahren ist und schließlich, wie es den Weg ins Deutsche Museum fand. Eine Tabelle mit den wichtigsten Daten zum Objekt beschließt den Beitrag.

In neun Gruppen, die unterschiedlich lange Zeiträume umfassen, führt der Weg bis zum COVID-19-Impfstoff im Jahr 2021 – verkörpert durch eine leere Ampulle des mRNA-Präparats und den Einweg-Bioreaktor, mit dem die mRNA hergestellt wurde. Dazwischen finden sich historisch bedeutsame Exponate wie die Magdeburger Halbkugeln (1662) oder der Frequenzkamm-Generator von Theo­dor Hänsch (2000), Modelle wie die vier Bauabschnitte der Brücken von Neuilly (1768 – 1772), Serienprodukte wie eine Bosch-Küchenmaschine von 1952 und ganz aktuell eine aus weg­geworfenen Safttüten hergestellte Umhängetasche (2013).

Nicht alle vorgestellten Objekte finden sich in den aktuellen Ausstellungen: Einige schlummern in den umfangreichen Depots des Deutschen Museums, andere sind nur bei Sonderführungen zugänglich. Daher können auch regelmäßige Gäste in diesem Band noch Neues entdecken. Die Texte stammen größtenteils von den Kuratorinnen und Kuratoren der Fachbereiche und Sammlungen und sind entsprechend hochwertig. Dem stehen Gestaltung und Ausführung in nichts nach. Ein zurückhaltendes, aber einprägsames Layout lenkt den Blick auf das Wesentliche; das Papier ist griffig und lässt die Fotos und Abbildungen perfekt zur Geltung kommen. Den Anhang bilden eine umfangreiche Bibliographie und ein Personenverzeichnis. Nicht nur Technikbegeisterte werden von diesem Buch fasziniert sein.

Kerstin Sonnabend

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Dienstag, 11.10.2022
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