Rezension

Die geheime Welt der Bauwerke

R. Agrawal: Die geheime Welt der Bauwerke, Carl Hanser Verlag, München 2018, geb., 262 S., 24 €, ISBN 9783446260306

Sie sind allgegenwärtig und begleiten den Menschen auf dem Weg durch seine Entwicklungsgeschichte. Wir leben und arbeiten in ihnen. Wir fahren auf ihnen, über und durch sie. Ihre Konstruktion treibt uns zu immer neuen technischen Meisterleistungen: Bauwerke – ob Häuser, Straßen, Brücken oder Tunnel – umgeben uns heute in solcher Vielzahl und Vielgestalt, dass wir uns ein Leben ohne sie gar nicht vorstellen können. Dabei hinterfragen wir nur selten, wie es gelingt, fast einen Kilometer in die Höhe zu bauen oder Dutzende von Kilometern zu überbrücken. Roma Agrawals Einblick in die geheime Welt der Bauwerke regt dazu an, unsere gebaute Umgebung mit neuen Augen zu sehen.

Dabei nutzt die Bauingenieurin, die unter anderem den zweithöchs­ten Wolkenkratzer Westeuropas – The Shard in London – mit entworfen hat, immer wieder ihr fundiertes Wissen als studierte Physikerin, um die kompliziert erscheinenden technischen Grundlagen mit einfachsten Worten und Bildern zu erklären. Liebevoll handgezeichnete Skizzen erklären beispielsweise, wie unterschiedliche Methoden die Stabilität von Gebäuden sichern oder wie verschiedene Brückentypen Las­ten abtragen. Zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos der Bauwerke runden die Texte ab – diese könnten in einer höherwertigen Neuauflage gut einen farbigen Bildteil füllen.

Die 230 Seiten Text gliedert Agrawal in 14 Kapitel, die sie mit eher rätselhaften Überschriften wie Riesen, Himmel oder Schmutz betitelt. Um was es geht, klärt sich meist schon auf der ersten Seite der Abschnitte auf, wenn die Autorin mit einer kleinen Geschichte aus ihrem Arbeits- oder Familienleben in das Thema einführt. Beispielsweise greift sie zu Beginn des Kapitels „Schmutz“ ihre Erfahrungen mit japanischen Toiletten auf, um über die Tradition des Fäkalienhandels als Düngemittel auf die Probleme der Abwasserentsorgung im modernen London zu kommen.

Immer wieder lockern sehr persönliche Aussagen – „Ich muss Beton einfach streicheln.“ – selbst anspruchsvolle Erklärungen wie das asymptotische Verhalten von Beton beim Aushärten auf. So liest sich der Band eher wie eine kurze Geschichte des Bauens und bleibt doch ein Sachbuch zur Kunst der Bauingenieure. Entsprechend runden Quellenangaben mit Fachliteratur und ein ausführliches Register den schönen Band ab.

Roma Agrawals Faszina­tion für Bauwerke aller Art ist ansteckend. Das fällt spätes­tens dann auf, wenn man erstmals selbst prüfend den Blick über ein Gebäude schweifen lässt – auf der Suche nach stabilisierendem Gebäudekern oder Außenskelett. So machen ihre im letzten Kapitel „Traum“ stark gebündelten Überlegungen zur Zukunft des Bauens Hoffnung auf eine Fortsetzung dieses „populären Sachbuchs über die Kunst der Statik“.

Kerstin Sonnabend

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