Rezension

Der Mann, der vom ­Himmel fiel

Walter Tevis: Der Mann, der vom ­Himmel fiel, Diogenes Verlag,­ ­Hamburg 2022, geb., 272 S., 23 Euro, ISBN 9783257071979

Netflix dürfte es zu danken sein, dass dieser Roman wieder auf Deutsch erhältlich ist. Der amerikanische Schriftsteller Walter Tevis (1928 – 1984) lieferte die Vorlage zur erfolgreichen Streaming-Serie „Das Damen­gambit“ (2020). Dies lenkte wohl die Aufmerksamkeit auf sein relativ schmales, aber fast vollständig verfilmtes Roman-Werk.

„The Man Who Fell to Earth“ war 1963 sein zweites Buch und erschien im selben Jahr auf Deutsch unter dem reißerischen Titel „Spion aus dem All“ in der Reihe „Goldmanns Zukunfts­romane“. Viel bekannter als der Roman dürfte Nicolas Roegs Verfilmung von 1976 mit David Bowie in der Hauptrolle sein.1) Bowie verkörpert eindrucksvoll den Außerirdischen vom Planeten Anthea, der unter dem Namen Thomas Jerome Newton auf die Erde kommt. Sein Ziel: Mithilfe von innovativen Patenten ein Industrie­imperium aufzubauen, um damit die Mittel für einen Exodus der wenigen noch lebenden Antheaner auf die Erde vorzubereiten, denn deren Heimatwelt liegt im Sterben.

Im Gegensatz zum unkonventio­nell ins­zenierten Kinofilm ist der Roman von Walter Tevis weniger auf Effekte aus und konzentriert sich feinfühliger und nachvollziehbarer auf Newton, die wenigen weiteren Hauptpersonen und vor allem auf die kritische Sicht des Außerirdischen auf die Menschheit. Diese treibt den Antheaner zunehmend in die Verzweiflung und zum Alkohol. Auf diese Weise erhält der Science-Fiction-Roman auch autobio­graphische Züge, denn Tevis kämpfte lange gegen Alkoholismus und veröffentlichte erst 1980 ein weiteres Buch.

Der Diogenes Verlag legt mit der gelungenen Neuübersetzung erstmals die revidierte Fassung des Romans auf Deutsch vor, die 1976 zum Film erschien.2) Hinweise darauf fehlen ebenso wie auf den Science-Fiction-Charakter des Romans, abgesehen vom Covermotiv. Statt nur einen Nachweis der Fremdzitate im Text zu ergänzen, hätte dem großzügig gesetzten Band ein instruktives Nachwort gutgetan, das den hierzulande sicher nicht allzu bekannten Autor vorstellt und die Hintergründe des Romans vertieft.

Die mehr psycho- und weniger technologische Perspektive und die modernisierte Sprache lohnen es, diesen kurzen Roman, der in der amerikanischen Erstausgabe nicht einmal 150 Seiten umfasste, wiederzuentdecken. Tevis verliert sich nicht in Science-Fiction-Klischees und projiziert die Ängste einer Welt, welche die Kuba-Krise heil überstanden hat, so in die Zukunft, dass sie uns auch heute noch angehen – leider.

Alexander Pawlak

1) 1987 gab es einen weiteren Fernsehfilm; aktuell läuft eine Serienversion beim US-amerikanischen Sender und Streaming-Anbieter Showtime.

2) Die 1986 bei Ullstein erschienene deutsche Ausgabe „Der Mann, der vom Himmel fiel“ nutzt die Übersetzung von 1963. In der revidierten Fassung finden sich nun auch Anspielungen auf den Watergate-Skandal, und die Handlung beginnt 1985 statt wie ursprünglich 1972.

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