Rezension

Der Geheimcode der Sterne

Jürgen Teichmann: Der Geheimcode der Sterne, Kosmos-­Verlag, Stuttgart 2021, 352 S., geb., 34  €, ISBN 9783440169209

Der Wissenschaftshistoriker Jürgen Teichmann hat jahrzehntelang am Deutschen Museum in München gewirkt. Sein besonderes Interesse gilt der Geschichte der Astronomie und Astrophysik und wie sich diese didaktisch wirkungsvoll einsetzen lässt. Sein mehrfach neu aufgelegtes Buch „Wandel des Weltbildes“ (1980, 4. Aufl. 1999) befasst sich mit der Geschichte der Astronomie bis etwa 1800, insbesondere dem Wandel vom geo- zum heliozentrischen Weltbild.

Mit „Der Geheimcode der Sterne“ legt er gewissermaßen die Fortsetzung vor. Darin geht es um die Entstehung der modernen Astrophysik, die auf Fraunhofers Entdeckung der dunklen Linien im Sonnenspektrum 1814 zurückgeht. Doch damit ergab sich keineswegs unmittelbar ein Aufschwung der Astronomie: Über vier Jahrzehnte vergingen, bis Kirchhoff und Bunsen die wahre Bedeutung der Spektral­linien erkannten. Das machte den Geheimcode zu einer lesbaren Botschaft, die vermittelte, woraus die Sonne bestand, und die bis heute immer neue Erkenntnisse hervorbringt.

Teichmann zeichnet in seinem großzügig illustrierten Buch die Entdeckung und langwierige Entschlüsselung der Spektrallinien fundiert und facettenreich nach. So erfährt man vom aus Schottland stammenden Astronomen Johann Lamont, der 1836 die ersten Bilder von Fixsternspektren zeichnete, aber sich partout keinen weiteren Reim darauf machen wollte. So gingen weitere 23 Jahre ins Land, bis Kirchhoff seine kurze, aber revolutionäre Mitteilung „Über die Fraunhofer‘schen Linien“ in der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin veröffentlichte.

Teichmann beschränkt sich in seiner Darstellung nicht allein auf den naturwissenschaftlichen Blick, sondern nimmt auch die Entwicklungen der Malerei im Laufe des 19. Jahrhunderts in den Blick. Das schafft überraschende und anregende Querverbindungen zwischen Astronomie und Kunst. „Nicht mehr die Objekte, sondern das Wahrnehmen selbst wurde Teil der neuen Gemälde“, schreibt er in einem Exkurs zum Impressionismus und weist darauf hin, dass „reine Spektralfarben gesucht [wurden]“.

Das im Kosmos-Verlag erschienene Buch ist eine gänzlich neu gesetzte Buchhandelsausgabe des 2016 im Verlag des Deutschen Museums veröffentlichten Buches. Das Layout ist weniger gedrängt; die meisten Bilder kommen besser zur Geltung. Entfallen ist das Kapitel „Anfänge der Astrophysik im Deutschen Museum“. Das mindert aber nicht den Wert dieses Buches, das ein lehrreiches Lesevergnügen und mit 188 zumeist farbigen Abbildungen auch einen wahren Augen­schmaus bietet.

Alexander Pawlak

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